Katharina Schroth

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Katharina Schroth (geb. Bauer; * 22. Februar 1894 in Dresden; † 19. Februar 1985 in Bad Sobernheim) war eine Handelsschullehrerin, die an einer Skoliose erkrankt war. Sie versuchte, diese Wirbelsäulenverkrümmung bei sich selbst zu behandeln, und entwickelte dabei ein neues Konzept der Physiotherapie, die Dreidimensionale Skoliosebehandlung nach Katharina Schroth, die später von ihrer Tochter, Christa Lehnert-Schroth, in deren gleichnamigem Buch umfassend dargestellt wurde. Mit dieser Behandlungsmethode führte Katharina Schroth neue Behandlungselemente in die Skoliosetherapie ein.[1] Neu war einerseits die sogenannte Drehwinkelatmung als Verstärker für die Wirbelsäulenkorrektur über die Rippen, andererseits auch das Ziel, in die Haltungsregulation über das Haltungsempfinden korrigierend einzugreifen.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1921 gründete Katharina Schroth in Meißen ihr erstes kleines Institut, das im Wesentlichen aus einer Baracke zur Unterbringung der Patienten auf dem großen Grundstück der Familie Grundmann im Boselweg bestand. Geübt wurde im Freien auf der großen Wiese des idyllischen Gartens.

1924 erschien ihr erstes Büchlein mit dem Titel Die Atmungskur,[2] weitere Publikationen folgten,[3][4][5] wodurch das kleine Institut bald überregional bekannt wurde. Es wurden bereits Ende der 1920er Jahre Patienten aus dem umliegenden Ausland (Schweiz und Italien) in Meißen auch mit Hilfe ihres Ehemanns, Franz Schroth, behandelt.

Die mehrmonatigen Behandlungen von Schwerstverkrümmten wurden in Meißen auch während der Kriegsjahre fortgesetzt. Zu Beginn der sowjetischen Besatzung begannen die „Hungerjahre“. Katharina Schroth und ihre Familie wurden durch den Verkauf selbstgemalter Aquarelle und auch durch Spenden ausländischer Patienten unterstützt und konnten so die Behandlung in Meißen zunächst fortführen, bis das Institut durch die Staatsgewalt der DDR geschlossen wurde. Die Familie wurde nach Bad Gottleuba umgesiedelt, ehe Katharina Schroth mit ihrer Tochter in den Westen flüchtete. Für ihr Lebenswerk wurde Katharina Schroth 1969 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Katharina Schroth war selbst noch bis Mitte der 1970er Jahre in dem Sanatorium tätig. Allerdings wurden auch schon Therapeuten aus dem Ausland ausgebildet. Ende der 1970er Jahre legte Katharina Schroth die Behandlung gänzlich in die Hände ihrer Tochter, die mittlerweile auch von ihrem zweiten Ehemann, Adalbert Lehnert, unterstützt wurde.

Die dreidimensionale Skoliosetherapie wurde von Christa Schroth weiterentwickelt und in der Publikation Dreidimensionale Skoliosebehandlung – Atmungs-Orthopädie System Schroth (siehe Weblinks) ausführlich dokumentiert.

Im Heimatmuseum der Stadt ist Katharina Schroth eine Dauerausstellung gewidmet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • C. Lehnert-Schroth: Dreidimensionale Skoliosebehandlung. 6th. ed. Urban & Fischer, Stuttgart 2000 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  • HR Weiss: Best Practice in Conservative Scoliosis Care. 3. Auflage. Pflaum, München 2010.
  • HR Weiss, R Klein: Improving excellence in scoliosis rehabilitation: a controlled study of matched pairs. In: Pediatric rehabilitation. 2006, Jul-Sep;9(3), S. 190-200. doi:10.1080/13638490500079583, PMID 17050397.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • „Wie alles begann“ auf der Homepage „Dreidimensionale Skoliosebehandlung nach Katharina Schroth“ der Tochter Christa Lehnert-Schroth

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. HR Weiss: Entstehung und Entwicklung der dreidimensionalen Skoliosebehandlung nach Katharina Schroth. In: Zichner, Rauschmann, Thomann: Geschichte konservativer Verfahren an den Bewegungsorganen. Steinkopff Verlag, Darmstadt 2001
  2. K Schroth: Die Atmungskur. Zimmermann Verlag, Chemnitz, 1924
  3. K Schroth: Gefahren bei der Behandlung seitlicher Rückgratverkrümmungen. Zimmermann Verlag, Chemnitz, 1929
  4. K Schroth: Behandlung der Skoliose (Rückgratverkrümmung) durch Atmungsorthopädie. In: Der Naturarzt, 1931, S 11-15.
  5. Schroth K: Wie helfen wir den Rückgratverkrümmten? In: Obererzgebirgische Zeitung 143 vom 25. Juni 1935.