Midwayinseln

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Vorlage:Infobox Atoll/Wartung/HoeheFehlt

Midwayinseln
Midway Atoll aerial photo 2008.JPG
Gewässer Pazifischer Ozean
Archipel Nordwestliche Hawaii-Inseln
Geographische Lage 28° 13′ N, 177° 22′ WKoordinaten: 28° 13′ N, 177° 22′ W
Midwayinseln (Hawaii gesamt)
Midwayinseln
Anzahl der Inseln 3
Hauptinsel Sand Island
Landfläche 6,23 km²
Lagunenfläche 60 km²
Einwohner 40 (Wissensch. Personal)
Orthographische Projektion
Orthographische Projektion

Die Midwayinseln, auch bekannt als Midway-Atoll (hawaiisch: Pihemanu, englisch Midway Islands oder Midway Atoll [ˈmɪdweɪ]), sind ein Atoll im nördlichen Pazifik, welches als „nicht inkorporiertes Territorium“ zu den Außengebieten der Vereinigten Staaten gehört und für statistische Zwecke den United States Minor Outlying Islands zugeordnet wird.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Inseln liegen etwa auf einem Drittel des Wegs von Honolulu nach Tokio und etwa in der Mitte zwischen Kalifornien und Japan, daher der Name. Sie bestehen aus einem ringförmigen Korallenriff mit einem Durchmesser von ungefähr 10 km[1] und zwei Hauptinseln, Sand Island und Eastern Island, sowie mehreren kleinen Eilanden, die Hunderttausenden von Seevögeln als Brutstätte dienen. Die Gesamtfläche der Inseln beträgt etwa 6,2 km²,[2] die des gesamten Atolls inklusive Lagune und Riffkranz etwa 83 km².[3]

Karte des Atolls
Das Atoll im Überblick
Insel Fläche in
km²
Sand Island 4,86
Eastern Island 1,35
Spit Island 0,02
Sand Islet
Midway Atoll 6,23
Lagune 60,00

Das Atoll ist geographisch ein Teil der Nordwestlichen Hawaii-Inseln, gehört aber nicht zum US-Bundesstaat Hawaii. Die Midwayinseln sind – wie alle Inseln des Archipels – vulkanischen Ursprungs. Sie gehören zu den nördlichsten noch die Meeresoberfläche erreichenden Erhebungen der Inseln und Seamounts der Hawaii-Emperor-Kette.

Die Midwayinseln liegen in der Zeitzone UTC−11.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich unbesiedelt, haben die Inseln heute etwa 40 Einwohner, zumeist wissenschaftliches Personal, jedoch keine permanente Bevölkerung. 1978 waren es noch bis zu 2300, meist Militär- und Zivilangestellte des Marinestützpunktes der United States Navy.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Inoffizielle Flagge der Midwayinseln
Das Midway-Atoll (1941)

Die Midwayinseln wurden am 9. Juli 1859 vom Kapitän der Gambia, N. C. Brooks, entdeckt und am 28. August 1867[4] von den USA unter Berufung auf den Guano Islands Act annektiert, also dreißig Jahre vor den anderen Hawaiʻi-Inseln. Sie dienten zunächst hauptsächlich als Station auf dem Weg von Kalifornien nach Japan. 1903 wurde Midway Zwischenstation des transpazifischen Kabels der Commercial Pacific Cable Company. Nach Beschwerden über japanische Fischer unterstanden die Inseln ab 1903 dem US-Marineministerium. Ab 1935 nutzte die Pan American Airways Midway als Zwischenlandestation für ihre Flugboote vom Typ Martin M-130.[5] 1940 wurde ein Luftwaffenstützpunkt der US Navy eingerichtet.

Bekannt wurden die Inseln durch die Schlacht um Midway (4. bis 7. Juni 1942), die zwischen Japan und den USA als eine der entscheidenden Schlachten während des Pazifikkriegs im Zweiten Weltkrieg ausgetragen wurde. Japan verlor vier Flugzeugträger und musste den Versuch, Midway zu besetzen, abbrechen. Von 1943 bis 1945 war Midway ein bedeutender U-Boot-Stützpunkt. Besonders im Koreakrieg und im Vietnamkrieg wurde Midway als Zwischenlandestation für Transportmaschinen genutzt.

Mit dem Ende des Vietnamkriegs und durch die Einführung von Aufklärungssatelliten und atomgetriebenen U-Booten schwand die militärische Bedeutung der Inseln für die Vereinigten Staaten. Als Folge davon wurde der Betrieb des Luftwaffenstützpunkts im September 1993 eingestellt; das letzte Personal der US-Marine verließ nach Aufräumungsarbeiten das Atoll im Juni 1997.[6]

Bereits 1988, noch unter der Verwaltung durch die US Navy, wurde das Gebiet zum National Wildlife Refuge erklärt. Am 31. Oktober 1996 wurde mit einem präsidialen Erlass die Kontrolle über das Atoll dem U.S. Fish and Wildlife Service des US-Innenministeriums übertragen, der es seitdem als Midway Island National Wildlife Refuge verwaltet. Seit 2006 sind die Inseln Bestandteil des Papahānaumokuākea Marine National Monument. Es wird auch etwas Tourismus zugelassen. Die Landebahn auf Eastern Island ist verfallen, während der Flughafen auf Sand Island weiterhin als Notlandeplatz auch für große Verkehrsflugzeuge, die den Pazifik nach ETOPS-Regeln überqueren, unterhalten wird. So konnte am 12. Juli 2014 eine Boeing 777 der US-Fluggesellschaft United Airlines mit 348 Menschen an Bord auf Midway notlanden, nachdem während des Fluges von Honolulu zur Insel Guam im Cockpit Brandgeruch aufgetreten war.[7]

Fauna[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Albatrosse auf Midway

Die Laysanalbatrosse und Schwarzfußalbatrosse auf Midway bevölkern die gesamten Inseln und leben in unmittelbarer Nachbarschaft mit den menschlichen Inselbewohnern. Die beiden deutschen Tierfilmer Hans Schweiger und Ernst Arendt haben ihnen in ihrem Film „Landung frei für Albatrosse“ ein Denkmal gesetzt. Unter anderem zeigen sie, wie Albatrosse von der Start- und Landebahn des Flugplatzes „gesammelt“ wurden, bevor ein Flugzeug starten konnte.

2004 wurden auf den Midwayinseln 42 Laysanenten ausgewildert. Diese extrem seltene Entenart kam seit mindestens 1834 nur noch auf der kleinen Insel Laysan vor. 1930 lebten nur noch ein Weibchen und mehrere Männchen, allerdings kam es zu einer sehr starken Bestandserholung, nachdem auf der Insel der Guanoabbau eingestellt, die Insel vollständig verlassen und zum Vogelschutzgebiet erklärt worden war. Zu Beginn der 1990er Jahre kamen bereits wieder mehr als 800 Individuen in freier Wildbahn vor. 1993 führten jedoch eine extreme Dürre und ein Ausbruch von Botulismus zu einem erneuten Bestandseinbruch auf 83 Individuen.[8] Um die Gefahr solch starker Bestandseinbrüche durch lokale Ereignisse zukünftig zu verringern, wurden im Jahre 2004 42 Laysanenten auf die Midwayinseln umgesiedelt. Die Umsiedlung erwies sich als erfolgreich. Bereits in der ersten Brutzeit schlüpften mehr als fünfzig Küken.[9]

1963 wurde auf Sand Island ein Sturmtaucher entdeckt, der erst 2011 als die neue Art Midwaysturmtaucher beschrieben wurde.

Die Midwayinseln liegen am Rande des Pazifischen Müllstrudels. Der Plastikmüll im Meer bedroht die Meerestiere ebenso wie die Vögel unmittelbar. Ein Filmtrailer zu dieser Problematik erreichte seit 2012 eine breite, internationale Öffentlichkeit.[10] Der Fokus dieses Films liegt darin, den starken Kontrast zwischen der ruhigen Schönheit der Natur sowie der durch Menschen verursachten Vermüllung, die zu einem andauernden Tiersterben führt, aufzuzeigen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Edwin Horace Bryan: American Polynesia and the Hawaiian Chain. 2. überarbeitete Auflage. Tongg Publishing Company, Honolulu, Hawaii 1942 (englisch).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Midwayinseln – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikimedia-Atlas: Midwayinseln – geographische und historische Karten

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Midway Atoll (Memento vom 3. März 2011 im Internet Archive) in der Inselenzyklopädie oceandots.com, abgerufen am 9. Juni 2017 (englisch).
  2. CIA World Factbook: United States Pacific Island Wildlife Refuges: Geography – Midway Islands. Abgerufen am 9. Juni 2017 (englisch).
  3. Atoll Area, Depth and Rainfall. Hawaiian: Midway. In: rock.geosociety.org. Geological Society of America, S. 1, abgerufen am 9. Juni 2017 (PDF; 36 kB, englisch).
  4. Midway. United States Department of the Interior – Office of Insular Affairs, archiviert vom Original am 4. Februar 2012, abgerufen am 9. Juni 2017 (englisch).
  5. Midway Islands History. In: Jane’s Oceania Home Page. Jane Resture, abgerufen am 9. Juni 2017 (englisch).
  6. U.S. Unincorporated Possessions. Midway Islands. In: World Statesmen.org. Abgerufen am 9. Juni 2017 (englisch).
  7. Notlandung im Nirgendwo – Boeing muss winziges Pazifik-Atoll ansteuern. In: n-tv.de. n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH, 12. Juli 2014, abgerufen am 9. Juni 2017.
  8. Dominic Couzens: Seltene Vögel: Überlebenskünstler, Evolutionsverlierer und Verschollene – 50 Porträts. Haupt Verlag, Bern 2011, ISBN 978-3-258-07629-4, S. 25 (englisch: Atlas of rare birds. Cambridge, Massachusetts 2010. Übersetzt von Coralie Wink und Monika Niehaus).
  9. Dominic Couzens: Seltene Vögel: Überlebenskünstler, Evolutionsverlierer und Verschollene – 50 Porträts. Haupt Verlag, Bern 2011, ISBN 978-3-258-07629-4, S. 27.
  10. Chris Jordan: Albatross – a love story for our time from the heart of the Pacific. Trailer zur Premiere des Films im Mai 2017. In: Albatross the Film. Abgerufen am 9. Juni 2017 (englisch).