Reformationsjubiläum 2017

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Die Thesentür der Schlosskirche in Wittenberg

Mit dem Reformationsjubiläum 2017 wird im Zeitraum 2016/2017 der 500. Jahrestag der Reformation begangen. Das Jubiläum ist weltweit der Höhepunkt der Lutherdekade. Im gesamten Zeitraum werden weit über eintausend Veranstaltungen, Tagungen und Ausstellungen stattfinden.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund der herausragenden Bedeutung des Jubiläums über theologische Aspekte hinaus wurde von Bund und Ländern die Staatliche Geschäftsstelle „Luther 2017“ geschaffen. Die in Lutherstadt Wittenberg ansässige Einrichtung ist ein bundesweit zentraler Akteur bei der Koordinierung und Vernetzung der Partner für die Lutherdekade und das Reformationsjubiläum 2017.[1] Eine der zentralen Aufgaben der Staatlichen Geschäftsstelle besteht darin, nicht-kirchliche Akteure wie Kulturschaffende, Kommunen, Museen oder Bundesländer in das Jubiläum einzubinden und damit die wichtige Dimension des Ereignisses auch außerhalb kirchlicher Strukturen aufzuzeigen.

Parallel richtete die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) in Wittenberg die Geschäftsstelle „Luther 2017 – 500 Jahre Reformation“ ein. Sie ist der Anlaufpunkt für kirchliche Akteure, ob Körperschaften, Gemeinden oder Einzelpersonen. Die beiden Geschäftsstellen arbeiten eng zusammen. Die Lizenz für das Logo „Luther 2017 – 500 Jahre Reformation“ wird von den Geschäftsstellen gemeinsam vergeben.[2] Es steht den Akteuren des Reformationsjubiläums kostenfrei zur Verfügung.[3]

Darüber hinaus gründeten der Deutsche Evangelische Kirchentag (DEKT) und die EKD im Jahr 2015 den Verein Reformationsjubiläum 2017 mit Sitz in Lutherstadt Wittenberg. Der Verein koordiniert die kirchlichen Großveranstaltungen zum Reformationsjubiläum, wie den Europäischen Stationenweg, die „Weltausstellung der Reformation“, die „Kirchentage auf dem Weg“ im Rahmen des 36. Deutschen Evangelischen Kirchentags, ein Konfi- und Jugendcamp, sowie einen Festgottesdienst und ein Bürgerfest in Wittenberg.[2]

Die EKD ernannte ihre ehemalige Ratsvorsitzende Margot Käßmann zur Botschafterin des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für das Reformationsjubiläum 2017.[4]

Auswirkungen und Ereignisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

International[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter dem Titel „Here I Stand …“ fanden innerhalb der Luther-Dekade drei Ausstellungen zum Leben und Wirken Martin Luthers in den Städten Minneapolis, New York City und Atlanta statt.

Bundesweiter Feiertag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anlässlich des Reformationsjubiläums ist der Reformationstag am 31. Oktober 2017 in Deutschland einmalig ein bundesweiter gesetzlicher Feiertag.[5] Dazu haben alle Bundesländer, in denen der Reformationstag normalerweise kein Feiertag ist, Gesetze bzw. Verordnungen erlassen, die den 31. Oktober zum gesetzlichen Feiertag erklären.

Überarbeitung der Lutherbibel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Deutsche Bibelgesellschaft nahm das Jubiläum zum Anlass, eine Revision der von ihr herausgegebenen Lutherbibel vorzunehmen.[6] Diese wurde unter dem Schlagwort Lutherbibel 2017 am 19. Oktober 2016 veröffentlicht und am 30. Oktober 2016 während eines Festgottesdienstes in der Eisenacher Georgenkirche offiziell den Gemeinden übergeben.[7]

Europäischer Stationenweg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anlässlich des Reformationsjubiläums wurde am 3. November 2016 in Genf der Europäische Stationenweg eröffnet. Er verbindet zentrale Orte der Reformation in 18 europäischen Ländern symbolisch miteinander und soll so die globale Dimension der Reformation verdeutlichen. Ein „Reformationstruck“ wird die Städte, beginnend am 3. November in Genf und endend am 20. Mai 2017 in Wittenberg, nacheinander bereisen und so symbolisch miteinander verbinden.[8][9]

Deutscher Evangelischer Kirchentag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom 24. bis 28. Mai 2017 findet der 36. Deutsche Evangelische Kirchentag in Wittenberg und Berlin statt. Zusätzlich finden in Mitteldeutschland sechs „Kirchentage auf dem Weg“ statt. So sollen den Teilnehmern authentische Orte der Reformation gezeigt werden. Die „Kirchentage auf dem Weg“ finden in Magdeburg, Halle/Eisleben, Jena/Weimar, Erfurt, Leipzig und Dessau-Roßlau statt. Der Festgottesdienst des Kirchentags fand auf den Elbwiesen in Wittenberg statt.[10]

Nationale Sonderausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Drei große, sich ergänzende Sonderausstellungen werden in Berlin, Wittenberg und auf der Wartburg in Eisenach zu sehen sein. Die Ausstellung „Der Luther-Effekt“ des Deutschen Historischen Museums in Berlin befasst sich mit den weltweiten Auswirkungen der Reformation bis in die heutige Zeit. Auf der Wartburg zeigt die Schau „Luther und die Deutschen“ das Luther-Bild, das sich die verschiedenen Epochen machten. Die dritte Ausstellung „Luther! 95 Schätze – 95 Menschen“ soll Besuchern des Augusteums in Wittenberg den Menschen Martin Luther näherbringen. In ihrem zweiten Teil werden 95 Personen vorgestellt, die mit Luther verbunden sind.[11]

Versöhnungsgottesdienst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 11. März veranstalteten die katholische Deutsche Bischofskonferenz und die Evangelische Kirche in Deutschland einen ökumenischen Buß- und Versöhnungsgottesdienst in der Michaeliskirche in Hildesheim. Dabei sollten die in vergangenen Jahrhunderten geschlagenen Wunden benannt und Gott um Vergebung gebeten werden. Das Erste übertrug den Gottesdienst live.[12]

Reaktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritik am Reformationsjubiläum wurde von mehreren Seiten geübt. Als Kritikpunkte werden der zu starke Fokus auf Luther genannt, dessen Judenfeindlichkeit und seine Positionierung im Bauernkrieg sowie eine übertriebene Kommerzialisierung des Jubiläums, insbesondere aber Luthers.

So kritisierte die Bundestagsabgeordnete der Linken, Luc Jochimsen, eine einseitige Fixierung auf Martin Luther. Andere Reformatoren und die Rolle der Bevölkerung würden nicht ausreichend gewürdigt.[13] Der Kirchenhistoriker Thomas Kaufmann stellte im „Tagesspiegel“ fest, Luther habe gegen seine Heroisierung zu Lebzeiten schon zu wenig getan. „Was jetzt an Vermarktung passiert, ist aus meiner Sicht banal, erbärmlich, albern,“ so Kaufmann weiter.[14]

Der Tübinger Kirchenhistoriker Volker Leppin lobte dagegen die ökumenische Ausrichtung und die theologischen Schwerpunkte des Reformationsjubiläums. „Die EKD hat für 2017 eine Punktlandung geschafft“, sagte er dem Evangelischen Pressedienst.[15] Für den Ratsvorsitzenden der EKD, Heinrich Bedford-Strohm, geht es beim Reformationsjubiläum „nicht zuerst um Luther-Playmobil-Figuren, um Luther-Socken und Reformationsbonbons“. Diese seien aber Einstieg, um sich mit dem Jubiläum auseinanderzusetzen.[16]

In der „Zeit“ stellte Klaus Holz Ende 2016 fest, das Reformationsjubiläum trage bereits jetzt Früchte. „Vielleicht wurde noch nie auf derart hohem Niveau über protestantische Judenfeindschaft gesprochen, geforscht, geschrieben wie heute. Bislang handelt es sich vor allem um Beiträge von Theologinnen und Theologen, die teils als wissenschaftliche Publikationen, teils als Verlautbarungen hochrangiger kirchlicher Gremien erarbeitet wurden,“ schrieb Holz.[17] 2015 hatte sich die EKD von den judenfeindlichen Aussagen Luthers und anderer Reformatoren distanziert.[18]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Reformationsjubiläum 2017 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Deutscher Bundestag: Drucksache 17/6465. 6. Juli 2011.
  2. a b Zentralredaktion des Evangelischen Pressedienstes (epd): Staat und Kirche arbeiten zusammen – Viele Organisatoren für das 500. Reformationsjubiläum. In: epd.de. Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik, 9. Mai 2016, abgerufen am 14. Februar 2017.
  3. Dachmarke – Nutzungsbedingungen, Konzept und Download. In: luther2017.de. Staatliche Geschäftsstelle „Luther 2017“; „Luther 2017 – 500 Jahre Reformation“, abgerufen am 22. Februar 2017.
  4. EKD – Kirchenamt: Stabsstelle Kommunikation: Botschafterin für das Reformationsjubiläum 2017. In: ekd.de. 31. Oktober 2016, abgerufen am 1. November 2016.
  5. (Von dpa): Reformationstag – 2017 einmalig bundesweiter Feiertag? In: Stuttgarter Zeitung. 29. Oktober 2013.
  6. Durchsicht der Lutherbibel beschlossen. Pressemitteilung der Deutschen Bibelgesellschaft. In: dbg.de. 20. Juli 2010, abgerufen am 1. Juli 2017.
  7. Überarbeitete Lutherbibel an Gemeinden übergeben. In: mdr.de. MDR Thüringen, 30. Oktober 2016, abgerufen am 30. Oktober 2016.
  8. Geschichten auf Reisen – Route des Europäischen Stationenweg vorgestellt. In: Luther2017.de. 17. September 2015, abgerufen am 1. Juli 2017.
  9. Europäischer Stationenweg startet in Genf. In: r2017.org. 3. November 2016, abgerufen am 10. November 2016.
  10. (von dpa): Ein großer und sechs kleine Kirchentage. In: morgenpost.de. Berliner Morgenpost, 4. Februar 2017, abgerufen am 15. Februar 2017.
  11. Luther aus drei Perspektiven. In: evangelisch.de. Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik (GEP), 16. August 2016, abgerufen am 15. Februar 2017.
  12. Ökumene will Zeichen der Versöhnung setzen. In: ndr.de. Norddeutscher Rundfunk, abgerufen am 15. Februar 2017.
  13. Arik Platzek: Bund fördert Luther-Jahr 2017. In: hpd.de. Humanistischer Pressedienst, 24. Oktober 2011, abgerufen am 14. Februar 2017.
  14. Christian Schröder: „Luther als Nationalheld zu sehen, gehört ad acta gelegt“. In: Der Tagesspiegel. 2. Januar 2017, abgerufen am 14. Februar 2017 (der Titel zitiert Thomas Kaufmann).
  15. Marcus Mockler: Volker Leppin: Die EKD hat eine Punktlandung geschafft. In: evangelisch.de. Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik, 7. Februar 2017, abgerufen am 14. Februar 2017 (Interview).
  16. Bedford-Strohm: Deutschland braucht mehr soziale Gerechtigkeit. In: evangelisch.de. Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik (GEP), 1. Januar 2017, abgerufen am 15. Februar 2017.
  17. Klaus Holz: Luthers Abweg. In: zeit.de. Zeit Online, 8. Dezember 2016, abgerufen am 15. Februar 2017.
  18. Kundgebung Martin Luther und die Juden – Notwendige Erinnerung zum Reformationsjubiläum. In: Offizielle Website. Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), 11. November 2015, abgerufen am 14. Februar 2017.