Kleinpraga

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Gemeinde Göda
Koordinaten: 51° 10′ 29″ N, 14° 17′ 26″ O
Höhe: 225 m ü. NHN
Einwohner: 15 (31. Dez. 2019)
Eingemeindung: 1. März 1994
Postleitzahl: 02633
Luftbild Kleinpragas

Kleinpraga, sorbisch Mała Praha?/i, ist ein Ort im sächsischen Landkreis Bautzen. Er gehört seit 1994 zur Gemeinde Göda, welche westlich an Bautzen grenzt. Kleinpraga zählt zum offiziellen sorbischen Siedlungsgebiet in der Oberlausitz.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt in der Oberlausitz und wird von den Ortschaften Nedaschütz im Norden, Semmichau im Südosten und Spittwitz im Südwesten umgeben.

Geomorphologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Relief ist wellig und weist eine Abdachung nach Norden auf. Die sächsische Naturraumgliederung bezeichnet den Landstrich als Oberlausitzer Gefilde. Es handelt sich dabei um einen Teil der Naturregion Sächsisches Lössgefilde, die in der Gegend von Kleinpraga nur noch eine Nord-Süd-Ausdehnung von etwa 15 Kilometern aufweist und sich nach Osten hin weiter verschmälert. Nördlich grenzt das relativ ebene Oberlausitzer Heide- und Teichgebiet an, südlich das Oberlausitzer Bergland.

Der heutige Formenschatz entstand überwiegend im Quartär insbesondere unter dem Einfluss der letzten Eiszeiten. Er beinhaltet unter anderem Rinnen, Muldentäler und Lößplatten und -rücken. Kleinpraga liegt dabei östlich des Schwarzwassers auf einer Hochfläche etwa 25 m über dem Flüsschen. Dieses fließt hier durch die Spittwitzer Skala, ein Felsental. Der Ort liegt damit im Einzugsgebiet der Elbe.

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Siedlung liegt gänzlich auf elsterzeitlichen Grundmoränensedimenten. Diese aus geologischer Sicht sehr jungen Sedimente überlagern einen cadomisch-kambrischen Granodiorit. Diese Lagerverhältnisse kennzeichnen eine ausgeprägte Schichtlücke zwischen dem Kambrium und dem Quartär, welche in dieser Form erst mit den Abtragungsvorgängen der Eiszeiten entstanden ist. Der Granodiorit steht in der nahegelegenen Spittwitzer Skala an.[1]

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Region liegt in der kühlgemäßigten Übergangszone zwischen Ozeanischem und Kontinentalem Klima (nach Troll und Paffen) bzw. der gemäßigten Klimazone mit Übergangsklima nach Neef. Die Jahresmitteltemperatur von 8,5 °C für Bautzen dürfte derjenigen von Kleinpraga etwa entsprechen. Dabei ist der Juli mit durchschnittlich 18,2 °C der wärmste und der Januar mit −1,2 °C der kälteste Monat. Bei einer entsprechenden Großwetterlage können, durch einströmende kalte Luft aus dem Böhmischen Becken, auch Temperaturen bis −15 °C erreicht werden. Im Volksmund wird dieses Phänomen „Böhmischer Wind“ genannt. Der mittlere Jahresniederschlag liegt, bedingt durch den Regenschatten des Oberlausitzer Berglandes, zwischen 670 und 690 mm. Damit ist das Gebiet relativ niederschlagsarm. Der niederschlagsreichste Monat ist im langjährigen Mittel der Juli mit 80 bis 90 mm, der niederschlagsärmste Monat ist der Januar mit etwa 40 mm.

Vegetation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die potenzielle natürliche Vegetation besteht in der Ortslage aus typischem Hainbuchen-Traubeneichenwald.[2] Im Schwarzwassertal würde sich ohne den Einfluss des Menschen ein Traubenkirschen-Erlen-Eschenwald ausbilden. Real existierende Baumbestände gibt es jedoch nur im Norden und Westen.

Naturschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schwarzwassertal ist im Bereich von Kleinpraga ein FFH-Gebiet.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung in Kleinpraga[4][5]
Jahr Einwohner
1580 2 Bauern, 2 Gärtner, 3 Häusler
1764 5 Bauern
1834 43
1871 46
1890 48
1950 ca. 25
2011 18

Der Bauernweiler Kleinpraga wurde erstmals 1377[4] als Podmaklicz erwähnt. Der Name Praga taucht erstmals 1566 auf. Um 1556 stand es unter der Grundherrschaft von Gaußig, ab spätestens 1580 unter der von Nedaschütz. Charakteristisch ist die starke Bindung an Nedaschütz, da der Ort bis heute nur aus zwei Gehöften und vier kleinen Anwesen besteht und deswegen kaum eigenständig handeln kann. Folgerichtig wurden 1935 beide Orte gemeinsam nach Coblenz eingemeindet. Seit dem 1. März 1994 gehören die Orte zur Gemeinde Göda. Seit alters her gehört Kleinpraga zum Kirchspiel Göda. Etwas nördlich der Häuser existieren Reste der alten Straße von Göda nach Meißen.

Bevölkerung und Sprache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für seine Statistik über die sorbische Bevölkerung in der Oberlausitz ermittelte Arnošt Muka in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts eine Bevölkerungszahl von 37, darunter ausnahmslos sorbischsprachige Einwohner.[6]

Landnutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fast die gesamte Ortsflur wird landwirtschaftlich genutzt, da die Böden mit Ackerwertzahlen zwischen 55 und 70 recht ertragreich sind. Ab 1973 war die LPG Göda für die Bewirtschaftung zuständig. Auf dem westlichen der beiden Höfe wurde einige Zeit lang eine intensive Legehennenhaltung betrieben.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kleinpraga liegt an der Kreisstraße 7278. Südlich des Ortes verläuft die Staatsstraße 111 BischofswerdaBautzen, nördlich die Bundesautobahn 4. Der nächste Bahnhof ist Seitschen. Auf Grund dieser relativ günstigen Lage gibt es heute in einem der Höfe einen modernen Gewerbekomplex mit Lagerkapazitäten und ein Restaurant.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kleinpraga im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lausitzer Bergland um Pulsnitz und Bischofswerda (= Werte unserer Heimat. Band 40). 1. Auflage. Akademie Verlag, Berlin 1983.
  • Gemeindeverwaltung Göda (Hrsg.): Göda – tausendjährig. Festschrift zum Jubiläum. 2. Auflage. Bautzen 2006, ISBN 978-3-936758-36-8.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geologische Übersichtskarte 1 : 200 000, Blatt CC 5550 Görlitz. Abgerufen am 13. September 2014.
  2. Potentielle Natürliche Vegetation in Sachsen. Abgerufen am 19. August 2016.
  3. Schutzgebiete in Sachsen. Abgerufen am 19. August 2016.
  4. a b Kleinpraga im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  5. Gemeindeverwaltung Göda (Hrsg.): Göda – tausendjährig. Festschrift zum Jubiläum. 2. Auflage. Bautzen 2006, ISBN 978-3-936758-36-8.
  6. Ernst Tschernik: Die Entwicklung der sorbischen Bevölkerung. Akademie-Verlag, Berlin 1954.