Lea Schneider (Schriftstellerin)

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Lea Schneider bei einer Podiumsdiskussion für Fokus Lyrik in Frankfurt 2019

Lea Schneider (* 9. Juli 1989 in Köln) ist eine deutsche Schriftstellerin und Übersetzerin. Sie ist vor allem für ihre Gedichte, Essays und Übersetzungen von chinesischer Gegenwartslyrik bekannt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schneider studierte Komparatistik, Sinologie, Soziologie und Linguistik an der Freien Universität Berlin und der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder. Sie verbrachte Auslandssemester an der Fudan-Universität in Shanghai und der Zhongguo-Wenhua-Universität in Taipei, wo sie erstmals intensiv mit chinesischer Gegenwartsliteratur in Berührung kam.[1][2] Sie schloss ihr Studium 2015 mit einer Arbeit über Biopolitik und Gouvernementalität in China am Beispiel des „Leftover-Women“-Phänomens (chin. 剩女 Pīnyīn: shèngnǚ) ab und arbeitet seitdem als freischaffende Autorin, Übersetzerin, Herausgeberin und Kuratorin in Berlin.

2009 gründete Lea Schneider – gemeinsam mit anderen Lyrikerinnen – das Lyrikkollektiv G13, eine Gruppe von jungen Autorinnen, die in monatlichen Feedback-Treffen, vergleichbar einer Textwerkstatt, ihre Gedichte gemeinsam diskutieren und bearbeiten.[3][4][5] Seit 2010 arbeitet Schneider als Teil von G13 an Formaten des kollektiven Schreibens (z. B. das gemeinsam verfasste Langgedicht „das war absicht“[6]). Sie ist ebenfalls an den unterschiedlichen Bühnenprogrammen des Kollektivs beteiligt, in denen Möglichkeiten erkundet werden, Gedichte als Performance zu inszenieren.[3]

Schaffen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2010 begann Schneider, Gedichte, Essays und Übersetzungen in verschiedenen Literaturmagazinen und Anthologien zu veröffentlichen (u. a. Belletristik, Poet, Edit, akzente, Lyrik von Jetzt 3, Jahrbuch der Lyrik 2012 und 2017).[7] Sie arbeitet eng mit dem Verlagshaus Berlin zusammen, wo 2014 ihr Lyrikdebüt „Invasion rückwärts“ erschien. Im selben Jahr wurde Schneider mit dem Dresdner Lyrikpreis ausgezeichnet.[8]

2015 kuratierte Schneider einen Programmschwerpunkt zu chinesischer Gegenwartslyrik für das Poesiefestival Berlin; seitdem tritt sie verstärkt als Übersetzerin und Vermittlerin chinesischer Lyrik auf. Die von ihr herausgegebene Anthologie „CHINABOX. Neue Lyrik aus der Volksrepublik“ stieß 2016 auf ein Medienecho[9] und wurde von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung als „Lyrikempfehlung 2017“ ausgezeichnet.[10] Ebenfalls im Jahr 2016 wurde Schneider als Writer-in-Residence an das Goethe-Institut China in Nanjing eingeladen[11] und erhielt ein Stipendium des Deutschen Übersetzerfonds für ihre Arbeit an „CHINABOX“.[12]

Auch jenseits ihrer Arbeit mit G13 interessiert Schneider sich für kooperative Projekte und das Arbeiten an den Grenzen unterschiedlicher Kunstformen und Genres, z. B. mit dem E-Book „O0“, das sie 2016 gemeinsam mit dem Schriftsteller Tillmann Severin und dem Bildhauer Sebastian Severin publiziert hat.[13]

2018 wurde Schneider mit dem Postpoetry.NRW-Preis sowie mit dem Poetry East West Translation Award ausgezeichnet.[14][15] Ihre Gedichte wurden ins Englische, Chinesische, Russische, Französische, Slowenische und Tschechische übersetzt.[16]

Zitat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Lyrik ist selbstbestimmtes Sprechen, offenes Sprechen, suchendes Sprechen, verletzbares Sprechen, und als solche ist sie kein Luxus, sondern überlebensnotwendig.“

Lea Schneider: Scham. Verlagshaus Berlin, Berlin 2021, S. 23.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 40% Paradies. Gedichte des Lyrikkollektiv G13. Anthologie. Herausgegeben von Annette Kühn, Christian Lux. Luxbooks, Wiesbaden 2011, ISBN 978-3-939557-70-8.
  • das war absicht. (= Schöner Lesen 128). In Kooperation mit dem Lyrikkollektiv G13. Illustriert von Claudia Schramke und David Lyle. Sukultur, Berlin 2013, ISBN 978-3-95566018-5.
  • Invasion rückwärts. Gedichte. Illustriert von Andreas Chwatal. Verlagshaus Berlin, Berlin 2014, ISBN 978-3-940249-63-0.
  • O0. (= Edition Binaer). Zusammen mit Tillmann Severin. Gedichte zur Ausstellung von Sebastian Severin. Herausgegeben von Marcel Diel. Verlagshaus Berlin, Berlin 2016, e-book ISBN 978-3-945832-17-2.[18]
  • made in china. Gedichte. Illustriert von Yimeng Wu. Verlagshaus Berlin, Berlin 2020, ISBN 978-3-945832-38-7.

Essay[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Übersetzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • CHINABOX. Neue Lyrik aus der Volksrepublik. Verlagshaus Berlin, Berlin 2016, ISBN 978-3-945832-20-2.
  • Yan Jun. internationaler tag der reparatur. Gedichte in chinesisch u. deutsch. Illustriert von Yimeng Wu. Hochroth, Berlin 2016, ISBN 978-3-902871-90-9.
  • Zang Di: Gesellschaft für Flugversuche. Hanser, München 2019, ISBN 978-3-446-26393-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Lea Schneider - Autorenlexikon - Literaturport.de. Abgerufen am 2. Oktober 2018 (deutsch).
  2. Neue Wege in der Übersetzung moderner chinesischer Lyrik - sinonerds. In: sinonerds. 20. November 2016 (Online [abgerufen am 2. Oktober 2018]).
  3. a b Über G13. In: G13 | Lyrik. 4. November 2012 (Online [abgerufen am 2. Oktober 2018]).
  4. Malte Abraham: »Schutzraum ohne Betriebskeule«. In: junge Welt. 4. Juni 2013 (jungewelt.de [abgerufen am 2. Oktober 2018]).
  5. Astrid Kaminski: Schreibmethoden statt Metaphern | NZZ. In: Neue Zürcher Zeitung. 10. April 2013, ISSN 0376-6829 (Online [abgerufen am 2. Oktober 2018]).
  6. G13: das war absicht (SL 128) | SUKULTUR. In: SUKULTUR. (Online [abgerufen am 2. Oktober 2018]).
  7. Lea Schneider. Abgerufen am 2. Oktober 2018 (deutsch).
  8. a b Dresden: Lea Schneider gewinnt 10. Dresdner Lyrikpreis. Abgerufen am 2. Oktober 2018 (deutsch).
  9. Lea Schneider. Abgerufen am 2. Oktober 2018 (deutsch).
  10. a b Lea Schneider (Hg.): Chinabox. Abgerufen am 2. Oktober 2018.
  11. a b Stipendiaten - Goethe-Institut China. Abgerufen am 2. Oktober 2018.
  12. a b Deutscher Übersetzerfonds. Abgerufen am 2. Oktober 2018.
  13. O0 | Verlagshaus Berlin — Independent-Verlag für Lyrik und Illustration. Abgerufen am 2. Oktober 2018 (deutsch).
  14. a b Monika Littau: postpoetryNRW: Preistexte postpoetry.NRW in der Kategorie „Lyrikerinnen und Lyriker“ stehen fest. In: postpoetryNRW. 10. September 2018, abgerufen am 2. Oktober 2018.
  15. a b 诗东西 Poetry East West: 2018年诗东西奖揭晓. In: Poetry East West. 17. Dezember 2018, abgerufen am 14. Januar 2019 (englisch).
  16. [ziegen] (Lea Schneider). Abgerufen am 2. Oktober 2018.
  17. Annett Gröschner erhält den Großen Kunstpreis Berlin 2021. Abgerufen am 2. Juni 2022.
  18. Rezension im Buchreport: Lyrik im E-Book. Abgerufen am 3. Februar 2022.
  19. Fritz Göttler: Neue Essays über Lust und Scham. Abgerufen am 21. Januar 2022.