Korbinian von Blanckenburg

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Korbinian von Blanckenburg

Korbinian von Blanckenburg (* 25. Mai 1979 in Göttingen) ist ein deutscher Volkswirt. Er ist Professor für Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftsmathematik an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe in Lemgo.

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Korbinian von Blanckenburg studierte nach dem Abitur am Hainberg-Gymnasium Göttingen Volkswirtschaftslehre an der Universität Regensburg, der Universität Karlstad in Schweden und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Anschließend entwickelte er in seiner Doktorarbeit Testverfahren zur Beurteilung der Funktionsfähigkeit von Märkten.[1] Nach Stationen beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, der WINGAS GmbH und einem dreisemestrigen Lehrauftrag am Institut für Volkswirtschaftslehre der Universität Kassel wurde er im Oktober 2013 zum Professor ernannt.[2] 2016 habilitierte er sich an der Universität Kassel, und es wurde ihm die Lehrbefähigung für das Fach Volkswirtschaftslehre erteilt.[3]

Forschungsschwerpunkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Forschung zur Zeitumstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Korbinian von Blanckenburg veröffentlichte zusammen mit seinem Koautor Julian Strauch eine Studie zur Stromersparnis privater Haushalte. Aus der Analyse geht hervor, dass es durch die Zeitumstellung im Vergleich zu einer reinen Sommerzeit nicht zu Energieersparnis kommt. Im Gegenteil, bei einer ganzjährigen Sommerzeit wird bei privaten Haushalten sogar weniger Strom verbraucht. Dies begründen die Autoren über die Spezifika des täglichen Stromverbrauchs: In den Abendstunden verbrauchen Haushalte die meiste Energie. Zudem wird weniger Strom verbraucht, wenn es heller ist. Im Umkehrschluss verbrauchen private Haushalte bei einem System mit ganzjähriger Sommerzeit weniger Energie als bei der Zeitumstellung, da so die Effekte von mehr Helligkeit in den Abendstunden bereits ab dem frühen Frühling genutzt werden können und nicht erst ab Ende März.[8][9][10]

Beratung von Praxispartnern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Korbinian von Blanckenburg untersucht in Studien mit Praxispartnern, wie illegale Absprachen auf verschiedenen Managementebenen aufgedeckt werden können und wie man dem entgegenwirken kann. Hierbei nutzt er Verfahren, die er für Analysen auf Marktebenen entwickelt hat, für unternehmensinterne Ziele.[11]

Das System of Cartel Markers (SCM): Ein Kartellscreeningverfahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Korbinian von Blanckenburg entwickelte mit seinen Koautoren Alexander Geist und Konstantin Kholodilin das so genannte System of Cartel Markers (SCM)[12]. Es handelt sich dabei um ein Kartellscreeningverfahren, das auf der Idee basiert, dass ein Kartell bei seinen Aktivitäten verdächtige Spuren in empirischen Daten hinterlässt.[13][14] Das SCM berücksichtigt dabei:

  1. Den Kapazitätsauslastungsgrad: Während der Kartellgründungsphase tendieren Kartelle zu einer Preiserhöhung und/oder Mengenreduzierung. Unter der Annahme, dass die Kapazitäten kurzfristig unverändert bleiben wird demnach eine geringe Kapazitätsauslastung erwartet.
  2. Die Korrelation zwischen Kapazitätsauslastungsgrad und Preisveränderung: Aufgrund ständig auftretender exogener Störungen wird davon ausgegangen, dass sich Märkte meistens im Ungleichgewicht befinden. Deshalb ist der Ansatz dieses Markers auf die Anpassung des Preises nach einer exogenen Störung gerichtet. So führt im Wettbewerb ein Nachfrageschock zuerst zu einer höheren Kapazitätsauslastung (die Anbieter sehen sich plötzlich vielen Anfragen gegenüber). Im nächsten Schritt wird eine Preisanpassung erwartet (nach einem positiven Nachfrageschock eine Preiserhöhung). Diese Korrelation lässt sich empirisch messen (wobei natürlich die Verzögerung beachtet werden muss). Grundsätzlich reagiert auch ein bestehendes Kartell auf exogene Veränderungen. Auf der Suche nach dem (neuen) Cournot-Level finden solche Anpassungen allerdings langsamer statt (Absprache innerhalb des Kartells). Eine Ausnahme stellt zudem die Kartellgründungsphase dar, denn hier werden Preise ja zunächst völlig unabhängig von der tatsächlichen Marktentwicklung getätigt (so lange bis das gewinnmaximale Level nach Meinung des Kartells erreicht wurde).
  3. Der Renditedifferenz (zu einer übergeordneten Industrie): Es werden Überrenditen erwartet.
  4. Korrelation zwischen Renditedifferenz und Kapazitätsänderungen: Auf einem Wettbewerbsmarkt wird ein positiver Zusammenhang zwischen der Renditedifferenz und den Kapazitätsänderungen erwartet. Erwirtschaftet eine Branche beispielsweise Überrenditen (weil die Produkte etwa in Mode gekommen sind), lockt dies einerseits neue Unternehmen an und führt andererseits zur Erweiterung der (ausgelasteten) Kapazitäten bisheriger Marktteilnehmer. Beide Effekte spiegeln sich in einer positiven Kapazitätsänderung für die Gesamtbranche wider. Im Gegensatz dazu führen Unterrenditen zum Ausscheiden von Teilnehmern und Kapazitätsreduzierung. In einer Kartellphase (wenn die Mitglieder ihre Investitionen absprechen) ist hingegen keine kurzfristige Kapazitätsveränderung zu erwarten, solange die vorhandenen (unterausgelasteten) Kapazitäten ausreichen. Es wird also sowohl für die Kartellgründung als auch in der Kartellphase die Unabhängigkeit von Renditedifferenz und Kapazitätsänderung erwartet.
  5. Verteilung der Preisveränderungen: Bei Kartellaktivitäten wird eine höhere Dichte der Preisveränderungsverteilung um Null erwartet, da Kartelle dazu neigen, Preise untereinander abzustimmen. Dies wurde zudem empirisch nachgewiesen.[15]

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lehrpreis 2015 (Hochschule Ostwestfalen-Lippe)[16]

Publikationen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Entwicklung und Anwendung von ökonometrischen Testverfahren zur Koordinationsmängeldiagnose, Verlag Dr. Kovac; Auflage: 1., Aufl. (Oktober 2009)
  2. Korbinian von Blanckenburg neuer Professor für Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftsmathematik an der Hochschule OWL
  3. Habilitationen und Berufungen. In: www.forschung-und-lehre.de. Abgerufen am 31. März 2016.
  4. The Effects of Gasoline Price Regulations: Experimental Evidence Justus Haucap, Hans Christian Müller, S. 10
  5. [1] Korbinian von Blanckenburg, Marc Hanfeld and Konstantin A. Kholodilin: A market screening model for price inconstancies : empirical evidence from German electricity markets , Berlin, DIW, 2013
  6. [2] Korbinian von Blanckenburg, Alexander Geist: Cartel detection : is market share volatility a significant indicator?, Intereconomics : review of European economic policy, Berlin, Springer, ISSN 1613-964X, ZDB-ID 2066476-X. - Vol. 46.2011, 4, S. 217–221
  7. Illegale Absprachen: Wie Kartelle systematisch aufgedeckt werden können, Wirtschaftsdienst 2010 /10, S. 670 ff.
  8. Stromersparnis der Zeitumstellung bei privaten Haushalten, in: Wirtschaftsdienst, Jg. 96 (2016), Heft 4, 265-272.
  9. Für immer Sommerzeit, in: Süddeutsche Zeitung, 24. März 2017.
  10. Interview zur Zeitumstellung, Deutschlandradio Kultur, 24.03.2017
  11. Julia Wunderlich: Hochschule Ostwestfalen-Lippe - University of Applied Science: Kooperation mit Ernst & Young zur besseren Aufdeckung von Wirtschaftskriminalität. In: www.hs-owl.de. Abgerufen am 1. Juni 2016.
  12. Abstract: This paper considers enhancements of a comparatively new method to detect cartels, the System of Cartel Markers (SCM) Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung
  13. [3] Korbinian von Blanckenburg, Alexander Geist: Detecting illegal activities: the case of cartels, European Journal of Law and Economics, August 2011, 32(1), 15-33
  14. [4] Korbinian von Blanckenburg, Alexander Geist: Illegale Absprachen: Wie Kartelle systematisch aufgedeckt werden können, Wirtschaftsdienst, 10/2010, 670-675
  15. [5] Korbinian von Blanckenburg, Alexander Geist and Konstantin A. Kholodilin: The Influence of Collusion on Price Changes: New Evidence from Major Cartel Cases, German Economic Review, 13(3), 245-256, 2013.
  16. Herbstempfang der Hochschule OWL. 16. Oktober 2015; abgerufen am 12. November 2015.