Kerkwitz

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Koordinaten: 51° 54′ 39″ N, 14° 38′ 32″ O
Höhe: 75 m ü. NHN
Fläche: 8,64 km²
Einwohner: 502 (2008)
Bevölkerungsdichte: 58 Einwohner/km²
Eingemeindung: 28. Mai 1998
Eingemeindet nach: Gastrose-Kerkwitz
Postleitzahl: 03172
Vorwahl: 035692
Luftbild aus Blickrichtung West auf das Dorfzentrum auf Höhe Dreieckt von Kerkwitz (grafisch anonymisiert)
Luftbild aus Blickrichtung West auf das Dorfzentrum auf Höhe Dreieckt von Kerkwitz (grafisch anonymisiert)

Kerkwitz, niedersorbisch Kerkojce, ist ein Dorf in der Gemeinde Schenkendöbern im Landkreis Spree-Neiße in Brandenburg. Das Dorf zählt 502 Einwohner und gehört zu den wenigen brandenburgischen Gemeinden, die eine steigende Einwohnerzahl durch Zuzug verzeichnen können.

Der Ortsname wird entweder vom altsorbischen Personennamen Kyrk („die Kehle“) oder vom Wort kerk für „Strauch“ hergeleitet, wobei letztere Deutung in Zweifel gezogen wird.[1]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dorf Kerkwitz, Blick aus Richtung Atterwasch

Kerkwitz liegt etwa 5 km entfernt von der deutsch-polnischen Grenze zwischen Frankfurt (Oder) und Cottbus inmitten einer wald- und seenreichen Landschaft auf einer Höhe von 65 m bis 80 m ü. NN. Über die Bundesstraßen 97 und 112, die in der Nähe des Dorfes verlaufen, werden die Strukturzentren Cottbus und Frankfurt (Oder) erreicht. Kerkwitz liegt an der Bahnstrecke Cottbus – Guben (eröffnet 1871). Ab 1. Mai 1993 wurde der Fahrkartenschalter geschlossen.

Die Fläche der Gemarkung Kerkwitz beträgt 864 Hektar. Davon sind 564 ha forstwirtschaftliche Nutzfläche (65,3 %), 193 ha landwirtschaftliche Nutzfläche (22,3 %) und nur 24 ha bewohntes Gelände (2,8 %).[2]

Wirtschaft und Gesellschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf hat einige Handwerksbetriebe, einen Dorfladen, eine Gaststätte mit Pension, die evangelische Kirche (siehe Gustav-Adolf-Kirche) und einen Bahnhof. Es gibt die Freiwillige Feuerwehr, einen Jugendclub, eine Kirchengruppe der Evangelischen Kirchengemeinde Region Guben[3], die Bubbatzfreunde Kerkwitz, die Frauengruppe Kleeblatt und einen Kleintierzuchtverein.[4]

Demografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 2008 hatte Kerkwitz 502 Einwohner, davon waren 91 unter 21 Jahre alt (18,1 %); 322 Einwohner waren zwischen 21 und 65 Jahre alt (64,2 %) und 89 Kerkwitzer waren älter als 65 Jahre (17,7 %).[5]

Braunkohleabbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende 2007 wurden Pläne des Vattenfall-Konzerns bekannt, die den Aufschluss des Tagebaus Jänschwalde-Nord vorsahen. Deren Bewilligung hätte die Umsiedlung der Einwohner und Zerstörung von Ort und Landschaft nach sich gezogen. Betroffen wären neben Kerkwitz die Dörfer Atterwasch und Grabko. Jährlich im Januar protestierten die Bewohner der drei Orte und der Nachbargemeinden mit einem Sternmarsch gegen die Pläne des Konzerns. Am 30. März 2017 gab der neue Eigentümer LEAG jedoch bekannt, auf die Erweiterung von Jänschwalde zu verzichten.[6]

Gedenkstein 10 Jahre Kampf gegen Abbaggerung, September 2017

Die geplante Devastierung der drei Orte wurde vom Dokumentarfilmer Peter Benedix in den Filmen Heimat auf Zeit (2009) und BrückenJahre (2014) thematisiert.[7]

Im August 2014 verband eine Menschenkette Kerkwitz mit dem 8 Kilometer entfernten Grabice in Polen. [8]

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kerkwitz ist mit den Lausitzer Radwanderwegen verbunden; die geringen Höhenunterschiede und niedrige Verkehrsdichte begünstigen das Radwandern. Einige Badeseen befinden sich in der Nähe des Ortes: der Deulowitzer See, der Pastlingsee und der Pinnower See. Wandern kann man zur Flussaue der Neiße, durch die ausgedehnten Wälder und in den Kaltenborner Bergen.

Gustav-Adolf-Kirche

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Liste der Baudenkmale in Schenkendöbern sind für Kerkwitz vier Baudenkmale aufgeführt.

Gustav-Adolf-Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gustav-Adolf-Kirche gehört zur evangelischen Kirchengemeinde Guben und befindet sich in der Ortsmitte von Kerkwitz. Sie wurde 1952 eingeweiht.[9][10]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ernst Eichler: Die Ortsnamen der Niederlausitz. Bautzen 1975.
  • Walter Schirm: Guben. Stadt und Land vor 1945. Hrsg. von Heimatkreis Guben und Gubener Heimatbund. Hannover 1990, ISBN 3-9801199-0-4.
  • Heimatlexikon für Guben und Umgebung. Guben 2002.
  • Heinz-Dieter Krausch: Aus der älteren Geschichte von Kerkwitz. In: Gubener Heimatkalender 1984. Guben 1984, S. 48–57.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kerkwitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ernst Eichler: Slawische Ortsnamen zwischen Saale und Neiße. Band 2: K–M. Domowina-Verlag, Bautzen 1987, ISBN 3-7420-0097-7, S. 23; 2. Auflage, ebenda 2010, ISBN 978-3-7420-0097-2.
  2. Angaben der Gemeindeverwaltung Schenkendöbern. Siehe auch die Homepage über den Ortsteil Kerkwitz. In: kerkwitz.de, abgerufen am 2. September 2017.
  3. Lutherjahr 2017. In: kerkwitz.de. Abgerufen am 1. September 2017.
  4. Die Vereine. In: kerkwitz.de. Abgerufen am 1. September 2017.
  5. Einwohnerstatistik nach Angaben der Gemeindeverwaltung Schenkendöbern.
  6. U. a. Blumenthal, Redaktion Brandenburg aktuell: Braunkohle-Tagebau Jänschwalde wird nicht erweitert. In: rbb-online.de. RBB, 30. März 2017, abgerufen am 30. März 2017.
  7. Drei Dörfer in der Lausitz – Peter Benedix über seinen Dokumentarfilm „BrückenJahre“. In: Film-dienst. 14/2015. 9. Juli 2015, S. 24–25.
  8. Robin Avram: Protest in der Lausitz – Deutsch-polnische Kettenreaktion gegen die Kohle (Memento vom 4. September 2014 im Webarchiv archive.is). In: rbb-online.de. rbb-Bericht vom 23. August 2014, abgerufen am 1. September 2017.
  9. Die Gustav-Adolf-Kirche zu Kerkwitz (Memento vom 4. August 2012 im Webarchiv archive.is). In: kerkwitz.de, abgerufen am 1. September 2017.
  10. Kerkwitz. Die Kerkwitzer Gustav-Adolf-Kirche. In: r2017.org. Reformationsjubiläum 2017 e. V., abgerufen am 1. September 2017.