Land Rover Defender

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Der Land Rover (ab 1990 Land Rover Defender) war ein Geländewagen des britischen Autoherstellers Land Rover. Zwischen 1948 und 2016 wurden mehr als 2 Millionen Fahrzeuge produziert. Der Geländewagen zählt zu den Klassikern der Automobilgeschichte.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Defender 110 CSW (2004)
Defender 90 (2007)

Das Unternehmen Rover, später Land Rover, baute ab 1948 das gleichnamige Fahrzeug, das nicht zuletzt durch die Fernsehserie Daktari bekannt wurde. Die ersten drei Modellreihen wurden mit Land Rover Serie I, II und III bezeichnet. Die vierte Serie (ab Herbst 1983) wurde zunächst unter der Bezeichnung One Ten (110) bzw. Ninety (90) vermarktet, was dem Radstand in Zoll entspricht. Markante technische Veränderungen waren die Aufhängung der Starrachsen an Lenkern mit Schraubenfedern statt an Blattfedern sowie neue Dieselmotoren.

Im Herbst 1989, als der Discovery eingeführt wurde, wurde eine Differenzierung der Modellnamen notwendig. Der ursprüngliche als Land Rover bezeichnete Wagen hieß ab September 1990 nun „Land Rover Defender“. Im Frühjahr 2007 kam eine neue Reihe des Defender auf den Markt. Äußerlich wurden einige Details verändert (z. B. fehlen die Lüftungsklappen unter der Windschutzscheibe) und auch Cockpit und Sitze wurden verändert. Die wichtigsten Änderungen waren jedoch ein neuer Motor und ein Sechsganggetriebe. Bei der letzten Modellgeneration des Defenders kam ein Ford-Vierzylinder-Dieselmotor zum Einsatz, der unter anderem auch im Ford Transit verwendet wurde und die Euro-4-Abgasnorm erfüllte. Ursprünglich wurde die Land-Rover-Serie für die zivile Nutzung in der Landwirtschaft entwickelt. Bald bewährte sich der Land Rover aber auch auf Expeditionen. Erst später wurde das Fahrzeug militärisch verwendet und die britischen Streitkräfte machten es 1956 zu einem ihrer Standardfahrzeuge. Auch bereits im Jahr 2014 wurde der Defender in vielen Krisengebieten der Erde vom Militär und humanitären Hilfsorganisationen eingesetzt. Der Land Rover war für seine Robustheit bekannt. Nach Angaben des Pressesprechers von Land Rover sind 75 Prozent aller jemals gebauten Defender (inkl. Vorgängermodelle unter dem Namen Land Rover) noch im Einsatz. Daher seien bis heute (2007) auch Ersatzteile für die erste Baureihe erhältlich.[1]

Nach 68 Jahren Bauzeit wurde die Produktion des Land Rover Defenders am 29. Januar 2016 nach mehr als 2 Millionen Exemplaren endgültig eingestellt. [2] Die Form war mit den EU-Richtlinien zum Fußgängerschutz nicht mehr vereinbar.[3] Zum Abschied feierte Land Rover sein Erfolgsmodell mit einem kilometergroßen Sandgemälde am Strand der walisischen Red Wharf Bay, gepflügt von sechs Land-Rover-Modellen aus den vergangenen Jahrzehnten. An diesem Strand soll der Legende nach der Erfinder des Defenders Maurice Wilks 1947 seine erste Modellskizze in den Sand gezeichnet haben.[4] In seinem letzten Jahr erschien der Defender in drei Sondermodellen; die LandRover Defender Autobiography Edition, die Land Rover Defender Adventure Edition und die Land Rover Defender Heritage Edition.

Varianten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Defender 130 Crew Cab
Defender 147 im Land-Rover-Werksmuseum in Gaydon, Vereinigtes Königreich

Der Defender war modular aufgebaut. So ließ sich das Dach mit verhältnismäßig wenig Aufwand entfernen und ein geschlossenes Fahrzeug ließ sich in eines mit Plane umwandeln. Die drei Grundmodellvarianten waren in drei Radständen (90, 110, 130 Zoll) erhältlich. Verschiedene Dacharten (Station-Wagon: geschlossen mit Fenstern, Hardtop: geschlossen ohne Fenster, Softtop: Plane etc.) konnten mit dem gleichen Karosserieunterteil kombiniert werden:

  • Defender 90 County Station-Wagon (CSW), Hardtop (HT), Plane (Soft Top, ST), Pickup (PU)
  • Defender 110 County Station-Wagon (CSW), Hardtop (HT), Pickup (PU), High Capacity Pickup (HCPU), Double Cab Pickup (DCPU)
  • Defender 130 (von 1986 bis 1990 auch als 127 bekannt) als Pickup mit Doppel- oder Einzelkabine
  • Defender 147 (gestreckte 6-türige Variante von Land Rover Südafrika)

Die Zahlen in den Modellnamen gaben traditionell die Radstände in Zoll an. Hiervon wurde beim Defender allerdings zugunsten gerundeter Zahlen abgewichen. So betrug beim Defender 90 z. B. der Achsstand 93 Zoll, beim Defender 130 127 Zoll. Die Modellreihen 90 und 110 werden mit klassischen weißlackierten Stahlrädern oder mit Fünfspeichen-Leichtmetallrädern ausgeliefert. Die 130er-Reihe gab es nur mit Stahlrädern. Der Defender 90 wurde bis zu seiner Umbenennung im September 1990 auch als „Ninety“ und der Defender 110 als „One Ten“ bezeichnet. Der Defender konnte eine hohe Anhängelast ziehen: Mit Auflaufbremse waren es 3500 kg, mit durchgehender Bremsanlage (Druckluft) waren 5000 kg, bei der aktuellen Baureihe sogar 6000 kg möglich.

Motorisierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland gab es den Defender ab dem Modelljahr 2012 nur noch mit einem 2,2-Liter-Dieselmotor, da der vorher ab 2007 verwendete 2,4-Liter-Turbodiesel mit Direkteinspritzung nicht die Euro-5-Abgasnorm erfüllte. Mitte der 1990er-Jahre entstand aus der 200er-Reihe die Baureihe 300 Tdi mit 83 kW (113 PS) bei 4000/min. Als das Unternehmen Land Rover zu BMW gehörte, wurde die Variante Td5 als 5-Zylinder-Diesel mit Pumpe-Düse-System und einer Leistung von 90 kW (122 PS) bei 4200/min eingeführt. Der Motor entstammte einer von Rover neuentwickelten Baureihe, die ursprünglich vom Vier- (Td4) bis zum Sechszylinder (Td6) reichen sollte, dann aber bei der Übernahme durch BMW bis auf den bekannten Td5 gekippt wurde. Das maximale Drehmoment des Motors betrug 300 Nm bei 1.950/min. Die leistungsstarke V8-Version war in Deutschland nicht direkt erhältlich (ausgenommen die 50-years-jubilee-Edition, die auch in Deutschland mit V8 – wenn auch nur in kleiner Stückzahl – verkauft wurde). Mit der Übernahme von Land Rover durch Ford im Jahr 2000 wurde der Defender überarbeitet.

Im Mai 2007 kam das neue Modell mit gleichem Namen auf den Markt. Die Veränderungen im Erscheinungsbild waren gering. Im Inneren fielen das moderne Armaturenbrett und die neuen Sitze auf. Diese wurden nötig, da die bisherige Längsanordnung der Rückbänke beim 90 und 110 nicht mehr zulassungsfähig war. Äußerlich stach vor allem zum Teil höhere Motorhaube ins Auge, die notwendig war, um den neuen Motor unterzubringen: einen 2,4-Liter-Vierzylinder-Diesel, der von der Konzernmutter Ford entwickelt wurde. Mit 90 kW (122 PS) kam der Motor auf die gleiche Leistung wie der Vorgänger, erfüllte jedoch die Euro-4-Abgasnorm. Mit Common-Rail- statt Pumpe-Düse-Einspritzung erreichte der neue Motor bessere Leistungswerte und war zudem deutlich leiser als der Td5. Außerdem gab es ein neues Sechsganggetriebe. Die kürzere Übersetzung des ersten Gangs sollte in Kombination mit dem höheren Drehmoment Geländefahrten einfacher machen. Durch die verbesserte Beschleunigung in den einzelnen Gängen war eine über 20 Prozent längere Übersetzung des sechsten Gangs möglich, wodurch mehr Laufruhe und Komfort sowie ein geringerer Verbrauch erzielt werden sollten. Wegen der neuen Heizungs- und Lüftungsanlage fielen die klassischen Lüftungsklappen direkt unter der Frontscheibe weg.

Technische Details[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Defender 110, Sondermodell „Experience Bolivien“ (2012)

Der Defender hatte einen stabilen Kastenrahmen; dies führte zu einem Leergewicht von über 1800 kg, obwohl unter anderem die Karosserie aus Aluminiumblech (auf einem Stahlrohrskelett) gefertigt war. Hohes Gewicht und großer Luftwiderstand des Aufbaus begrenzten die Fahrleistungen auf der Straße: Der Defender mit 300Tdi-Motor erreichte bei hohem Geräuschpegel 129 km/h, der Td5 knapp 138 km/h (Herstellerangaben). Bei der Td4-Version mit 2,4-l-Ford-Motor wurde die Höchstgeschwindigkeit elektronisch auf etwa 130 km/h begrenzt. Die im Geländegang sehr kurze Übersetzung, der permanente Allradantrieb mit sperrbarem Mitteldifferential und die hohe mögliche Achsverschränkung sowie eine Wattiefe (Wasserdurchfahrten) von 50 cm ergaben eine gute Geländegängigkeit. Eine Besonderheit des Defenders war die Funktion der Handbremse, die nicht wie bei anderen Fahrzeugen auf die Räder, sondern (wie auch beim Nissan Patrol GR) direkt auf die Kardanwelle zur Hinterachse wirkte; durch Sperren des Mitteldifferentiales wirkte sie auf alle Räder. Der Dieselverbrauch betrug 10 bis 11 l/100 km. Die zuletzt angebotenen Ausstattungsvarianten enthielten ABS und ESP, teilweise auch elektrische Fensterheber und Zentralverriegelung. Airbags waren jedoch nach wie vor nicht vorhanden.

Feuerwehr, Rettungsdienste und Katastrophenschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Aluminiumaufbau mit knapp bemessenem Innenraum und Komfort bedeutete, dass der Landrover Defender mehr Zuladung bot als jedes andere zu dieser Zeit gebaute Geländefahrzeug der 3,5-Tonnen-Klasse. Daher diente er als „Camion Citerne pour Feux de forêt Léger“ (CCFL, Kleinlöschfahrzeug für die Vegetationsbrandbekämpfung), Vorausrüstwagen, Gerätewagen Bergrettung oder Offroad-Rettungswagen. Setzte man den Aufbau eines 3,5-Tonnen-Defenders stattdessen auf den Leiterrahmen eines Mercedes-Benz G Professional oder Bremach, ergab sich ein 3,7-bis-4-Tonner, der nicht mit Führerschein Klasse B gefahren werden durfte.

Militärische Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Ausnahme von zwei Modellen hatte Land Rover alle Fahrzeuge für den zivilen Markt entwickelt. Lediglich der Military Land Rover und das Modell 101 waren Entwicklungen für den Militärmarkt. Das britische Ministry of Defence (MOD) und Armeen anderer Länder nutzten den Land Rover bereits ab der Series II. Die Baureihe IV (Ninety, OneTen, Defender) wurde in vielen Varianten genutzt. So als: TUL (Truck Utility light) (90) und TUM (Truck Utility Medium) (110, 130).

Land Rover Wolf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Land Rover Wolf
Land Rover Wolf

Unter der Bezeichnung Land Rover Wolf wurden ab 1996 die militärischen Varianten des Defenders vermarktet. Die Fahrzeuge waren besonders überarbeitete Varianten des Defender TDi. Bekannt sind mindestens 27[5] Ausstattungsvarianten aus verschiedenen Kontrakten.

Military Land Rover „Lightweight“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Military Land Rover, für den sich umgangssprachlich die Bezeichnung „Lightweight“ eingebürgert hatte, obwohl er nicht leichter, sondern etwa 140 kg schwerer als die zivile Variante war, arbeitete Land Rover während der Entwicklung mit dem britischen Verteidigungsministerium zusammen.

Land Rover Defender Concept 100[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Defender Concept 100

Der Defender Concept 100 war ein Konzeptfahrzeug von Land Rover und sollte zeigen, wie das Nachfolgefahrzeug des Defender aussehen könnte. Das Automobil wurde im Jahr 2011 der Öffentlichkeit vorgestellt.[6] Für das Design des Fahrzeuges war Gerry McGovern verantwortlich. Der Land Rover wurde in zwei Varianten ausgeführt: ein 3-türiger Geländewagen mit Dieselmotor sowie ein offenes Automobil mit Benzinmotor.[7]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Land Rover Defender – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Für Boulevard und Bauernhof auf spiegel.de, 25. Mai 2007
  2. End of the road for the Land Rover Defender. The Telegraph, 28. Januar 2016
  3. Unkaputtbar und windschlüpfrig wie ein Kühlschrank auf welt.de, 12. Juli 2012
  4. Wüsten-Spektakel: So schickt Land Rover den Defender in Rente auf focus-online.de, 6. Januar 2015
  5. Army Ersatzteilkatalog 2320-D-128-711
  6. Autocar 13 September 2011
  7. Auto Express September 2011