Knallkapsel

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Ausgelegte Knallkapsel der Belgischen Eisenbahn SNCB
Knallkapsel amerikanischer Bauart

Eine Knallkapsel ist ein kleiner Sprengkörper, der auf Eisenbahnschienen befestigt wird und mit einem lauten Knall explodiert, sobald er von einem Schienenfahrzeug überfahren wird. Drei im Abstand hintereinander gelegte Knallkapseln wurden verwendet, um Zügen einen Nothaltauftrag zu erteilen.

Einsatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Knallkapseln kommen dann zum Einsatz, wenn Gefahrenstellen abgesichert werden müssen und die Zeit für eine anderweitige Signalisierung nicht mehr ausreicht oder wenn die Gefahr besteht, dass ein anderes Signal beispielsweise wegen Nebels oder Schneetreiben vom Zugpersonal nicht wahrgenommen werden kann. Um das Knallsignal zu geben, werden in ausreichendem Abstand vor der Gefahrenstelle mehrere (normalerweise drei) Knallkapseln kurz hintereinander ausgelegt. Schon die Explosion einer einzigen Knallkapsel galt als Haltesignal.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Anfängen der Eisenbahn erfolgte die Sicherung von Zugfahrten durch Fahren im Zeitabstand. Blieb ein voranfahrender Zug liegen, musste der folgende Zug gewarnt werden. Ein Mitarbeiter hatte die Aufgabe, dem folgenden Zug entgegen zu laufen und ihm mit einer Flagge oder einem Licht ein Haltesignal zu geben. Das war – besonders bei schlechter Sicht – sehr risikobehaftet. In Großbritannien bestand bei einigen Bahnen die Regel, um den folgenden Zug zu warnen oder wenn z. B. durch eine Entgleisung auch das Gleis der Gegenrichtung betroffen war, im jeweiligen Gleis mit Glut aus der Feuerung der Lokomotive im Gleis ein Feuer zu entzünden. Das war für die Holzschwellen nicht besonders schonend. Diese primitiven Verfahren wurden abgelöst, als Edward Alfred Cowper 1841 die Knallkapsel erfand. Sie verbreitete sich schnell bei allen Eisenbahnen, auch auf dem europäischen Festland.[1]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den Preußischen Staatseisenbahnen waren die Knallkapseln im Gepäckwagen mitzuführen. 1903 war zum Beispiel vorgeschrieben, dass dort je zwei Packungen mit je sechs Knallkapseln vorrätig zu sein hatten.[2]

Seit der Änderung der Eisenbahn-Signalordnung am 8. Juli 1986 gibt es das Knallsignal Sh 4 in Deutschland nicht mehr.[3] In den Zügen wurden schon einige Jahre vorher keine Knallkapseln mehr mitgeführt. 1992[4] wurde das Signal für ganz Deutschland abgeschafft.

Andere Staaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Großbritannien und in Frankreich müssen Züge nach wie vor Knallkapseln mitführen. In den USA werden sie sogar noch im Timetable-and-Train-Order-Betrieb zum Folgefahrschutz bei außerplanmäßig langsamen oder haltenden Zügen eingesetzt.

Gefahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Knallkapseln zählen zu den gefährlichen Gütern. Sie sind in die Gefahrgutklasse 1 (explosive feste Stoffe) eingeordnet, die UN-Nummern für Knallkapseln sind 0192, 0193, 0492 und 0493. Für die Aufbewahrung und Handhabung gelten besondere Vorschriften, so sind die Aufbewahrungsbehälter der Knallkapseln in den Triebfahrzeugen üblicherweise verplombt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Railway detonators – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lionel Thomas Caswell Rolt: Red for Danger. Auflage: London 1978, S. 34.
  2. Bekanntmachung Nr. 207, S. 188. In: Eisenbahndirektion Mainz (Hg.): Sammlung der herausgegebenen Amtsblätter 7 (1903). Mainz 1904. Amtsblatt vom 4. April 1903. Nr. 18.
  3. BGBl. 1986 I S. 1012
  4. Als die Knallkapsel verschwand. In: DB Welt. Nr. 7, 2016, S. 4.