Keltenmuseum Hochdorf

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Keltenmuseum Hochdorf
Keltisches Hügelgrab (rekonstruiert)
Luftaufnahme des Grabhügels am Abend aus nördlicher Richtung
Ausblick vom Grabhügel Richtung Osten zum Hohenasperg

Das Keltenmuseum Hochdorf befindet sich im Eberdinger Ortsteil Hochdorf, rund 18 km westlich von Ludwigsburg im Landkreis Ludwigsburg. Es zeigt Exponate aus dem 1978 aufgefundenen keltischen Hügelgrab am Rande des Orts und gibt einen Überblick über die Lebensweise der Kelten im Allgemeinen.

Hügelgrab[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Ortsrand befindet sich ein gewaltiges keltisches Hügelgrab (48° 53′ 20″ N, 9° 0′ 35″ O), das nach den Ausgrabungen wieder rekonstruiert wurde. Mit einer Höhe von ca. sechs Metern und einem Durchmesser von 60 Metern zählt es zu den größten seiner Art. Hier wurde um 550 vor Christus ein „Fürst“ der Hallstattkultur mit großem Aufwand und reichen Grabbeigaben bestattet. Die Lage der Grabstätte wurde mit Bedacht gewählt: Vom Hügel aus hat man Richtung Osten einen freien Blick auf den Hohenasperg, den vermuteten Fürstensitz.

Die Grabkammer hat eine Größe von 4,70 m × 4,70 m und war aus Eichenholz angefertigt. Diese Kammer wurde von einer weiteren Kammer umgeben und das ganze zum Schutz vor Grabräubern von einer 50 Tonnen schweren Steinpackung bedeckt.[1]

Das Grab blieb so lange vor Entdeckung und Plünderern geschützt, weil der Grabhügel bis auf eine unmerkliche Erhebung abgeflacht war.[2] Steine, die beim Pflügen zum Vorschein kamen, brachten eine ehrenamtliche Mitarbeiterin des Landesdenkmalamtes auf die Spur der alten Anlage.

Museum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Gestaltung des Museumsgebäudes wurden Elemente des Grabhügels aufgegriffen. Der Metallbogen an der Front des Gebäudes stellt den Grabhügel dar, die nachgebaute und mit Repliken ausgestattete Grabkammer befindet sich unter diesem Bogen an der gleichen Stelle wie einst im richtigen Grab. Die Repliken wurden mit eisenzeitlicher Technik hergestellt, die originalen Funde befinden sich im Landesmuseum Württemberg in Stuttgart. Zur Dauerausstellung gehört außerdem das originale Skelett des Fürsten sowie Dokumentationsfilme über den Fund und die Ausgrabung.

Neben dem Museumsgebäude befindet sich ein kleines Freilichtmuseum mit Rekonstruktionen verschiedener keltischer Gebäude, deren Überreste an ebendieser Stelle gefunden worden waren. Hier werden hallstattzeitliche Handwerkstechniken wie z. B. die Eisengewinnung mit einem Rennofen dargestellt und ein umfassender Überblick über die intensive eisenzeitliche Besiedlung der Region Ludwigsburg vermittelt, in der über 150 Fundstellen aus dieser Zeit entdeckt wurden.

Im Sommer findet im Freilichtmuseum regelmäßig ein Programm rund um die Eisenzeit statt. Es gibt eine vom Keltenmuseum veranstaltete Vortragsreihe, und im Museum werden im Wechsel Sonderausstellungen über ähnliche Funde oder spezielle Themen wie z. B. Goldschmuck gezeigt.

Grabfunde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rekonstruktion des Keltengrabs im Museum. Vorn der Wagen mit Geschirr, hinten die Totenliege. Vor der Wand sind Trinkhörner aufgehängt. Hinten rechts steht der große Bronzekessel.
Replik des Dolches aus dem Fund

Da das Grab vor der Ausgrabung nicht ausgeraubt worden war, konnten hier besonders spektakuläre Funde gemacht werden. Der Tote war mit reichlich Beigaben ausgestattet.

Persönliche Ausstattung des Toten

Der Tote selbst war reich ausgestattet und geschmückt. Er trug goldene Fibeln, einen Goldarmreif, einen Gürtel, von dem noch das goldene Gürtelblech vorhanden ist, sowie einen Prunkdolch und goldene Schuhbesätze. Diese Beigaben wurden eigens für die Bestattung angerfertigt. Zu Lebzeiten getragen wurde der breite Goldhalsreif mit umlaufenden Reihen aus Reiterfigürchen. Zudem trug der Verstorbene einen kegelförmigen Hut aus Birkenrinde. Diese, als Statussymbole zu betrachtenden Beigaben finden sich ebenfalls an der Statue des Kriegers von Hirschlanden.

Die weitere persönliche Ausstattung des Toten besteht aus zwei bronzenen Gewandspangen, welche die Grabtücher zusammenhielten, einem fein gesägten Kamm, einem Rasiermesser, einem Nagelschneider aus Eisen, drei Angelhaken und einem kleinen Eisenmesser. Diese Beigaben befanden sich in einem Stofftäschchen mit bronzebeschlagenem Lederverschluss auf der Brust des Toten. Die Ausstattung wurde durch fünf Bernsteinperlen vervollständigt.

Im Kopfbereich des Grabherrn lag ein bronzebeschlagener Köcher aus dem Wurzelholz der Schwarzpappel, in dem sich 14 Pfeilen befanden, außerdem ein Messer mit geschnitzter Holzscheide.

Die Bronzesitzbank

Der Tote wurde auf einer Bronzesitzbank zur letzten Ruhe gebettet. Diese ist mit gepunzten Szenen verziert: in der Mitte der Rückenlehne befinden sich hierbei drei Schwertkampfpaare, an den Seiten vierrädrige Wagen. Diese Motive sind allerdings fremd im Motivschatz der Hallstattkultur. Die nächsten stilistischen Vergleiche zu diesen Motiven finden sich in der Situlenkunst Oberitaliens und dem Südostalpenraum. Dort werden meist festliche Gelage, Wagenfahrten, die Jagd oder Musik- und Sportwettkämpfe dargestellt.

Die Sitzbank ist 2,75 m lang und wird von acht weiblichen Figuren mit je einem Rad zwischen den Beinen getragen.

Gepolstert wurde die Sitzbank mit einer Bastunterlage und abwechselnd Dachsfellen, Basttextilien, Textilien aus Dachswolle, Woll- und Leinenstoffen.

Die Bronzesitzbank weist Abnutzungsspuren und altertümliche Bildebene auf, was dafürspricht, dass sie bereits als Altstück ins Grab gelangte.[1]

Der Prunkwagen

Ein Prunkwagen gehörte zu der Zeit der Grablege zur typischen Beigabe der damaligen Elite. Diese dienten nicht zum Transportieren von Lasten, sondern wurden bei festlichen Prozessionen verwendet, vielleicht auch für den Transport des Toten zum Begräbnisplatz. Bei dem Wagen des Grabherrn von Hochdorf handelt es sich um einen fast vollständig erhaltenen vierrädrigen Prunkwagen mit dazugehörigem Zaumzeug. Die Räder, die Deichsel und die Außenseite sind fast vollständig mit Eisenblech beschlagen, die Verkleidung besteht hierbei aus über 1.300 Einzelteilen, von denen die meisten mit Punzmustern verziert wurden. Der Wagenkasten besteht aus Ulmen- und Eschenholz und enthielt das Schirrzeug für zwei Pferde, bestehend aus einem Doppeljoch aus Ahornholz, welches mit bronzebeschlagenen Lederbändern und einander zugewandten Bronzepferdchen geschmückt war, das Lederzaumzeug, dass mit zwei Schmuckscheiben aus Bronze verziert war, und die Eisentrensen. Außerdem gehört zum Schirrzeug noch ein hölzerner Treibstachel mit Bronzegriff und Eisenspitze, mit dem die Pferde angetrieben wurden.

Das Trink- und Speiseservice

Ebenfalls im Wagenkasten befand sich das Speiseservice. Es besteht aus drei Bronzebecken mit seitlichen Griffen und punzenverzierten Rändern sowie neun Tellern aus Bronze. Es war also für neun Personen gedacht. Das Speiseservice ist eine einheimische Arbeit nach etruskisch-italischen Vorbildern. Es war, worauf Abnutzungsspuren und Reparaturen hindeuten, schon zu Lebzeiten des Grabherrn in Gebrauch. Zum Speiseservice gehört außerdem noch ein mehrteiliges Schlacht- und Opferbesteck.

Auch das Trinkservice war ausreichend für neun Personen. Dazu gehören acht Trinkhörner, die an der südlichen Kammerwand mithilfe von zierlichen Bronzehenkeln und Wandhaken aufgehängt wurden. Die Hörner stammen von Auerochsen, die Mündungen wurden mit Goldblechen verziert. Über dem Kopf des Toten befand sich das mächtige neunte Trinkhorn aus Eisen, welches für den Verstorbenen selbst bestimmt war. Es hat ein Fassungsvermögen von 5,5 l und ist am Ende mit kleinen Stierköpfen verziert.

Das Prunkstück des Trinkservices stellt allerdings der große griechische Bronzekessel dar. Er stand in der Nordwestecke der Grabkammer zu Füßen des Toten. Der Kessel ist aus Altteilen zusammengesetzt und am Rand mit drei Löwenfiguren geschmückt. Zwei dieser Löwen wurden um 540 v. Chr. in einer griechischen Werkstatt hergestellt, der dritte Löwe ist eine einheimische Produktion. Er ist meisterhaft ausgeführt, gegenüber den griechischen Löwen aber plastisch reduziert. Der Bronzekessel hat ein Fassungsvermögen von 500 l und war bei der Grablege zu etwa drei Vierteln mit frisch angesetztem Honigmet gefüllt. Im Kessel befand sich bei der Ausgrabung eine goldene Schöpf- und Trinkschale.

Das Speise- und Trinkservice kennzeichnet den Herrn von Hochdorf als den Gastgeber eines Festgelages.

Textilfunde

Bedeutende Grabfunde sind auch die besonders gut erhaltenen Textilien, die als Wandbehang, Sitzauflage und als Prunktücher, die um den Toten und den Bronzekessel gewickelt wurden, dienten. Dieses Ensemble ist einzigartig für die Eisenzeit in Mitteleuropa. Die meisten Textilien wurden aus Schafswolle gewebt, verwendet wurden aber auch Hanf und Leinen. Die Webarten reichen von der einfachen Leinenbindung bis hin zur aufwendigen Körperbindung. Verziert wurden die Textilien mit kompliziert eingewebten Rauten und Muster, sowie größtenteils mit brettchengewebten Borten. Die meisten Textilien waren blau und gelb, es gab aber auch wertvolle mit dem aus dem Mittelmeerraum importierten Farbstoff der Kermeslaus rot gefärbte Textilien.

Nebengräber und Nachbestattung

Im Grabhügel befanden sich zwei Nebengräber, die während der Aufschüttung des Hügels angelegt wurden, sowie eine Nachbestattung am Rand des Hügels, welche deutlich jünger als das Zentralgrab ist. Das erste Nebengrab befand sich südwestlich vom Zentralgrab. In ihm war ein Mann bestattet, der als Beigaben dies gleichen Fibeln wie die im Hauptgrab erhalten hatte. Das zweite Nebengrab befand sich unter dem Steinkreis des Hügels. Es besteht aus einer mit Steinen umstellten Kammer, in der ein Mann mit Bronzeschmuck bestattet wurde. Außerdem enthielt dieses Nebengrab ein Tongefäß mit der Asche eines weiteren männlichen Toten.[1]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jörg Biel: Der Keltenfürst von Hochdorf. 3. Aufl. Theiss, Stuttgart 1995, ISBN 3-8062-1172-8.
  • Antje Theel: Die Rekonstruktion von Sozialstrukturen am Beispiel des so genannten Fürstengrabes von Hochdorf. Leipzig 2006 (Universität Leipzig, PDF; 221 kB, abgerufen am 5. Dezember 2016).
  • Jörg Biel: Das frühkeltische Fürstengrab von Eberdingen-Hochdorf, Landkreis Ludwigsburg. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg – Nachrichtenblatt der Landesdenkmalpflege, 7. Jg. 1978, Heft 4, S. 168–175 (doi:10.11588/nbdpfbw.1978.4.14500, abgerufen am 5. Dezember 2016).
  • Thomas Hoppe: Wahre Schätze - Kelten: Prinkgräber und Machtzentren des 7. bis 5. Jahrhunderts vor Christus in Württemberg, Ausstellungskatalog des Landesmuseums Württemberg, Jan Thorbecke Verlag, Stuttgart, 3. Juni 2016, S. 36–41.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Keltenmuseum Hochdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Thomas Hoppe: Wahre Schätze - Kelten: Prunkgräber und Machtzentren des 7. bis 5. Jahrhunderts vor Christus in Württemberg. Jan Thorbecke Verlag, Stuttgart 3. Juni 2016, S. 36–41.
  2. Laut Auskunft von Dr. Simone Stork vom Keltenmuseum

Koordinaten: 48° 53′ 21,1″ N, 9° 0′ 12,4″ O