Kerstin von Lingen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Kerstin von Lingen (* 1971 in Bremen[1]) ist eine deutsche Historikerin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kerstin von Lingen studierte ab 1991 Neueste Geschichte, Mittelalterliche Geschichte und Italienisch an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg sowie 1993/94 Geschichts- und Politikwissenschaften an der Universität Mailand. 1995 erwarb sie ihren M.A. an der Universität Freiburg. Ab 1998 forschte sie an der Universität Tübingen für ein von Dieter Langewiesche und Hans-Peter Ullmann betreutes Dissertationsprojekt über den Kriegsverbrecherprozess gegen Albert Kesselring 1947 in Venedig. Von 1999 bis 2008 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin im Sonderforschungsbereich 437 Kriegserfahrungen. Krieg und Gesellschaft in der Neuzeit in Tübingen. Am 29. Juli 2003 erfolgte ihr Rigorosum.

Ab 2005 arbeitete sie am DFG-Forschungsprojekt Immunität durch Kapitulationsverhandlungen: der Fall des SS-Obergruppenführers Karl Wolff, aus dem ihre Veröffentlichung SS und Secret Service entstand.

Von 2006 bis 2012 war sie als Gutachterin für die Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart in Ermittlungsverfahren zu NS-Kriegsverbrechen in Italien tätig.

2007 war sie Research Fellow of European Studies am Research Institute der University of Salford. 2008 wurde sie als Fellow in die Royal Historical Society in London aufgenommen.[2] Von November 2009 bis 2011 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin der Deutsch-Italienischen Historikerkommission.

Von 2013 bis 2017 war von Lingen Nachwuchsgruppenleiterin am Exzellenzcluster „Asien und Europa im globalen Kontext“ an der Universität Heidelberg der Junior Research Group Transcultural Justice: Legal Flows and the Emergence of International Justice within the East Asian War Crimes Trials, 1945-1954[3]. Die Gruppe forschte zu den alliierten Kriegsverbrecherprozessen gegen japanische Militärs im Pazifik und der Rolle der Alliierten im Tokyo Tribunal, dem Pendant zum Nürnberger Gerichtshof.

In dieser Zeit arbeitete von Lingen ebenfalls an ihrem Habilitationsprojekt Transnationale Debatten um die Humanisierung von Kriegsgewalt, 1864-1945: eine Intellectual History des Konzepts von Crimes against Humanity. Die Habilitation erfolgte im April 2017.

Seit März 2019 ist Kerstin von Lingen Professorin für Zeitgeschichte (Vergleichende Diktatur-, Gewalt- und Genozidforschung) an der Universität Wien.[4]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kesselrings letzte Schlacht: Kriegsverbrecherprozesse, Vergangenheitspolitik und Wiederbewaffnung; der Fall Kesselring. Paderborn; München; Wien; Zürich: Schöningh 2004 Zugl.: Tübingen, Univ., Diss., 2003 ISBN 3-506-71749-9 (Krieg in der Geschichte 20)
Engl.: Kesselring's last battle: war crimes trials and Cold War politics, 1945-1960. Translated by Alexandra Klemm, Lawrence, Kan.: Univ. Press of Kansas 2009 ISBN 978-0-7006-1641-1(Hrsg.) Kriegserfahrung und nationale Identität in Europa nach 1945: Erinnerung, Säuberungsprozesse und nationales Gedächtnis. Paderborn; München; Wien; Zürich: Schöningh 2009 ISBN 978-3-506-76743-1 (Krieg in der Geschichte 49)
  • SS und Secret Service: "Verschwörung des Schweigens": die Akte Karl Wolff. Paderborn; München; Wien; Zürich: Schöningh 2010 ISBN 978-3-506-76744-8
Engl.: Allen Dulles, the OSS, and Nazi war criminals: the dynamics of selective prosecution. Translated by Dona Geyer, New York, NY: Oxford Univ. Press 2013 ISBN 978-1-107-02593-6
  • mit Klaus Gestwa (Hrsg.): Zwangsarbeit als Kriegsressource in Europa und Asien. Paderborn; München; Wien; Zürich: Schöningh 2014 ISBN 978-3-506-77727-0 (Krieg in der Geschichte 77)
  • (Hrsg.) Justice in Times of Turmoil: War Crimes Trials in Asia, 1945-1954. London: Palgrave Macmillan 2016 ISBN 978-3-319-42986-1
  • (Hrsg.) Debating Collaboration and Complicity in War Crimes Trials in Asia, 1945-1956. London: Palgrave Macmillan 2017 ISBN 978-3-319-53141-0
  • (Hrsg.) Transcultural Justice at the Tokyo Tribunal. The Allied Struggle for Justice, 1946-48. Leiden: Brill 2018 ISBN 978-90-04-35997-0

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Webseite an der Universität Heidelberg (mit Schriftenverzeichnis)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vita
  2. Das Verzeichnis der Fellows (Memento des Originals vom 25. September 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/5hm1h4aktue2uejbs1hsqt31.wpengine.netdna-cdn.com führt sie unter V.
  3. Offizielle Webseite der Research Group
  4. Kerstin von Lingen: Neue Professur für Zeitgeschichte – Vergleichende Diktatur-, Gewalt- und Genozidforschung. Abgerufen am 26. März 2019.