Karl von Closen

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Karl Ferdinand von Closen, Lithographie von Franz Hanfstaengl

Karl Ferdinand Heinrich Freiherr von Closen-Haidenburg (* 31. Dezember 1786[1] in Zweibrücken; † 19. September 1856 in Gern) war ein deutscher Jurist und Politiker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Closen war der Sohn des Generals in französischen Diensten Hans Christoph Friedrich Ignatz Ludwig von Closen (1755–1830) zu Haidenburg und der Dorothea, geb. von Fürstenwärther († 1800).[2] Spross einer Seitenlinie der Wittelsbacher und Schwester der Zwillinge Friedrich Karl von Fürstenwärther bzw. Leopold von Fürstenwärther.[3] Er hatte vier Geschwister. Seine Schwester Charlotte Henriette (* 14. September 1788) war mit Friedrich Carl Hector Wilhelm von Günderrode verheiratet.

Karl von Closen studierte Rechtswissenschaften an den Universitäten Wien und Landshut. In Landshut war er 1803 Mitstifter des Corps Suevia.[4]

1805 wurde er Accessist im bayrischen Staatsdienst. 1814 nahm er als Freiwilliger am Befreiungskriege teil. 1817 wurde er Regierungsrat. In den Jahren 1819, 1825 und 1828 war er Mitglied des Bayerischen Landtags für die Fraktion der Gutsbesitzer.

1831 trat er aus dem Staatsdienst aus, weil den liberalen Abgeordneten im Staatsdienst wegen eines Konflikts mit der Bayrischen Staatsregierung kein Urlaub gewährt wurde. Closen kritisierte als Abgeordneter das harte Vorgehen der Regierung im Zusammenhang mit dem Münchner Studentenaufstand vom Dezember 1830, der Ausfluss der Julirevolution von 1830 in Paris war. In der Folge wurden gegen ihn Ermittlungen wegen angeblicher staatsfeindlicher Verbreitung des revolutionären Gedichts Lebewohl, Abschied des kranken Dichters von Baiern[5] von Ernst Ludwig Große eingeleitet. Er kam für vier Monate in Haft und wurde anschließend mit Meldepflichten bei der Polizei belegt. Seinen Wohnort Gern durfte er nur mit Genehmigung des Untersuchungsrichters verlassen. Die Verfolgungen wurden erst durch Entscheidung des Oberappellationsgerichts München vom 30. Dezember 1839 aufgehoben.

1848 nahm er am Vorparlament teil[6] und wurde Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung und zum Mitglied des Fünfzigerausschusses gewählt, nahm diese Mandate jedoch nur kurzzeitig wahr, da ihn König Max II. von Bayern zum Gesandten beim Deutschen Bund bestellte. Nach dem Rücktritt des Märzministeriums ernannte Max II. ihn zum Bayerischen Staatsrat in außerordentlichem Dienst. Fortan kümmerte er sich um die Förderung der Landwirtschaft in Bayern.

Er verstarb ohne Nachkommen. Als Fideikomiss-Erbe erhielt sein Großneffe Hector Karl Eduard von Günderode das Recht, Wappen und Freiherrntitel der Familie von Closen zu tragen.[7]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Karl-von-Closen-Gymnasium in seinem Heimatort Gern (heute Ortsteil der Stadt Eggenfelden) ist ihm zu Ehren benannt.[8]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kritische Zusammenstellungen der baierischen Culturgesetze, 1818
  • Die landwirthschaftliche Erziehungsanstalt in Gern, 1825
  • Bemerkungen über die §§. 2 und 3 des Reichsverfassungsentwurfes mit besonderer Rücksicht auf das Verhältniß Oesterreichs zu Deutschland, 1848 (Volltext (72 S.))
  • Die Armee als militärische Bildungsanstalt der Nation, 1850, mit einem Nachtrag (1851) (Volltext)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl Theodor von Heigel: Closen, Karl Freiherr von. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 4, Duncker & Humblot, Leipzig 1876, S. 339–341.
  • Egbert Weiß: Corpsstudenten in der Paulskirche (= Einst und Jetzt, Jahrbuch des Vereins für corpsstudentische Geschichtsforschung, Sonderheft 1990). Stamsried: Vögel 1990

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Karl von Closen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Simon, Ernst-Otto: Hans Christoph Ludwig von Closen. Simmern 1986, S. 37
  2. Eintrag zu Ludwig von Closen in der Rheinland-Pfälzischen Personendatenbank.
  3. Genealogische Webseite zur Familie der Mutter
  4. Weiß, S. 52; Weiß bezieht sich dabei auf ein unveröffentlichtes Manuskript von Wolfgang Gottwald: Ergänzte Corpsliste der Suevia Landshut-München, dort: Nr. 8 Closen.
  5. Lebewohl, Abschied des kranken Dichters von Baiern (Digitalisat)
  6. Bundesarchiv: Mitglieder des Vorparlaments und des Fünfzigerausschusses (PDF-Datei; 79 kB)
  7. Der deutsche Herold. Zeitschrift für Wappen-, Sigel- und Familienkunde 6 (1875), S. 56 (Digitalisat)
  8. Karl von Closen. In: www.closen.de. Abgerufen am 4. November 2019.