Notierung

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Notierung (auch amtliche Notiz, Kursnotiz, Kursnotierung; Schweiz: Lesung, englisch financial quotation) ist im Börsenhandel die Festsetzung und Veröffentlichung von Börsenkursen an einem regulierten Markt wie der Börse. Umgangssprachlich wird darunter die Festsetzung eines jeden Kurses verstanden.

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Börsengesetz (BörsG) kennt keine einheitliche Methode der Kursfeststellung, weil es diese operative Aufgabe den regionalen Börsenordnungen überlässt, die nach § 16 BörsG zu erlassen sind. Das BörsG spricht von Börsenpreisen, die während der Börsenzeit an einer Börse oder im Freiverkehr festgestellt werden (§ 24 Abs. 1 BörsG). Es verlangt, dass Börsenpreise ordnungsmäßig zustande kommen und der wirklichen Marktlage des Börsenhandels entsprechen müssen (§ 24 Abs. 2 BörsG). Nach § 24 Abs. 3 BörsG sind Börsenpreise und die ihnen zugrunde liegenden Umsätze den Handelsteilnehmern unverzüglich und zu angemessenen kaufmännischen Bedingungen in leicht zugänglicher Weise bekannt zu machen.

Arten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt in Deutschland verschiedene Arten der Kursfeststellung, nämlich die am Einheitsmarkt (Präsenzbörse) und am variablen Markt, beide zusammen bilden den Kassamarkt. Auf dem Einheitsmarkt finden pro Wertpapier geringe Umsätze statt, für die ein Einheitskurs festgestellt wird. Am variablen Markt mit höheren Umsätzen pro Handelsobjekt kommt es zu fortlaufenden Kursnotierungen. Wenn auf dem Einheitsmarkt die Aufnahme der Aufträge beendet ist, wird derjenige Börsenkurs als Einheitskursnotiz festgestellt, zu dem die meisten Umsätze zustande kommen können und die niedrigsten Überhänge übrig bleiben. Am variablen Markt hingegen gibt es je nach Umsatzlage mehrere Börsenkurse innerhalb eines Börsentages für ein bestimmtes Handelsobjekt. Sie enden mit einem Schlusskurs, der zum Ende der offiziellen Börsenzeit für Wertpapiere mit fortlaufender Notierung festgestellt wird.

Amtlicher Kurs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einen amtlichen Kurs gibt es seit dem Vierten Finanzmarktförderungsgesetz vom Juli 2002 nicht mehr. Amtlich bedeutete, dass Börsen in Deutschland öffentlich-rechtliche Institutionen sind (Anstalt des öffentlichen Rechts) und die ehemaligen Börsenmakler in einem öffentlich-rechtlichen Verhältnis zur Börse standen. Der Einheitskurs wird nunmehr von Skontroführern ermittelt. Sie sind keine Handelsmakler nach § 93 HGB mehr und vermitteln zwischen Kauf- und Verkaufsorders. Die Skontroführer stellen die für die von ihnen betreuten Wertpapiere auf der Grundlage der über die Banken an die Börse gelangenden Wertpapierorders die Kursnotiz als Einheitskurs fest. Bereits im Dezember 1998 wurde die amtliche Kursnotiz für Devisen eingestellt, so dass es heute keine amtlichen Kurse mehr gibt.

Der Handel ist ein Börsensegment an deutschen Börsen,[1] das seit November 2007 aus den Segmenten General Standard und Prime Standard besteht. Zwecks Kursermittlung führt der Skontroführer ein Orderbuch (Skontro), in welchem alle Kauf- und Verkaufsorders unabhängig davon, ob diese Orders ein Limit aufweisen oder nicht, erfasst werden.[2] Die Skontroführer bedürfen einer Zulassung nach § 27 Abs. 1 BörsG. Nach § 27 Abs. 1 Börsenordnung der Frankfurter Wertpapierbörse (BörsO; Anlage I) werden Börsenpreise im Präsenzhandel durch die Skontroführer in Prozent des Nennbetrags oder in Euro je Stück festgestellt. Nach § 39 BörsO veröffentlicht die Geschäftsführung der Börse die festgestellten Preise. Die Notierung der Kassakurse ist der Einheitskurs. Haben Käufer und Verkäufer unlimitierte Aufträge oder genau diesen Einheitskurs (oder einen höheren bei Kauforders/einen niedrigeren bei Verkaufsorders) in ihren Orders angegeben, besitzen sie einen Rechtsanspruch auf Ausführung zu diesem Kurs. Bei der variablen Notierung hingegen erfolgt die Kursfeststellung während der Börsenzeit mehrfach, sobald bestimmte Mindest-Orders einen Umsatz ermöglichen. Auf einen bestimmten variablen Kurs haben die Auftraggeber keinen Rechtsanspruch.

Veröffentlichung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kursnotierungen gibt es börsentäglich. Sie unterbleiben nur in zwei Ausnahmesituationen:

Die börsentäglich festgestellten Kursnotierungen werden nebst Kurszusätzen in den Medien, insbesondere den regionalen und überregionalen Börsenpflichtblättern veröffentlicht. Börsenpflichtblätter haben die Aufgabe, die Öffentlichkeit auf möglichst breiter Basis zu erreichen. Deshalb muss jede Wertpapierbörse mindestens drei inländische Zeitungen mit überregionaler Verbreitung als Bekanntmachungsblätter ernennen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wolfgang Gerke, Gerke Börsen Lexikon, 2002, S. 44
  2. Björn Lorenz/Petr Knobloch/Detlef Heinzel, Modernes Risikomanagement, 2002, S. 46
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