Kloster Weitenau

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Gesamtansicht Kloster Weitenau

Als Kloster Weitenau wird ein ehemaliges Kloster und der dazugehörige Weiler bezeichnet, der sich heute im Gemeindegebiet von Steinen im Landkreis Lörrach befindet. Die Anfänge sind bis in das 12. Jahrhundert dokumentiert. Zur Klosteranlage gehörte auch eine evangelische Kirche, die bis Ende des 19. Jahrhunderts für Gottesdienste verwendet wurde. Seit 1971 werden die Bauwerke nach einem Umbau als Fachklinik genutzt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Benediktinerpriorat 1100–1556[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vermutungen zufolge war der Platz des ehemaligen Klosters vor der Christianisierung bereits eine heidnische Kultstätte.[1] Der erste urkundliche gesicherte Beleg geht auf das Jahr 1100 zurück, in dem die Kirche samt zugehöriger Ländereien den Freiherren von Wart, einem thurgauischen Adelsgeschlecht, angehört. In dieser Zeit traten die Angehörigen ihre Ansprüche an das Kloster St. Blasien ab, das an dieser Stelle ein Priorat errichtete, dessen erster Propst Erkinbold von Wart wurde.[2] Die Klosterkirche war dem Heiligen Gangolf geweiht. Von 1528 bis 1532 war der spätere Abt des Klosters St. Blasien, Caspar Molitoris, Propst in „Weitnau“.

Die Klostergebäude wurden Ende des 12. Jahrhunderts erneuert, die von einem Brand in Mitleidenschaft gezogen worden sein sollen.[3] Adelheid, die Ehefrau von Dietrich von Rotenberg, einem Verwandten der Herren von Rötteln, fand als Wohltäterin des Klosters ihre letzte Ruhestätte in der Klosterkirche.[1] Zwischen 1360 und 1370 wird diese Kirche mit Filialkirchen in Demberg[4] und Wieslet erwähnt (ecclesia Witnow cum filiabus cidelect Tenberg et Wislath).[5]

1485 entstand ein Sakramentshäuschen in der Kirche. Ebenfalls Ende des 15. Jahrhunderts wurde mit dem Bau des Kirchturms begonnen, der damals mit einem Satteldach in Langhausrichtung abgeschlossen war. Der polygonale Chor schloss sich dabei direkt an die Südwand des Turms an. Von der gemeinsamen Bautätigkeit des Markgrafen Rudolf IV., sowie der Äbte Christoph von Greuth (1461–1482) und Georg Eberhard (1482–1491) zeugen die Wappen über dem Portal.[6]

Im Bauernkrieg wurde das Kloster gleichzeitig mit den Schwester-Propsteien Sitzenkirch und Bürgeln am 3. Mai 1525 geplündert und die drei Konventualen wurden vertrieben.[7]

Mit Einführung der Reformation im Markgräflerland 1556 wurde die Klosterkirche selbstständige Pfarrkirche, zu deren Gemeindegebiet Schlächtenhaus, Hofen, Farnbuck und auch Weitenau ohne den Schillighof gehörten.

Evangelische Kirche 1556–1891[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die heutigen Gebäude wurden im 16. Jahrhundert erstellt, als die Konventsgebäude abgerissen und durch ein Pfarrhaus ersetzt wurden.[8] Ende des 16. Jahrhunderts wurde der Glockenturm um ein viertes Geschoss erhöht sowie der Chor und der Dachstuhl des Langhauses erneuert.[9] Mit dem Bau der Evangelischen Kirche in Hofen in den Jahren 1890 bis 1891 schwand die Bedeutung der Klosterkirche. Ein Jahr später brach man den Chor ab und unterteilte das Langhaus in zwei Stockwerke. Die gotischen Fenster in der oberen Etage sind noch original während die unteren neu eingefügt wurden. Gleichzeitig ersetzte man das Satteldach des Kirchturms durch ein Pyramidendach.

Profanierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1891 erhielt Weitenau eine neue Kirche und das ehemalige Klostergelände mit der alten Kirche wurde verkauft. Mit der Profanierung wurde das Kloster Weitenau zunächst ein Gasthaus[10] und später ein Kurheim. Seit 1971 befindet sich in den Räumen eine Fachklinik für Drogen- und Alkoholtherapie mit insgesamt 52 Plätzen.[11]

Lage und Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemaliger Glockenturm

Die Anlage befindet sich in einem Tal auf halbem Wege zwischen Steinen und Schlächtenhaus. Die Bauwerke sind unmittelbar an der Landstraße am Waldrand gelegen. Das Gebäudeensemble besteht insgesamt aus sechs Bauten. Das umgebaute Langhaus ist mit seinem nordöstlich angebauten Turm der Hauptbau der Anlage.

Ursprünglich soll der Glockenturm sieben Glocken gehabt haben, wovon fünf während des 17. und 18. Jahrhunderts durch französische Truppen geraubt worden sein sollen. Eine dieser geraubten Glocken soll ins Straßburger Münster gelangt sein. Die verbliebenen zwei Glocken stammen vom Lörracher Glockengießer Andreas Roost, der sie 1774 herstellte. Die zwei Glocken wurden 1901 abgehängt, so dass heute keine Glocken mehr im Turm hängen.[12]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johannes Helm: Kirchen- und Kapellen im Markgräflerland, Müllheim/Baden 1989, ISBN 3-921709-16-4, S. 370–371.
  • Franz Xaver Kraus: Die Kunstdenkmäler des Großherzogthums Baden, Tübingen und Leipzig, 1901, Fünfter Band - Kreis Lörrach; S. 198–201 online
  • Karl Seith: Zur Geschichte des Klosters Weitenau. In: Das Markgräflerland, Heft 1/1960, S. 1–15 Digitalisat der UB Freiburg
  • Ed. Mayer: Kloster Weitenau bei Steinen im Wiesenthale. In: Schau-ins-Land, Band 15, 1889, S. 23–32 online bei der UB Freiburg
  • E.: Über den Ding- und Zinsrodel des einstigen Weitenauer Dinghofs im Wiesental, In: Schau-ins-Land, Band 14, 1887, S. 55–67 online bei der UB Freiburg

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kloster Weitenau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b K. Seith: Das Kloster Weitenau. In: Badische Heimat, 1923, S. 42 ff
  2. Helm: Kirchen- und Kapellen im Markgräflerland, S. 370 (09.1)
  3. F. X. Kraus: Die Kunstdenkmäler des Großherzogtums Baden, Band V, 1901, S. 198
  4. Eintrag Demberg auf Landeskunde entdecken online - leobw
  5. W. Haid: Liber marcarum in deioeccesi Constanciensi. In: Freiburger Diözesan-Archiv 5, 1870, S. 87 online in der Google-Buchsuche
  6. Helm: Kirchen- und Kapellen im Markgräflerland, S. 370 (09.3)
  7. s. Karl Seith: Das Markgräflerland und die Markgräfler im Bauernkrieg des Jahres 1525. Karlsruhe 1926, S. 52
  8. s. Klöster in Baden-Württemberg
  9. H. Vocke (Hrsg.): Die Chronik des Kreises Lörrach, 1966, S. 205
  10. s. Eintrag auf leobw
  11. Helm: Kirchen- und Kapellen im Markgräflerland, S. 370 (09.5)
  12. Helm: Kirchen- und Kapellen im Markgräflerland, S. 370–371 (09.5)

Koordinaten: 47° 40′ 15″ N, 7° 44′ 27″ O