Lagerhaus G

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Lagerhaus G
Lagerhaus G
Saalehafen und Lagerhaus G

Das Lagerhaus G ist ein 1903 errichteter Bodenspeicher am Dessauer Ufer (heute: Dessauer Straße) im Hamburger Stadtteil Kleiner Grasbrook.

Das Gebäude, das von 1944 bis 1945 als KZ-Außenlager Hamburg-Dessauer Ufer (Hamburg-Veddel) des KZ Neuengamme genutzt wurde, liegt am Binnenschiffhafen Saalehafen im östlichen Teil des Hamburger Hafens innerhalb des bis 2012 bestehenden Freihafens. Das Lagerhaus verfügt über drei Böden und ist durch Brandmauern in acht Sektionen untergliedert. Zu jeder Sektion gehört land- und wasserseitig je ein Außenaufzug mit Windhäuschen.

Das seit 1988 unter Denkmalschutz stehende Lagerhaus G ist ein Gebäudetyp, der in Hamburg kaum noch vorhanden ist. Es dokumentiert die historische Form der Lagerhaltung außerhalb der Speicherstadt mit ihrer für die damalige Zeit typischen Backsteinarchitektur.

Seit 1997 werden in dem Gebäude wieder Waren umgeschlagen. Als früheres Freihafenlager wird es unter anderem zum Umschlag von Sammelgut genutzt.

KZ-Außenlager Dessauer Ufer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenktafel KZ-Außenlager Dessauer Ufer

Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Gebäude als Außenlager Dessauer Ufer des KZ Neuengamme zur Unterbringung von Zwangsarbeitern genutzt.[1]

Vom 20. Juni bis 30. September 1944 waren bis zu 1500 jüdische Frauen aus Ungarn und Tschechien im Lagerhaus untergebracht, die in Raffinerien und zerstörten Gebäuden anderer Betriebe im Hafen Aufräumarbeiten verrichten mussten. Im Oktober 1944 kamen 2000 männliche Häftlinge in das Außenlager. Die Häftlinge wurden mehrheitlich bei Mineralölunternehmen in der Nähe des Hafens für Aufräumarbeiten eingesetzt. So wurde ein Kommando mit etwa 100 Häftlingen bei Mineralöl-Werke Ernst Jung, eines mit 120 Mann bei Oelwerke Julius Schindler und ein weiteres mit 80 Häftlingen bei Rhenania-Ossag eingesetzt. Ferner wurden Kommandos in der Bill-Brauerei, bei den Wasserwerken sowie im Gleisbau bei der Reichsbahn eingesetzt. Ein Kommando musste Panzergräben in der Hamburger Umgebung bauen.[2]

Während sich der Großteil der Häftlinge im Arbeitseinsatz befand, wurde der Speicher bei einem alliierten Bombenangriff am 25. Oktober 1944, bei dem zahlreiche der etwa 200 kranken Häftlinge getötet wurden, schwer beschädigt. Etwa 1500 der überlebenden Häftlinge wurden daraufhin in das neu errichtete KZ-Außenlager Fuhlsbüttel verlegt. Das Gebäude wurde repariert und nahm wiederum etwa 1500 Häftlinge des am 15. Februar 1945 aufgelösten Außenlagers Fuhlsbüttel auf. Das Außenlager Dessauer Straße wurde schlussendlich am 14. April 1945 geräumt und die Häftlinge verlegt. Zunächst wurden sie auf die Hamburger Außenlager Hammerbrook (Spaldingstraße) und Rothenburgsort (Bullenhuser Damm) aufgeteilt, mussten dann zum Auffanglager Stammlager X B nach Sandbostel (60 km westlich von Hamburg) marschieren, wo sie am 29. April 1945 von britischen Truppen befreit wurden.[2]

Gedenken

Eine Gedenktafel erinnert an diesen Teil der Geschichte des Gebäudes. An die Zwangsarbeiterin Margarethe Müller (1899–1944) erinnert an ihrer ehemaligen Einsatzstelle Dessauer Ufer ein Stolperstein.[3][4] Für die Frauen des Außenlagers Dessauer Ufer wurde 1995 ein Wandgemälde der Künstlerinnen Cecilia Herrero und Hildegund Schuster im Rahmen der FrauenFreiluftGalerie (Neumühlen 16–20) realisiert.[5]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Dessauer Ufer subcamp – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gedenkstätten in Hamburg hamburg.de, S. 69 (PDF).
  2. a b Marc Buggeln: Hamburg-Dessauer Ufer (Männer). In: Wolfgang Benz, Barbara Distel (Hrsg.): Der Ort des Terrors: Hinzert, Auschwitz, Neuengamme. Band 5. C.H. Beck, München 2007, ISBN 978-3-406-52965-8, S. 396–399.
  3. Conceição Feist: Ein Stolperstein im Hafen. In: HafenCity Zeitung, 1. Juni 2013, S. 21, abgerufen am 3. September 2017.
  4. Margarethe Müller (geborene Meissl) * 1899. In: Stolpersteine Hamburg, abgerufen am 3. September 2017.
  5. Wandbild für die Frauen des Außenlagers Dessauer Ufer. Neumühlen 16–20 (Ottensen). In: Gedenkstätten in Hamburg, abgerufen am 3. September 2017.

Koordinaten: 53° 31′ 30″ N, 10° 0′ 38″ O