Hamburg-Kleiner Grasbrook

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Wappen von Hamburg
Kleiner Grasbrook
Stadtteil von Hamburg
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Koordinaten 53° 31′ 52″ N, 9° 59′ 37″ OKoordinaten: 53° 31′ 52″ N, 9° 59′ 37″ O
Fläche 4,5 km²
Einwohner 1218 (31. Dez. 2016)
Bevölkerungsdichte 271 Einwohner/km²
Postleitzahl 20457, 20539
Vorwahl 040
Bezirk Bezirk Hamburg-Mitte
Quelle: Statistisches Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein
Karte des Kleinen Grasbrooks 2015
Blick vom Turm der Nikolaikirche auf Reiherstieg und den Kleinen und Großen Grasbrook

Der Kleine Grasbrook ist ein Stadtteil im Bezirk Hamburg-Mitte der Freien und Hansestadt Hamburg. Er besteht derzeit fast ausschließlich aus Anlagen des Hamburger Hafens. Seit sich der Güterumschlag durch den Einsatz von Containern nach Westen in die elbabwärts gelegenen Containerterminals verlagert hat, liegen viele Flächen brach, sodass seit langem eine Umnutzung des Gebiets geplant ist („Sprung über die Elbe“).

Nachdem das Gebiet in der Vergangenheit bereits als zentraler Campus für die Universität Hamburg[1] sowie als Austragungsort für die Olympischen Spiele 2024 oder 2028 vorgesehen war, soll nach aktueller Planung hier nunmehr ein neues Wohnquartier für bis zu 6000 Menschen entstehen.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die frühere Binneninsel liegt zwischen Veddel (stromaufwärts), Steinwerder (stromabwärts) und Wilhelmsburg im Süden. Auf der gegenüberliegenden Seite der Norderelbe liegt die ehemals verbundene Insel Großer Grasbrook (heute HafenCity), an die sich die Hamburger Innenstadt anschließt. Der Namensbestandteil -brook verweist darauf, dass es sich ehemals um ein tiefliegendes, feuchtes Bruchland handelte.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Elbinsel Grasbrook diente seit dem Mittelalter den Hamburgern als Viehweide. Im Jahr 1549 wurde durch den Bau des sogenannten Neuen Grabens, der mehr Wasser aus der Süderelbe in die Norderelbe führen sollte, der Grasbrook durchtrennt. Der heutige Verlauf der Norderelbe wurde jedoch durch einen Durchstich im Jahre 1604 geschaffen. Durch weitere Begradigungen der Elbe verhinderte man eine Versandung des Hafens. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Insel Schumacherwerder durch Eindeichung in den Kleinen Grasbrook einbezogen. 1871 wurde der Kleine Grasbrook zunächst zum Vorort erhoben und 1894 eingemeindet. Seitdem bildet er einen eigenen Stadtteil, in den auch die benachbarte Große Veddel einbezogen wurde, während der Stadtteil Veddel nur das Gebiet der ehemaligen Kleinen Veddel umfasst.

Der Kleine Grasbrook wurde bereits lange vor seiner Eingemeindung durch den Senat zum ersten Hafenerweiterungsgebiet südlich der Norderelbe bestimmt. Ab 1838 wurden Kanäle und Kaianlagen angelegt. Mit dem Südwesthafen, der als Petroleumhafen diente, wurde 1879 das erste Hafenbecken südlich der Elbe angelegt. Als wegen des Zollanschlusses Hamburgs der Freihafen Hamburg geschaffen wurde folgten der Segelschiffhafen (1888), der Hansahafen (1893), der Indiahafen und der Oberländer Hafen (1894) als Seehäfen. Für die Hafenanlagen mussten bis 1887 die bisherigen Wohnhäuser und deren Bewohner weichen. Sie wurden in Gebiete nördlich der Elbe umgesiedelt. Lediglich an der Harburger Chaussee gibt es noch vereinzelte Wohnbebauung. Südlich folgte zeitgleich für die Binnenschifffahrt die Anlage von Moldauhafen (1887), Saalehafen (1888), Spreehafen (1890) und Klütjenfelder Hafen. Ab Anfang des 20. Jahrhunderts erschloss die Hamburger Hafenbahn das Gebiet. Auch heute lassen sich noch einzelne Spuren der Bebauung aus dem 19. Jahrhundert finden. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Bebauung auf dem Kleinen Grasbrook zu 90 Prozent zerstört. Wiederaufbau und Umstrukturierungen führten dazu, dass der Indiahafen und große Teile des Südwesthafens und des Segelschiffhafens zugeschüttet wurden. Auf dem Gebiet des Segelschiffhafens wurde 1978 das Frucht- und Kühl-Zentrum der HHLA in Betrieb genommen, das lange zu den modernsten Europas gehörte. Auch heute werden am O’Swaldkai noch Früchte – vor allem Bananen – gelöscht, temperiert gelagert und weiterverteilt. Nördlich des Fruchtzentrums befindet sich das Terminal der HHLA-Tochter UNIKAI, die dort vor allem RoRo-Schiffe abfertigt. Das 1967 erbaute HHLA-Überseezentrum am Moldauhafen galt bei seiner Einweihung als größter Sammel- und Verteilerschuppen der Welt. 2003 schlossen HHLA und Rhenus ein Joint Venture; dieses betreibt (Stand August 2013) das Überseezentrum.[2]

Gescheiterte Olympiabewerbung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Sommer 2014 wurde bekannt, dass auf dem Kleinen Grasbrook Flächen für Spielstätten sowie für das Olympische Dorf geplant werden. Hätte Hamburg nach einer Bewerbung als Austragungsort der Olympischen Spiele 2024 oder Olympischen Spiele 2028 den Zuschlag erhalten, wären hierzu größere infrastrukturelle Maßnahmen erforderlich gewesen.[3][4] Dazu hätten etliche Betriebe aus dem äußeren östlichen Bereich des Hamburger Hafens umgesiedelt werden müssen, darunter auch mehrere Standorte von HHLA-Betrieben (z. B. das Frucht- und Kühl-Zentrum). Der Unternehmensverband Hafen Hamburg (UVHH) rechnete mit gut 2000 Beschäftigten, die von einer Umsiedlung betroffen gewesen wären. Er hatte zudem Bedenken, dass die zur Verfügung stehende Zeit für die Planung und Umsiedlung auf noch nicht vorbereitete Flächen nicht ausgereicht hätte.[5] Am 29. November 2015 wurde das Großprojekt durch das Hamburger Olympia-Bürgerschaftsreferendum mit 51,6 % Nein-Stimmen gegenüber 48,4 % Ja-Stimmen abgelehnt. Die Wahlbeteiligung der wahlberechtigten Bürger bei diesem Referendum betrug 50,2 %.

Geplantes Wohngebiet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im September 2017 gab der Senat bekannt, dass auf Teilen des Stadtteils Kleiner Grasbrook ein neuer „Stadtteil“ entstehen soll.[6] Nach den bisher bekanntgewordenen Planungen soll der Bereich des heutigen Überseezentrums vollständig und der Bereich O’Swaldkai teilweise umgewidmet werden, was einer Fläche von 46 Hektar entspricht. Das neue Stadtviertel liegt gegenüber der Hamburger HafenCity auf dem Südufer der Norderelbe und soll so den seit langem forcierten städtebaulichen „Sprung über die Elbe“ realisieren. Geplant sind Wohnungen für etwa 6.000 Bewohner und 16.000 Arbeitsplätze sowie Einkaufsmöglichkeiten, eine Grundschule und Kitas. Zur Erschließung ist eine Station der U-Bahn-Linie U4 (die jedoch erst nach der Bebauung entstehen soll) sowie mehrere Bushaltestellen geplant. Durch eine ebenfalls in Planung befindliche Bebauung des Veddeler Marktplatzes im östlich benachbarten Stadtteil Veddel sollen diese beiden Stadtteile zusammenwachsen.

Hervorhebung der drei Quartiere, die zusammen das Gesamtgebiet bilden

Konkret soll sich das Neubaugebiet in drei Quartiere aufteilen. Auf der Fläche des heutigen Übersee-Zentrums sollen die Quartiere Moldauhafenquartier an der Spitze und Freihafenelbquartier zum Stadtteil Veddel ausgerichtet entstehen. Auf der Fläche des O’Swaldkai soll am nördlichen Ufer (Moldauhafen) und am östlichen Ufer (Saalehafen) das dritte Quartier namens Hafentorquartier entstehen. Die restliche Fläche des O’Swaldkai soll weiterhin der Hafennutzung zur Verfügung stehen.[7] Das Gebiet des Übersee-Zentrums soll als Standort des neu einzurichtenden Deutschen Hafenmuseums dienen.[8]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Wahl zur Bürgerschaft gehört der Kleine Grasbrook zum Wahlkreis Billstedt-Wilhelmsburg-Finkenwerder. Die Bürgerschaftswahl 2015 führte zu folgendem Ergebnis:[9]

  • Linke: 31,9 % (+12,6)
  • SPD: 19,2 % (−16,9)
  • Grüne: 15,8 % (−3,4)
  • Partei: 11,4 % (+6,1)
  • Piraten: 10,8 % (−1,2)
  • CDU: 3,2 % (−2,1)
  • FDP: 2,6 % (+1,0)
  • AfD: 1,6 % (+1,6)
  • Übrige 3,5 % (+2,3)

(Ergebnis für Kleiner Grasbrook und Steinwerder zusammen)

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Stadtteil ist aufgrund seiner Lage fast ausschließlich durch den Hafen geprägt. Die Hamburg Port Authority (HPA), früher Amt für Strom- und Hafenbau, ist die zuständige staatliche Behörde für den gesamten Hafenbereich (nicht nur auf dem Kleinen Grasbrook). Ihr untersteht auch die Hamburger Hafenbahn, die den Schienenverkehr im Hafenbereich betreibt. Auf dem Kleinen Grasbrook liegt der Hafenbahnhof Hamburg-Süd.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Rand des Stadtteils liegt der S-Bahnhof Veddel, der von den S-Bahn-Linien S 3 (PinnebergAltonaHauptbahnhofHarburgNeugrabenBuxtehudeStade) und S 31 (Altona – Hauptbahnhof – Harburg) bedient wird. Neben der VHH-Buslinie 256, die vom S-Bahnhof Veddel und vom Alten Elbtunnel aus den Kleinen Grasbrook landseitig erschließt, spielt im Berufsverkehr vor allem die HADAG-Fährlinie 73, die von den St.-Pauli-Landungsbrücken kommt, eine Rolle.

Behörden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gebäude der Hamburg Port Authority

Neben der HPA spielt im Stadtteil vor allem der Zoll eine große Rolle. Große Teile des Hauptzollamtes Hamburg-Hafen sind gegenüber von Schuppen 50 und am Veddeler Damm untergebracht. Die drei für den östlichen Teil des Hafens zuständigen Zollabfertigungen des Zollamtes Hamburg-Waltershof liegen gegenüber von Schuppen 50 (Australiastraße), an der Tunnelstraße auf der Grenze zur Veddel und am nördlichen Ende der Elbbrücken (Zweibrückenstraße).

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kopfbau des Schuppens 50 beherbergt das Hafenmuseum
  • Im Hafenmuseum im Schuppen 50, einer Außenstelle des Museums der Arbeit, sind historische Arbeits- und Umschlaggeräte, kulturgeschichtliche Ausstellungen und insbesondere Objekte und Erinnerungen an ausgestorbene Berufe im Hafen zu besichtigen. Der Schuppen wurde 1908 bis 1912 erbaut und ist heute einer der letzten Schuppen in Holzkonstruktion im Hafen. Der Kopfbau (Foto) zeigt Elemente der Hamburger Reformarchitektur jener Zeit.
  • An den Außenanlagen am Bremer Kai / Hansahafen, sind Umschlag- und Dampfanlagen zu Land und zu Wasser sowie historische Schiffe ausgestellt, u. a. Van Carrier, der Dampfschwimmkran Saatsee, einige Kastenschuten und der Stückgutfrachter Bleichen. Die Betreuung einiger Schiffe liegt in der Hand der Stiftung Hamburg Maritim.
  • Ebenfalls hinter dem Schuppen am Bremer Kai, stellt der Verein Freunde der historischen Hafenbahn e.V. restaurierte Fahrzeuge der Hamburger Hafenbahn und anderer Industrie- und Werksbahnen aus.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lagerhaus G

Trotz der ständigen Modernisierungen befinden sich auf dem Kleinen Grasbrook auch ältere Zeugnisse der Hamburger Hafenarchitektur:

  • Am Saalehafen in der Dessauer Straße liegt einer der ältesten Hamburger Speicher, das Lagerhaus G, das im Zweiten Weltkrieg als Außenlager des KZ Neuengamme diente.
  • Direkt gegenüber befindet sich ein noch heute genutzter sehr alter Schuppen, der aus der Frühzeit der Hafenbahn stammt (Bild)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hamburg-Kleiner Grasbrook – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Behörde für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung: Perspektiven für die Universität Hamburg. hamburg.de, 31. März 2009, abgerufen am 15. September 2017.
  2. HHLA Rhenus Logistics GmbH, Lageplan Überseezentrum
  3. Deutsche Olympia-Bewerbung. Spiegel online vom 1. September 2014, abgerufen 10. Februar 2015
  4. Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen: Masterplan Olympia: Kompakte Spiele in der Stadt. hamburg.de, 1. Oktober 2015, abgerufen am 15. September 2017.
  5. Eckhard-Herbert Arndt: „Betriebe brauchen mehr Zeit“ · UVHH-Präsident Gunther Bonz zu Olympischen Spielen in Hamburg. In: Täglicher Hafenbericht vom 3. Februar 2015, S. 2
  6. Senatskanzlei Hamburg: Ein neuer Stadtteil für Hamburg. hamburg.de, 12. September 2017, abgerufen am 15. September 2017.
  7. Der neue Stadtteil Grasbrook. HafenCity.de, Oktober 2017, abgerufen am 17. Oktober 2017 (PDF).
  8. Eckhard-Herbert Arndt: „ÜZ“ weicht deutschem Hafenmuseum · Das Millionen-Projekt soll auf dem Kleinen Grasbrook entstehen. In: Täglicher Hafenbericht vom 20. Dezember 2017, S. 2
  9. http://www.wahlen-hamburg.de/wahlen.php?site=left/gebiete&wahltyp=3#index.php?site=right/ergebnis&wahl=973&gebiet=50&typ=4&stimme=1&gID=4&gTyp=2