Lebende Brücke

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Mit 52 Metern die längste lebende Brücke weltweit (bei Rang­thylliang, östliche Khasi-Berge, nordost­indischer Bundesstaat Meghalaya, 1999)
Doppelstöckige Wurzelbrücke im regen­reichsten Gebiet der Welt (bei Nongriat, südliche Khasi-Berge, Meghalaya, 2011)

Eine lebende Brücke ist eine Brücke, die aus lebenden Pflanzen oder Pflanzenteilen als tragenden Elementen gebildet wird. Lebende Bauwerke werden erforscht von der Baubotanik, einem Teilgebiet des Bauwesens.[1] Lebende Brücken können entweder natürlichen oder künstlichen Ursprungs sein; das Brückenbaumaterial können Wurzeln, Ranken oder Lianen bilden. Ähnlich zu lebenden Zäunen (Hecken) ist das Material vor Verrottung sicher, solange es lebt. Beispiele für lebende Brücken finden sich unter anderem in Nordostindien und Japan.

Formen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der regenreichsten Region der Welt um den Ort Cherrapunji herum im nordostindischen Bundesstaat Meghalaya erbaut und pflegt ein Stamm des indigenen Volks der Khasi an geeigneten Stellen Brücken aus den Luftwurzeln des Gummibaumes (Ficus elastica). Weil die halbjährige Regenzeit von heftigen Stürmen begleitet wird und zudem häufiger Erdbeben vorkommen, eignen sich in den Khasi-Bergen nur flexible Bauwerke, um kleine Gebirsschluchten und Täler zu überqueren. Das viele Wasser lässt die Bergbäche und -flüsse zeitweise stark anschwellen. Die Khasi haben seit über 1000 Jahren Techniken entwickelt, um die Luftwurzeln von älteren Gummibäumen zu lenken und an ausgehöhlten Stämmen der Betelnusspalme entlang in Richtung der gegenüberliegenden Seite wachsen zu lassen. Wenn die Wurzeln ihren Zielort erreicht haben, werden die Trägerstämme entfernt und die Wurzeln verwachsen im Boden. Mit der Zeit führt weiteres Wurzelwachstum zum Aufbau einer haltbaren, widerstandsfähigen Brücke, die mit weiteren Holz-, Stein- und Erdmaterialien ergänzt und stabilisiert wird. Die Gummibäume wurden und werden vorausschauend an geeigneten Stellen gepflanzt und gepflegt. Eine lebende Brücke kann Jahrhunderte überdauern, sofern sie regelmäßig in Stand gehalten und nachgebessert wird.[2]

Auch aus den Wurzeln des Banyan-Baumes (Ficus benghalensis) werden Brücken konstruiert, beispielsweise die Umnnoi-Brücke beim Dorf Laitkynsew in Meghalaya.[3]

Tierwelt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wanderameisen bilden durch Aneinanderreihung und Verkettung ihrer Körper kurzzeitige Brücken zur Überwindung von Zwischenräumen wie Rinnsalen oder kleinen Bächen oder zwischen Steinen oder Ästchen.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Henry Yule: Notes on the Khasia Hills, and people. In: Journal of the Asiatic Society of Bengal. Band 14, Teil 2, Heft 152, Juli–Dezember 1844, S. 612–631 (englisch; beginnt mit Beschreibungen von Khasi-Wurzelbrücken; online auf biodiversitylibrary.org).
  • Wildlife Institute of India (WII): The Meghalaya State Biodiversity Strategy and Action Plan (Draft). Ministry of Environment Forest and Climate Change, Government of India, Version vom 6. März 2017, S. 99–101: 3.8: Living Root Bridges of Meghalaya (englisch; Biodiversitätsplan; PDF: 15,4 MB, 350 Seiten, teils ohne Seitenzahlen auf megbiodiversity.nic.in).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Lebende Brücke (living bridges) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ferdinand Ludwig: Lebende Bauten. In: ar.tum.de. Forschungsgebiet Baubotanik, Universität Stuttgart, ohne Datum, abgerufen am 26. Juli 2020.
  2. Fotoserie: Living Root Bridges. In: rootbridges.blogspot.com. 22. Juli 2020, abgerufen am 26. Juli 2020 (englisch).
  3. Info: Living Root Bridges. In: India9.com. 21. Oktober 2005, abgerufen am 26. Juli 2020 (englisch).
  4. Beate Ettrich (Foto): Ameisenbrücke. In: Ettrich.at. Ohne Datum, abgerufen am 26. Juli 2020.