Rudolf IV. (Hachberg-Sausenberg)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Markgraf Rudolf IV. von Hachberg-Sausenberg (1426–1487)- Foto seines Grabmals in der Stiftskirche von Neuenburg am See (Neuchâtel)

Markgraf Rudolf IV. von Hachberg-Sausenberg (* 1426/27 auf der Burg Rötteln; † 12. April 1487 ebenda) war der Sohn des Markgrafen Wilhelm von Hachberg-Sausenberg und der Elisabeth von Montfort-Bregenz.

Nach der Abdankung seines Vaters (1441) zugunsten seiner noch unmündigen Söhne, Rudolf IV. und Hugo übernahm zunächst Graf Johann von Freiburg als Vormund die Regierung.[1] Seit 1441 führte Rudolf den Titel Markgraf von Hachberg-Sausenberg und seit 1447 jenen eines Grafen von Neuenburg am See.

Die Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rudolf heiratete Margaretha von Vienne (* 1422; † 1458), die Enkelin des Grafen Wilhelm III. von Vienne.[2] Nach dem Tod von Rudolfs Schwager und einem Vergleich mit Wilhelm von Vienne zu Mombis erbte Rudolfs Ehefrau Margaretha 1467 die Herrschaft Sainte-Croix und die Herrschaften Louhans, Seurre und Joux.[3]

Bekannt sind folgende Kinder:

Als Witwer hatte der Markgrafen noch folgende Kinder aus zwei unehelichen Verbindungen.

Mit Barbara Ehinger:

  • Barbara[5] (* 1480; † 1550) 1. ∞ 9. August 1502 Philipp von Chastellux[6] 2. ∞ 1529 Philippe von Champignolles, Herr von Villemolin[7]

Mit N. Keller:

  • Olivier von Hochberg (* 1484; † 1558)[8]

Der Bischof von Konstanz, Otto III. von Hachberg war ein Onkel von Rudolf IV.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im ersten und vierten Feld des Wappenschildes in Gold ein roter Schrägbalken (Wappen des Hauses Baden) und im zweiten und dritten Feld des Wappenschildes in Gold ein roter Pfahl belegt mir drei silbernen Sparren (Wappen der Grafen von Neuenburg).

Die Bautätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rudolf IV. baute die Burgen Rötteln (Unteres Tor in der Vorburg) und Burg Baden aus. Von 1479 bis 1482 ließ er die abgebrannte Stadtkirche von Schopfheim wieder aufbauen. Auch in der Klosterkirche von Weitenau und den Kirchen von Egringen und Rötteln finden sich Spuren seiner Bautätigkeit.[9]

Die Ausdehnung der Landesherrschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 8. September 1444 schenkte Graf Johann von Freiburg-Neuenburg seinen Neffen Rudolf IV. und Hugo von Hachberg-Sausenberg seine Herrschaft Badenweiler mit der Burg Neuenstein. Die Herrschaften Rötteln/Sausenberg und Badenweiler bildeten nun das so genannte Markgräflerland, ein nahezu geschlossenes Herrschaftsgebiet südlich von Freiburg und nördlich von Basel.

Johann (Hans) von Freiburg hatte mit seiner Gemahlin Marie von Chalon sechs Kinder, die aber alle im Kindesalter starben.[10] Eine Schenkung an den bis 1441 regierenden Markgrafen Wilhelm kam nicht in Frage, da dessen Bankrott sich bereits abzeichnete und es das Ziel war, die Stammlande beisammen zu halten.

1447 übertrug Graf Johann von Freiburg-Neuenburg seine Grafschaft Neuenburg mit dem Château de Neuchâtel auf Rudolf. Nach dem Tode Johanns (19. Februar 1458) erbte Rudolf weitere Herrschaften in der Freigrafschaft Burgund.

Der Diplomat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unterschrift des marquis de Rothelin Rodolphe IV. de Hochberg

Rudolf begleitete 1451/52 den deutschen König Friedrich III. auf seinem Zug nach Rom zur Kaiserkrönung. 1454 stattete ihm Herzog Philipp der Gute von Burgund einen Besuch auf Burg Rötteln ab. Am 9. Juli 1454 besuchte der burgundische Herzog, Philipp der Gute, den Markgrafen Rudolf IV. auf der Burg Rötteln, die damit für einen Tag den Glanz höfischen Lebens sah. Mit dem Herzog war eine größere Reisegesellschaft mit etwa 300 Pferden unterwegs.[11] Der Herzog befand sich auf der Rückreise vom sogenannten Türken-Reichstag in Regensburg den Kaiser Friedrich III. einberufen hatte und der vom 23. April bis 21. Mai 1454 dauerte. Es ging dabei um Pläne zur Rückeroberung von Konstantinopel.[12] Die Gesellschaft hatte ihren Weg über Freiburg im Breisgau und Neuenburg am Rhein genommen. Am Folgetag ging es weiter nach Basel und von da nach Neuenburg am See, wobei der Herzog vom Markgrafen begleitet wurde.[13]

1458 wurde Rudolf zum Rat und Kammerherrn am Hofe des Herzogs von Burgund, Philipp des Guten ernannt und war als marquis de Rothelin eine bekannte Figur. 1465 beteiligte er sich an der Seite von Herzog Philipp an der Adelsrevolte gegen den französischen König Ludwig XI. (Ligue du Bien public). Rudolf war auch Bürger von Bern und Solothurn, womit er in Frankreich, Burgund, Deutschland und der Eidgenossenschaft Verbindungen hatte. Herzog Karl der Kühne von Burgund ernannte ihn 1467 zum Gouverneur des Herzogtums Luxemburg. Er nahm diese Amt bis 1477 wahr.[14] 1468 vermittelte Rudolf im Waldshuterkrieg zwischen Herzog Sigmund von Österreich und den Eidgenossen.

Versuch zur Absicherung der badischen Herrschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rudolf war sich bewusst, dass seine Stellung als Lehensherr des deutschen Reiches einerseits und seinen burgundischen Interessen andererseits ihn in eine gefährliche Lage bringen konnten. Um die badischen Herrschaften seiner Familie zu erhalten, nahm er daher Verhandlungen mit Markgraf Karl I. und dessen Sohn Albrecht von der badischen Hauptlinie auf. Kurz vor seinem Tode holte Rudolf zudem einen Sohn Christoph von Badens, Philipp, an seinen Hof.[15] Die Verhandlungen kamen zu keinem Abschluss wurden aber später von Rudolfs Sohn Philipp mit Christoph von Baden wieder aufgenommen und 1490 zum Abschluss gebracht.

Rudolf und die Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Illustration zur 84. Geschichte der Cent Nouvelles Nouvelles

1462 erschien die französische Geschichtensammlung Cent Nouvelles Nouvelles, die dem burgundischen Herzog, Philipp dem Guten, gewidmet war. Die Sammlung wurde lange Antoine de La Sale zugeschrieben, aber inzwischen wird ein Anonymus als Sammler und teilweise Autor dieser Geschichten angenommen. Zur 84. Geschichte ist vermerkt,[16] dass sie vom marquis de rothelin stammt, d.h. von Rudolf IV.[17]

Der Berner Patrizier Thüring von Ringoltingen widmete seine 1456 erschienene deutsche Version der Erzählung Melusine dem Markgrafen Rudolf.[18] Es wird angenommen, dass Rudolf durch seine Verbindungen zum Hof des burgundischen Herzogs Philipp dem Guten Zugang zur französischen Versversion von Couldrette[19] hatte und diese von Ringoltingen zur Verfügung stellte. Die Annahme, dass von Ringoltingen eine Auftragsarbeit für Rudolf erstellte[20], hat sich nicht durchgesetzt.[21]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fritz Schülin: Rötteln-Haagen, Beiträge zur Orts-, Landschafts- und Siedlungsgeschichte. Lörrach 1965, S. 65.
  • Fritz Schülin: Binzen, Beiträge zur Orts-, Landschafts- und Siedlungsgeschichte. Schopfheim 1967, S. 523/524 (Stammtafel des Hauses Hachberg-Sausenberg).
  • Karl Seith: Die Burg Rötteln im Wandel ihrer Herrengeschlechter, Ein Beitrag zur Geschichte und Baugeschichte der Burg. In: Das Markgräflerland, 3. Jahrgang, Heft 1, 1931, S. 1–29 Digitalisat
  • Hans Jakob Wörner: Das Markgräflerland – Bemerkungen zu seinem geschichtlichen Werdegang. In: Das Markgräflerland. Heft 2/1994, S. 63, Schopfheim 1994
  • Johann Christian Sachs: Einleitung in die Geschichte der Marggravschaft und des marggrävlichen altfürstlichen Hauses Baden. in der Google-Buchsuche Erster Theil, Frankfurt/ Leipzig 1764, S. 557–574.
  • Edouard Bauer: Négociations et campagnes de Rodolphe de Hochberg, Comte de Neuchâtel et Marquis de Rothelin, Gouverneur de Luxembourg, 1427–1487. Neuchâtel 1928.
  • Petra Ehm: Burgund und das Reich. Spätmittelalterliche Außenpolitik am Beispiel der Regierung Karls des Kühnen (1465–1477). R. Oldenbourg Verlag, München 2002, ISBN 3-486-56683-0, S. 221–223.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rudolf IV. von Hachberg-Sausenberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Fritz Schülin: Rötteln-Haagen, Beiträge zur Orts-, Landschafts- und Siedlungsgeschichte. Lörrach 1965, S. 75.
  2. s. Sachs S. 571 Digitalisat
  3. s. Sachs S. 574 Digitalisat
  4. Eintrag auf geneall.net
  5. auch Barbe de Hochberg oder Berthe
  6. Eintrag auf www.genealogieonline.nl; Jaqueline de Rohan. In: Musée neuchâtelois, Juli 1883, S. 195 (online); Eintrag auf doc.rero.ch; für Philippe war es die 2. Ehe — das Paar hatte 7 Kinder (s. hierzu auch Anselme de Sainte-Marie: Histoire généalogique et chronologique de la Maison Royale de France, Paris 1783, S. 6 online in der Google-Buchsuche)
  7. our-royal-titled-noble-and-commoner-ancestors.com Eintrag auf our-royal-titled-noble-and-commoner-ancestors.com mit Verweis auf Detlev Schwennicke, Europaische Stammtafeln, New Series, Vol. I/2, Tafel 273.
  8. siehe Eric-André Klauser: Hochberg, Olivier von. In: Historisches Lexikon der Schweiz
  9. Karl Seith: Die Burg Rötteln im Wandel ihrer Herrengeschlechter, Ein Beitrag zur Geschichte und Baugeschichte der Burg. In: Das Markgräflerland, 3. Jahrgang, Heft 1, 1931, S. 13 Digitalisat S. 18.
  10. Hans Jakob Wörner: Das Markgräflerland – Bemerkungen zu seinem geschichtlichen Werdegang. In: Das Markgräflerland. Heft 2/1994, S. 63, Schopfheim 1994.
  11. Die Chronik Erhards von Appenwiler 1439 - 1471. In: Basler Chroniken, Band 4, (Hrsg. von August Bernoulli), S. 317 im Internet Archive; Übersetzung des lateinischen Eintrags in der Chronik bei Thomas Zotz: Die Burg Rötteln bei Lörrach. In: Burgen und Schlösser, Europäisches Burgeninstitut (Hrsg.), 4/2015, S. 273. (online, PDF)
  12. der Kaiser nahm am Reichstag nicht teil und es kam zu keinen Beschlüssen über Maßnahmen gegen die Türken; siehe hierzu auch Friedrich III. (HRR)#Friedrichs Untätigkeit bei der Türkenabwehr
  13. Thomas Zotz: Die Burg Rötteln bei Lörrach. In: Burgen und Schlösser, Europäisches Burgeninstitut (Hrsg.), 4/2015, S. 273. (online, PDF)
  14. siehe Fridolin Weber-Krebs: Die Markgrafen von Baden im Herzogtum Luxemburg (1487-1797), Trier 2007, S. 358
  15. s. August Huber: Über Basels Anteil am Röteler Erbfolgestreit im Jahre 1503. In: Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde 4 (1905), S. 80.
  16. Autor und Inhaltsangabe der 84. Novelle in: Les cent nouvelles nouvelles, Paris 1505
  17. siehe französische Version: gallica 84.Novelle. In: Les cent nouvelles nouvelles. Paris 1505; siehe englische Version Robert B. Douglas (Übersetzer), Léon Lebègue (Illustrator): The devil's share. In: One Hundred Merrie And Delightsome Stories. Paris 1899 online im Projekt Gutenberg
  18. Die History oder Geschicht, von der Edlen vnd schönen Melusina. Augsburg 1574, Beschluß (S. 103 des Digitalisats) Digitalisat der Universitätsbibliothek Eichstätt-Ingelstadt
  19. Mellusine: poème relatif á cette fée poetevine, composé dans le quatorzième siècle par Couldrette. Ausgabe von 1854 im Internet Archive
  20. Siegfried Bühler: Aus der Literaturgeschichte von Rötteln. In: Unser Lörrach 1992. S. 167
  21. Claudia Steinkämper: Melusine - vom Schlangenweib zur "Beauté mit dem Fischschwanz", Göttingen 2007, S. 81, Fußnote 155
Vorgänger Amt Nachfolger
Wilhelm Markgraf von Hachberg-Sausenberg
1441–1487
Philipp
Vorgänger Amt Nachfolger
Johann von Freiburg Graf von Neuenburg
1458–1487
Philipp