Kundus

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Kunduz ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Weitere Bedeutungen sind unter Kunduz (Begriffsklärung) aufgeführt.
کندوز
Kundus
Kundus (Afghanistan)
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Koordinaten 36° 44′ N, 68° 52′ OKoordinaten: 36° 44′ N, 68° 52′ O
Basisdaten
Staat Afghanistan

Provinz

Kundus
Distrikt Kunduz
Höhe 397 m
Einwohner 268.893 (Berechnung 2015[1])
Politik
Bürgermeister Mohammad Farhad
Afghanische Wirtschaftsschule Kunduz
Landschaft bei Kunduz

Kundus (auch: Kunduz, Qhunduz; Paschtu/Dari: کندوز, auch قندوز) ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz Kundus. Sie befindet sich im Nordosten von Afghanistan im so genannten Kunduztal nahe der tadschikischen Grenze, rund 250 km nördlich von Kabul. In der Stadt leben nach neuesten Berechnungen im Jahr 2012 knapp 125.000 Einwohner. Kundus liegt auf einer Höhe von 397 m.

Die Region ist sehr fruchtbar und für Afghanistan ungewöhnlich grün. Das vom Kunduz-Fluss durchflossene Tal ist an drei Seiten unmittelbar und an einer Seite mittelbar von hohen Bergen umgeben, den Ausläufern des Hindukuschs. Kunduz verfügt über einen kleinen Flugplatz, den Flughafen Kunduz.[2]

Kundus wird hauptsächlich von Tadschiken und Usbeken bewohnt, im Zuge der politischen 'Paschtunisierung' Anfang des 20. Jahrhunderts wurden auch Paschtunen angesiedelt. Die Stadt ist das Zentrum der vier nordöstlichen Provinzen Kunduz, Badachschan, Baghlan und Tachar.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt hieß einst Drapsaka und war ein wichtiger Ort, der unter anderem um 330 v. Chr. von Alexander dem Großen bei seinem Feldzug gegen Bessos, den selbst ernannten König der Baktrier, als Heerlager genutzt wurde. In der Zeit der Timuriden (1370–1507) wurde die Stadt mit dem Namen Kunduz erwähnt. Dieser ist abgeleitet von Persisch quhan-diz, „alte Zitadelle“.

Unter dem Gouverneur Schir Chan Naschir (Nasher) wurde die Provinz Kunduz im 20. Jahrhundert zur reichsten Provinz Afghanistans. Hauptgrund war Naschirs Gründung der Spinzar Cotton Company, die im Nachkriegs-Afghanistan noch immer existiert und ihre Produktion wieder aufgenommen hat. Derzeitig ist Mohammad Omar Safi Gouverneur der Provinz Kunduz.[3]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Kundus werden unter anderem Baumwolle, Reis, Weizen, Mais und Melonen angebaut. Letztere haben den Ruf, die besten des Landes zu sein, und werden häufig in abenteuerlich beladenen Lkw und Pkw in andere Provinzen einschließlich Kabul exportiert. Generell ist die Landwirtschaft auf eher „mittelalterlichem“ Niveau, Traktoren sieht man so gut wie nie. Die Äcker werden mit Ochsengespannen bearbeitet, manchmal sieht man auch Menschen den Pflug ziehen. Kundus ist Standort des Afghan German Management College.

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Kundus herrscht ein Kontinentalklima, und es ist in der Regel ein paar Grad wärmer als in Kabul. Im Sommer können die Temperaturen zeitweise die 50 °C-Marke überschreiten. Zumeist liegt das Thermometer jedoch dann knapp über 40 °C, was wegen der trockenen Luft vergleichsweise erträglich ist. Im Winter kann es schneien.

OEF und ISAF[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Sturz der Taliban-Regierung 2001 begann zunächst der Militäreinsatz OEF, danach der Einsatz der Internationalen Sicherheits- und Unterstützungskräfte (ISAF) in Afghanistan. Nach Ausweitung des ISAF-Mandats auf die nördlichen Provinzen übernahm im Januar 2004 die Bundeswehr eine US-amerikanische Liegenschaft mitten in der Stadt, in der bis Ende Mai 2006 das Wiederaufbau-Team für die Provinz Kunduz (engl. Provincial Reconstruction Team (PRT)), unter Beteiligung verschiedener Nationen (Belgien, Niederlande, Ungarn, Rumänien, USA), stationiert war. Seit Juni 2006 war das PRT in der Nähe des Flughafens im deutschen Feldlager Kundus untergebracht. Am 6. Oktober 2013 wurde das Feldlager und die Region Kundus in eine regionale Sicherheitsverantwortung übergeben.

Am Morgen des 28. Septembers 2015 drangen etwa 1000 Kämpfer der Taliban in das Stadtzentrum vor und besetzten wichtige Regierungsgebäude, bis zum Abend gelang es ihnen das gesamte Stadtgebiet unter ihre Kontrolle zu bringen (siehe auch: Schlacht um Kundus). Die afghanischen Sicherheitskräfte zogen sich zum Flughafen außerhalb der Stadt zurück.[4][5] Damit fiel seit dem Sturz der Taliban im Oktober 2001 erstmals eine Provinzhauptstadt Afghanistans in die Hände der ehemaligen Machthaber. Berichten von Amnesty International zufolge begingen die Taliban in kürzester Zeit schwerste Verbrechen und errichteten so mit Morden an Zivilisten, Gruppenvergewaltigungen, Entführungen und dem Einsatz von Todesschwadronen in wenigen Tagen eine „Schreckensherrschaft“ in der Stadt.[6] Am 1. Oktober 2015 brachten afghanische Truppen einen Teil der Stadt wieder unter staatliche Kontrolle.[7] Nach Meldungen vom 3. Oktober wurden durch einen amerikanischen Luftschlag auch ein Krankenhaus getroffen und dabei mehrere Zivilisten getötet.[8][9]

Am 13. Oktober wurde vermeldet, dass die Stadt wieder in der Hand der Afghanischen Regierung sei.[10] Obama verkündete am 15. Oktober, dass die USA tausende Truppen bis 2017 in Afghanistan zu belassen beabsichtige.[11]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kundus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. UN State of Afghan Cities report 2015 UN State of Afghan Cities report 2015, S. 13
  2. Kunduz Airport. Afghanistan Ministry of Transport and Civil Aviation. 21. März 2007. Archiviert vom Original am 27. September 2007.
  3. http://www.khaama.com/mohammad-omar-safi-appointed-new-governor-of-kunduz-9083
  4. Taliban haben Kundus-Stadt erobert. In: Die Welt. 28. September 2015. Abgerufen am 29. September 2015.
  5. Taliban haben Kundus vollständig erobert. In: Zeit Online. 28. September 2015. Abgerufen am 29. September 2015.
  6. Bericht von Amnesty International: Taliban begehen schwerste Verbrechen in Kundus. Stuttgarter Zeitung, 1. Oktober 2015, abgerufen am 4. Oktober 2015.
  7. Schwere Verluste für Taliban: Afghanische Spezialtruppen erobern Kundus zurück. 1. Oktober 2015. Abgerufen am 1. Oktober 2015.
  8. Luftangriffe in Kunduz: „Das US-Militär wusste, wo unser Krankenhaus liegt“. Spiegel Online, 3. Oktober 2015
  9. Luftangriff in Kundus Absicht oder Versehen? Kritik an US-Angriff auf Klinik. In: Der Tagesspiegel. 3. Oktober 2015. Abgerufen am 3. Oktober 2015.
  10. Zwei Wochen nach Invasion : Taliban geben Kundus wieder frei. Ihr Einmarsch in Kundus hatte viele geschockt – nun ziehen sich die radikal-islamischen Taliban nach eigenen Angaben wieder aus der nordafghanischen Stadt zurück. Dennoch hat ihre wiedergewonnene Stärke die Regierung in Kabul unter Druck gesetzt. In: tagesschau.de. ARD, 13. Oktober 2015, archiviert vom Original am 20. Oktober 2015, abgerufen am 20. Oktober 2015.
  11. Matthew Rosenberg, Michael D. Shear: In Reversal, Obama Says U.S. Soldiers Will Stay in Afghanistan to 2017. New York Times, 15. Oktober 2015, abgerufen am 19. Oktober 2015.