Klaus Luhmer

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Klaus Luhmer SJ, eigentlich Nikolaus Luhmer (* 28. September 1916 in Pulheim bei Köln; † 1. März 2011 in Tokyo), war ein deutscher Jesuit und Pädagoge. Er erlebte den Atombombenabwurf auf Hiroshima.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jesus Kaichotaba Monastery,
2 Chome Nagatsuka-nishi (2014)

Klaus Luhmer trat 1935 dem Jesuitenorden bei. Bereits zwei Monate vor dem Abschluss seines Noviziats wurde er im Februar 1937 als Missionar nach Japan geschickt und legte dort am 27. April 1937 in der Ordenskapelle der Sophia-Universität Tokio die „Ersten Gelübde“ ab. Nach Studien der japanischen Sprache und der scholastischen Philosophie in Hiroshima mit Abschluss im Sommer 1941 wurde er für das zweijährige Interstiz der Pfarrei Noboricho in Hiroshima zugewiesen. Im September 1943 nahm er in Tokio das vierjährige Theologiestudium zur Vorbereitung auf die Priesterweihe auf. Nach dem Beginn der regelmäßigen Bombardierung Tokios im November 1944 zogen die Studenten Anfang 1945 in das 1938 fertiggestellte Noviziatshaus in Nagatsuka, etwa fünf Kilometer nördlich von Hiroshima. Nachdem Luhmer am 1. Juli 1945 zusammen mit Helmut Erlinghagen von Bischof Fukahori Satoshi nach kaum zwei statt vier Jahren Studium der Theologie die Priesterweihe empfangen hatte, erlebte er in Nagatsuka den Atombombenabwurf vom 6. August 1945. „Da sah ich im Süden, mir schien direkt hinter dem nächsten Hügel, eine hellgelbe, leuchtend rotviolette Kugel erscheinen, die heller war als die Sonne“, erinnert sich Luhmer. Er bezeichnete diesen Tag als den „Tiefpunkt des Daseins“. [1] Er überlebte den Angriff und half mit, die Verwundeten zu versorgen und die Toten zu verbrennen.

Er blieb in Japan und wurde 1953–1987 Professor für Pädagogik und langjähriger Verwaltungsleiter (Kanzler) der Sophia-Universität in Tokio (1957–1965 und 1987–1992).[2] Seit Mitte der 1960er Jahre setzte er sich sehr für den Studierendenaustausch mit der Universität zu Köln ein, der durch vertragliche Vereinbarungen nach dem Besuch einer Delegation von Kölner Studierenden mit Unterstützung durch das Erzbistum begründet wurde.[3]

Luhmer war von 1978 bis 2007 Präsident der Montessori-Gesellschaft in Japan.[4] Als Pfarrer der deutschsprachigen katholischen Gemeinde in Tokio engagierte er sich insbesondere im sozialen Bereich. So kümmert er sich besonders um ausgestoßene Kinder und mittellose Senioren. Er war auch maßgeblich an der Ausgestaltung der Partnerschaft zwischen den Erzdiözesen Köln und Tokyo beteiligt; Kardinal Joachim Meisner ehrte Luhmer mit der Maternusplakette. [5][6] Er war Berater der Japanisch-Deutschen Gesellschaft in Tokio,[7] zudem Beiratsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens (OAG)[8].

Neben vielen anderen Ehrungen erhielt er am 19. Dezember 1995 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.[9] Er war Ehrenmitglied der A.V. Edo-Rhenania Tokyo, die mit dem Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen befreundet ist.

Literatur und Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. „Der Tiefpunkt des Daseins“, taz - Report - 6. August 2003
  2. „Vor 70 Jahren ging P. Klaus Luhmer SJ in die Mission“, Bistum aktuell, Kirchenzeitung Köln, 7. Juli 2007
  3. Nach den Akten der U. Köln (Auslandsamt/Erinnerung Benutzer: G-Michel-Hürth). Karl-Heinz Meid, später langjähriger Vorsitzender der D-J-Gesellschaft, Köln, war selbst Teilnehmer
  4. Nachruf der Edo-Rhenania
  5. „70 Jahre Missionar in Japan“ (PDF; 1,7 MB), weltweit-Pfingsten 2007
  6. „Vor 70 Jahren ging P. Klaus Luhmer SJ in die Mission“, Bistum aktuell, Kirchenzeitung Köln, 7. Juli 2007
  7. „Japanisch-Deutsche Gesellschaft “, Japanisch-Deutsche Gesellschaft, Mai 2007
  8. „Deutsche Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens OAG“, Deutsche Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens OAG, 7. März 2007
  9. Bundespräsidialamt