Kurt Hielscher

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Kurt Hielscher (Kurt Hilšer) (* 7. Januar 1881 in Striegau, Schlesien; † 10. Juli 1948 in Lichtenstein in Sachsen) war ein deutscher Fotograf und Lehrer.

Er bereiste in den 1910er, 1920er und 1930er Jahren große Teile Europas und war der Autor vieler erfolgreicher Bücher mit Landschafts- und Architekturfotos.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kurt Hielscher wurde als Sohn eines Försters geboren und kam früh in ein Waisenhaus in Bunzlau. Er wurde Lehrer und war Studienrat in Westpreußen. Dies gab ihm jedes Jahr die Möglichkeit, seine Wanderleidenschaft auszuleben. Seine erste größere Auslandsreise führte ihn im Sommer 1914 nach Spanien. Als während seines Aufenthalts dort der Erste Weltkrieg ausbrach, konnte er das Land nicht mehr verlassen. Er arbeitete in Spanien als Hauslehrer und nutze die Zeit, um das Land zu durchwandern und mit seiner Kamera zu dokumentieren. Die Ausstellungen und Vorträge zu seinen Lichtbildern brachten ihm dort Aufmerksamkeit und Bekanntheit.

Zurück in Deutschland setzte er seine Spanien-Vorträge und Ausstellungen fort und brachte 1921 seine Fotos unter dem Titel "Das unbekannte Spanien" als Buch in Deutschland und Spanien heraus.[1] Bereits 1922 erschien das Werk auch in einer französischen, italienischen und englischsprachigen Ausgabe.[2] Letztere verwendete der Architekt Frank Meline in den späten 1920er Jahren für die Landschaftsgestaltung neu erschlossener Gebiete der sog. kalifornischen Riviera in Pacific Palisades, westlich von Los Angeles, wo in den 1930er und 40er Jahren zahlreiche deutsche Emigranten lebten.

Durch den Erfolg seines Werkes motiviert, wollte Hielscher ein ähnliches Buch über Deutschland machen. Dazu zog er 1922 und 1923 mit seiner Kamera durch sein Vaterland. Der so entstandene Fotoband erschien 1924 und enthielt über 300 Schwarz-Weiß-Fotos zwischen Helgoland und Berchtesgaden und wurde in 9 Auflagen bis 1941 175.000 Mal verkauft. In den Werken, die zwischen 1933 und 1945 erschienen werden im Vorwort begeisterte Worte über den "Führer" und das Großdeutsche Reich laut.

Hielschers Bekanntheit wuchs schnell und es folgten öffentliche Aufträge für ähnliche Foto-Dokumentationen in weiteren Ländern. Er veröffentlichte Bildbände über die Skandinavischen Länder, Italien, den Balkan, Österreich und Rumänien. Vom Lehrerberuf hatte er sich bald verabschiedet und widmete sich fortan ganz der Fotografie. Alle seine Werke erschienen im Kupfer-Tiefdruck-Verfahren und wurden zu bedeutenden Beispielen einer von ihm geschaffenen neuen Buchform: dem Reise-Bildband. Vorausschauend hatte er einmal geschrieben: "Ich versuche, das Urgesicht eines Landes und seines Volkes in meinen Büchern zu zeigen. Als Zeugen einer versinkenden Welt werden meine Bilder noch sprechen, wenn ich selbst längst verstummt bin."[3]

In den Wirren des Zweiten Weltkrieges gingen seine Negative und Druckplatten und auch eine große Anzahl gedruckter Bücher verloren. Nach dem Krieg lebte er im sowjetischen Sektor und bekam zunächst keine Ausreisegenehmigung in den Westen. So waren seine Vortragsreisen auf den Raum der entstehenden DDR begrenzt. Er starb 1948 im Alter von 67 Jahren.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kurt Hielscher wurde von den höchsten Würdenträgern der Länder geehrt, zum Beispiel vom Spanischen und Rumänischen König, vom Reichspräsidenten Hindenburg und von Mussolini. Die Geleitworte zu seinen Büchern schrieben Gerhart Hauptmann, Hans Thoma, Selma Lagerlöf, Karin Michaëlis und Octavian Goga.

Trotz seiner hohen Buchauflagen von insgesamt ca. 490.000 geriet Hielscher nach dem Zweiten Weltkrieg weitgehend in Vergessenheit.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekannte Werke von ihm sind "Das unbekannte Spanien", "Deutschland", "Dänemark, Schweden, Norwegen", "Rumänien".

  • Kurt Hielscher: Das unbekannte Spanien. Baukunst, Landschaft, Volksleben. Berlin: Verlag Ernst Wasmuth 1922.
  • Kurt Hielscher: La España incógnita. Barcelona: E. Canosa, s. a.
  • Kurt Hielscher: Picturesque Spain architecture. Landscape, life of the people. New York: Brentano’s Publishers, 1922.
  • Kurt Hielscher: Deutschland. Baukunst Und Landschaft. Berlin: Verlag Ernst Wasmuth 1924.
  • Kurt Hielscher: Skandinavien, Danemark, Schweden, Norwegen, Finnland : Baukunst, Landschaft und Volksleben. Berlin: E. Wasmuth 1924.
  • Kurt Hielscher: Die Ewige Stadt: Erinnnerungen an Rom. Berlin: E. Wasmuth 1925.
  • Kurt Hielscher: Picturesque Spain architecture. Landscape, life of the people. New York: Brentano's Publishers, 1925.
  • Kurt Hielscher: La España incógnita. Madrid: Espasa Calpe, s. a.
  • Kurt Hielscher: Italien. Baukunst und Landschaft. Berlin: E. Wasmuth, cop ., 1925.
  • Kurt Hielscher: Das unbekannte Spanien. Baukunst, Landschaft, Volksleben. Berlin: Ernst Wasmuth, 1925.
  • Kurt Hielscher: Jugoslavien. Slovenien, Kroatien, Dalmatien, Montenegro, Herzegowina, Bosnien, Serbien. Landschaft, Baukunst, Volksleben. Berlin: E. Wasmuth, cop ., 1926.
  • Kurt Hielscher: Österreich Landschaft und Baukunst. Berlin: Verlag Ernst Wasmuth 1928.
  • Kurt Hielscher: Das unbekannte Spanien. Baukunst, Landschaft, Volksleben. Berlin – Zürich: Atlantis-Verlag, 1930.
  • Kurt Hielscher: Dänemark, Schweden, Norwegen; Landschaft, Baukunst, Volksleben. Leipzig: F.A. Brockhaus 1931.
  • Kurt Hielscher: Rumänien. Landschaft, Bauten, Volksleben. Leipzig: F.A. Brockhaus 1933.
  • Kurt Hielscher: Roumanie. Son paysage, ses monuments, son peuple. Leipzig: F.A. Brockhaus, 1933.
  • Kurt Hielscher: Siebenbürgen: Banat, Sathmar, Marmorosch: Landschaft, Bauten, Volksleben. Leipzig: F.A. Brockhaus 1936.
  • Kurt Hielscher: Burgen im Bozener Land. München: Bruckmann 1938.
  • Kurt Hielscher: Das unbekannte Spanien. Baukunst, Landschaft Volksleben. Leipzig: F.A. Brockhaus, 1942.
  • Kurt Hielscher: España inédita en fotografías. Costumbre, arte y tradiciones. Madrid: Agualarga, 2000.
  • Kurt Hielscher: Recuerdos de España. Madrid: Agualarga, 2004.
  • Kurt Hielscher, Wolfgang Henkel, Peter Schubert: Deutschland – Ein Jahrhundert: Germany a Century. Dresden: K4Verlag, 2019.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hermann Bahr: 23. September [1922]. In: Liebe der Lebenden. Tagebücher 1921/23. Hildesheim: Borgmeyer 1925, II, 227–228.
  • Wilhelm Schöppe: Meister Der Kamera Erzählen: Wie sie wurden und wie sie arbeiten. Halle, Saale: Knapp, 1937.
  • David Sánchez Cano: Genesis eines Fotobuches. "Das unbekannte Spanien" von Kurt Hielscher, in: Michael Scholz-Hänsel (Hrsg.): Spanien im Fotobuch. Von Kurt Hielscher bis Mireia Sentís, Plöttner Verlag, Leipzig 2007, ISBN 978-3-938442-39-5, S. 51–57
  • Francis Nenik: Aushäusige der Erinnerung. Exil und Exilanten im Thomas-Mann-Haus in Pacific Palisades, in: Exil, Heft 1/2 2018, Frankfurt/Main 2019, S. 10 und S. 22.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kurt Hielscher – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. David Sánchez Cano: Genesis eines Fotobuches. "Das unbekannte Spanien" von Kurt Hielscher. In: Michael Scholz-Hänsel (Hrsg.): Spanien im Fotobuch. Von Kurt Hielscher bis Mireia Sentís. Plöttner Verlag, Leipzig 2007, ISBN 978-3-938442-39-5, S. 51–57.
  2. Francis Nenik: Aushäusige der Erinnerung. Exil und Exilanten im Thomas-Mann-Haus in Pacific Palisades. In: Exil. Forschung - Erkenntnisse - Ergebnisse. Band 1/2. Exilverlag Koch, Frankfurt/Main 2019, S. 10.
  3. Hielscher, Henkel, Schubert: Deutschland - Ein Jahrhundert, S. 15 ff.