Kurt Ranke (Germanist)

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Kurt Ranke (* 14. April 1908 in Blankenburg (Harz); † 6. Juni 1985 in Stadensen bei Uelzen) war Volkskundler, Germanist, Altertums- und Erzählforscher.

Kurt Ranke studierte Geschichte, Germanistik und Kirchengeschichte an den Universitäten Bonn, München und Kiel. Noch vor Abschluss seiner Promotion über Die zwei Brüder: Eine Studie zur vergleichenden Märchenforschung 1933 an der Christian-Albrechts-Universität Kiel trat er 1932 der NSDAP bei. Ranke war auch Mitglied der SA. Ab 1934 war er Assistent am Germanistischen Seminar in Kiel. Die Habilitation galt 1938 einer Arbeit über indogermanische Totenverehrung. Seit 1940 war er Dozent in Kiel.[1] Laut einer Untersuchung von Zimmermann war der langjährige „Parteigenosse“ Ranke als Leiter des Bereichs „Deutsche Volks- und Altertumskunde“ an der von Alfred Rosenberg geplanten „Hohen Schule“ der NSDAP vorgesehen. Ranke sollte damit zu einem Vordenker der Partei in Fragen der Volks- und Altertumskunde werden. Die „Hohe Schule“ wurde kriegsbedingt nicht eingerichtet, und Ranke leistete zeitweilig Kriegsdienst. Im Januar 1944 verlangte die NSDAP-Reichsleitung, Ranke als einen von 43 Geisteswissenschaftlern als unabkömmlich (uk-Stellung) vom Kriegsdienst zu befreien und zurückzuholen, was anschließend geschah.[1]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde er amtsenthoben und arbeitete zunächst als Hilfsarbeiter in einer Getreidemühle,[1] bevor er 1948 als Dozent an die Universität zurückkehrte. 1951 wurde er außerplanmäßiger Professor, 1958 außerordentlicher Professor.[1] Von 1960 bis zur Emeritierung 1973 lehrte Ranke als Ordinarius für Volkskunde an der Georg-August-Universität Göttingen. Als Begründer der Zeitschrift Fabula und der Enzyklopädie des Märchens war er einer der führenden Erzählforscher seiner Zeit. 1955 und 1958 publizierte er eine Sammlung Schleswig-Holsteinischer Volksmärchen.

Den Antrag anlässlich des 100. Geburtstags Rankes 2008 eine Gedenktafel in Göttingen anbringen zu lassen, lehnte die Stadt Göttingen mit Hinweis auf die NS-Vergangenheit Rankes ab.

Werke[Bearbeiten]

Zimmermann attestiert Rankes Arbeiten aus der Zeit des Nationalsozialismus eine anti-aufklärerische Haltung; relativ zu damaligen Kieler Kollegen wie Otto Höfler sei er jedoch „wesentlich empirisch orientiert“ gewesen. Weniger als andere habe er Quellen für ideologisch motivierte Lehrmeinungen selegiert.

Literatur[Bearbeiten]

  • Deutsche Biographische Enzyklopädie (fehlerhaft)
  • Fritz Paul, Kurt Ranke, 1908-1985. In: Göttinger Gelehrte. Die Akademie der Wissenschaften zu Göttingen in Bildnissen und Würdigungen 1751-2001. Hrsg. von Karl Arndt, Gerhard Gottschalk und Rudolf Smend. Bd. 2. Göttingen 2001, S. 696-697.
  • Hannelore Jeske, Sammler und Sammlungen von Volkserzählungen in Schleswig-Holstein, Neumünster 2002, S. 166 ISBN 3-529-02491-0.
  • Harm-Peer Zimmermann, Vom Schlaf der Vernunft. Deutsche Volkskunde an der Kieler Universität 1933-1945. In: Hans-Werner Prahl (Hrsg.): Uni-Formierung des Geistes. Universität Kiel im Nationalsozialismus, Bd. 1, Kiel 1995, S. 171-274.
  • Hans-Jörg Uther: Ranke, Kurt. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 21, Duncker & Humblot, Berlin 2003, ISBN 3-428-11202-4, S. 145 f. (Digitalisat).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Fischer Taschenbuch Verlag, Zweite aktualisierte Auflage, Frankfurt am Main 2005, ISBN 978-3-596-16048-8, S. 479.