Kīlauea

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Kīlauea
Lage des Kīlauea, schematischer Überblick mit Caldera und Riftzonen

Lage des Kīlauea, schematischer Überblick mit Caldera und Riftzonen

Höhe 1247 m
Lage Big Island
Gebirge Hawaii
Koordinaten 19° 25′ 16″ N, 155° 17′ 12″ WKoordinaten: 19° 25′ 16″ N, 155° 17′ 12″ W
Kīlauea (Hawaii)
Kīlauea
Typ Schildvulkan
Gestein Basalt
Letzte Eruption seit 1983, anhaltend
Besonderheiten Einer der aktivsten Vulkane der Erde

Der Kīlauea (deutsch Kilauea) ist ein aktiver Schildvulkan auf der zu Hawaii gehörenden Insel Big Island. In der hawaiischen Sprache bedeutet kīlauea „spucken“ oder „viel verbreiten“.[1] In der derzeit erstarrten Caldera des Kīlauea eingebettet liegt der Halemaʻumaʻu-Krater, in dessen Boden sich bis zum Mai 2018[2] ein aktiver Lavasee befand.[3]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kīlauea ist einer der fünf Vulkane, die die Insel Hawaiʻi bilden
Blockbild des östlichen Teils des Kīlauea mit Darstellung der Verbindungswege zwischen der Magmakammer unterhalb der Gipfelcaldera und den Nebenkratern der östlichen Riftzone wie dem Mauna Ulu und dem Puʻu ʻŌʻō sowie des Abfließens von Lava zur Küste durch Lavaröhren.
Zeitrafferaufnahme des Lavasees im Halemaʻumaʻu-Krater
Nachtaufnahme einer Spalteneruption in den Leilani Estates im Mai 2018

Der Kīlauea ist Teil einer Kette von Vulkanen, der Hawaii-Emperor-Kette, welche sich vom Nordwest-Pazifik bis nach Hawaii erstreckt. Während sich der ozeanische Meeresgrund über einen örtlich festliegenden Hot-Spot im Erdmantel bewegte, schuf er in Jahrmillionen diese lange Inselkette, von der heute nur noch wenige Inseln an der Oberfläche zu sehen sind. Die nördlichste ist die Insel Midway.

Auf Big Island befinden sich neben dem Kīlauea noch zwei weitere aktive Vulkane, der Mauna Loa und der Hualālai sowie zwei vermutlich inaktive Vulkane, der Mauna Kea und der Kohala.

Vulkanische Aktivität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kīlauea ist derzeit einer der aktivsten Vulkane der Erde.[4] Wie bei den meisten Vulkanen, die über Hotspots liegen, sind die Ausbrüche effusiv: Lava quillt aus dem Erdinneren nach oben und fließt in kontinuierlichen Lavaströmen ab.[5] Obwohl der weit überwiegende Teil der Eruptionen somit keinen explosiven Charakter hat, gibt es Ausnahmen. Zum Beispiel ereigneten sich vom 11. bis 27. Mai 1924 eine Reihe starker Explosionen im Halemaʻumaʻu-Krater, bei denen tonnenschwere Gesteinsbrocken mehrere Kilometer weit aus dem Krater geschleudert wurden.[6] Verursacht wurde das damals durch große Mengen einströmendes Grundwasser, das bei seinem Kontakt mit Magma schlagartig verdampfte. Durch den Dampfdruck wurde das darüber liegende Gestein weggesprengt.

Die überwiegende Zahl der Ausbrüche verläuft jedoch friedlicher, da die Lava hawaiischer Vulkane eine sehr geringe Viskosität besitzt. In der dünnflüssigen Lava können eingeschlossene Gase vor einem Ausbruch leichter entweichen und keinen hohen Druck aufbauen, anders als beispielsweise beim Ausbruch des Mount St. Helens 1980. Die Viskosität von Lava wird von mehreren Faktoren beeinflusst: ihrer Temperatur, der chemischen Zusammensetzung und ihrem Gasgehalt.

Der jüngste Ausbruch des Kīlauea dauert seit dem 3. Januar 1983 an.[7] Er findet größtenteils nicht im Hauptkrater, sondern vor allem im ca. 15 km davon entfernten Puʻu-ʻŌʻō-Krater statt. Die Lavaströme fließen von dort mitunter bis in den Pazifik, wo die über 1100 Grad Celsius[8] heiße Lava durch das Meerwasser schlagartig abgekühlt wird. Dabei fließt die Lava nicht die gesamte Strecke oberirdisch, sondern häufig in Lavaröhren.

In der drei bis vier Kilometer großen Caldera des Kīlauea liegt der knapp einen Kilometer große Schachtkrater des Halemaʻumaʻu, in dessen Boden von 2008 bis 2018[2] ein etwa 200 Meter großer aktiver Lavasee zwischen 60 und 150 Meter tief eingesenkt war.[9]

Ab dem 3. Mai 2018 (Ortszeit) bildeten sich im östlichen Grabenbruch, 40 km östlich der Caldera des Kīlauea, im Puna-Distrikt in einem besiedelten Waldgebiet, den sogenannten Leilani Estates[10] und später auch Lanipuna Gardens, Spalten, aus denen Lava quoll. Diese Spalteneruptionen wurden von Erdbeben begleitet, von denen das stärkste die Magnitude 6,9 erreichte – die heftigste Erschütterung auf Hawaii seit dem Jahr 1975 (7,1), als 2 Tote zu beklagen waren. Noch am 3. Mai wurden 1700 Personen behördlich aufgefordert, das Gebiet zu verlassen. Weiteren 10.000 Bewohnern des Puna-Distrikts wurde empfohlen, es vorsorglich zu verlassen. Zudem wurde der Notstand ausgerufen.[11][12] Am 11. Mai 2018 wurde der Hawaiʻi-Volcanoes-Nationalpark geschlossen. Im Zusammenhang mit den Erdbeben und dem Vordringen von Magma in der Bruchzone veröffentlichte das Hawaiian Volcano Observatory einige Fakten, nach denen ein befürchteter katastrophaler Abbruch entlang des Hilina-Grabens[13] extrem unwahrscheinlich wäre. Nach mehreren Wochen vulkanischer Aktivität bildete sich, zum Teil nach Explosionen, am 15. und 17. Mai 2018 eine große Aschewolke über dem Halemaʻumaʻu.[14] Nachdem heißeres Magma aus dem Puʻu ʻŌʻō bis zu den Spalten gelangt war,[15] bildeten sich Lavaströme, die Richtung Südosten fließend am 19. Mai 2018 nach Überquerung der Küstenstraße Hawaiʻi State Route 137 zwischen Pohoiki und Opihikao den Ozean erreichten.[15] Nach Verlagerung der Hauptaktivität auf die Spalte Nr. 8 erreichte am 2. Juni 2018 ein weiterer, zunächst nach Nordosten fließender Lavastrom nochmals die Hawaiʻi State Route 137 an der Kreuzung „Four Corners“ in der schon 1960 durch einen Lavastrom zerstörten und danach verlegten Ortschaft Kapoho und schnitt diese zunächst ab und begrub sie anschließend nahezu komplett, bis der Lavastrom am 4. Juni den Ozean erreichte.[16] Die Lavamassen füllten außerdem den Green Lake, den größten Süßwassersee der Insel und ließ das Wasser verdampfen. Während des Ausbruchs kam es im Hauptkrater jeweils zu einer anwachsenden seismischen Aktivität, die zu einem nahezu täglichem Einbruch des Kraterbodens und der Ränder des Halemaʻumaʻu führte[17]. Der Lavafluss aus der Spalte Nr. 8 korrespondierte dazu. Anfang August ging die Aktivität zurück: Das letzte Absacken des Bodens des Hauptkraters[18] wurde am 2. August 2018 registriert, die seismische Aktivität dort ging am 4. August zurück und der Lavakanal aus Spalte 8 wurde in deren Nähe am 6. August als leer bezeichnet[19].

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kīlauea mit seinen Nebenkratern ist Teil des Hawaiʻi-Volcanoes-Nationalparks auf Big Island und ist einer der am häufigsten von Touristen besuchten aktiven Vulkane.

Mythologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der hawaiischen Religion gilt der Halemaʻumaʻu-Krater in der Caldera des Kīlauea als Sitz der Vulkangöttin Pele.[20]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fotos und Videos[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kategorie Kīlauea – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Geologisches Kartenmaterial[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wissenschaftliche Beiträge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kīlauea in Place Names of Hawai'i
  2. a b The lava lake is visible early in the video, with overflows onto the caldera floor on April 23, but the lake vanishes from sight in early May as pressure in the summit magma reservoir decreases. Photo & Video Chronology: July 12, 2018, Kīlauea summit activity (Memento vom 13. Juli 2018 im Internet Archive)
  3. HVO, Webcams; abgerufen am 2. Februar 2017
  4. Summary of Historical Eruptions, 1750 - Present
  5. Bild einer Lavafontäne (Memento vom 4. Oktober 2013 im Internet Archive)
  6. The 1924 explosions of Kilauea
  7. USGS, Hawaiian Volcano Observatory: Kīlauea -- Perhaps the World's Most Active Volcano (englisch)
  8. vgl. die Angaben in Volcano World (Oregon State University) für basaltische Lava und des U.S. Geological Service (FAQs zu den Vulkanen auf Hawaii) mit etwas höheren Werten; die in verschiedenen Medien häufig auftauchende Angabe von ca. 2000 °C beruht wohl auf einer fehlerhaften Übernahme der 1100 °C entsprechenden Temperatur von 2012 Grad Fahrenheit.
  9. Hawaiian Volcano Observatory: Recent Kilauea Status Reports, Updates, and Information Releases, HAWAIIAN VOLCANO OBSERVATORY DAILY UPDATE, Saturday, September 29, 2012 7:46 AM HST (Saturday, September 29, 2012 17:46 UTC). (Memento vom 6. Oktober 2012 im Internet Archive)
  10. Welt-Icon Leilani Estates; vgl. auch Leilani Estates mit weiteren Quellenangaben
  11. Stärkste Erschütterung seit 1975. orf.at, 5. Mai 2018, abgerufen 5. Mai 2018.
  12. Kilauea Volcano Erupts. USGS-Website, 4. Mai 2018 ff., abgerufen am 6. Mai 2018
  13. Hilina Slump, vgl. Roger P. Denlinger, Julia K. Morgan: Characteristics of Hawaiian volcanoes (= Professional Paper 1801; https://pubs.usgs.gov/pp/1801/). U.S. Geological Survey, 2014, ISSN 2330-7102, Chapter 4: Instability of Hawaiian Volcanoes (usgs.gov [PDF]).
  14. Hawaiian Volcano Observatory Status Report (U.S. Geological Survey) (Memento vom 19. Mai 2018 im Internet Archive); Ascheregen auf Hawaii Spiegel Online, 17. Mai 2018
  15. a b ‘Laze’ plume could carry toxic substances miles away from lava’s ocean entry. 20. Mai 2018.
  16. diverse Karten der USGS
  17. PDF: Volcanic Hazard at the Summit of Kīlauea: June 29, 2018 Update
  18. Veränderungen in der Kaldera des Kīlauea vom 14. Mai bis 19. Juli 2018 (Planet Labs Inc.)
  19. Aus den archivierten Statusmeldungen vom 4. bis 8. August 2018
  20. W. D. Westervelt: Hawaiian Legends of Volcanoes, S. 174