Lende

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Die Lende (von althochdeutsch lentī „Niere“), oft im Plural (die Lenden) gebraucht oder gleichbedeutend als Lendengegend oder Lendenbereich (lat. Regio lumbalis) bezeichnet,[1][2] ist eine Körperregion bei Menschen und Säugetieren. Die Lage dieser Körperregion ist anatomisch nicht eindeutig definiert.

Anatomie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wörterbuch der deutschen Sprache von 1809 bezeichnet als Lende den Teil des Körpers direkt „hinter und unter dem Hüftknochen“, nämlich Hüfte und Oberschenkel.[3] In Pierers Konversationslexikon von 1877 dagegen sind die Lenden die „weichen Seitenteile des Unterleibs“.[4] Im Wörterbuch der deutschen Sprache von 1876 reicht die Lende von der „Nierengegend“ am Rumpf über das Becken bis zu den Oberschenkeln und ist „Sitz der Zeugungskraft“.[5] Im Grimmschen Wörterbuch wird die Lende ca. 1880 nur noch als „die Nierengegend an Menschen und Säugetieren“ definiert, also weit oberhalb des Beckens.[6] Meyers Enzyklopädisches Lexikon von 1975 und der Brockhaus von 2006 nennen die Lende dagegen den „untersten Teil des Rückens beiderseits der Lendenwirbelsäule“.[1][7] Der aktuelle Duden (2017) schreibt allgemeiner die „Körpergegend über Hüfte und Gesäßhälfte“ und zählt in gehobener Sprache auch die „Leisten und Geschlechtsteile“ dazu.[8]

Das medizinische Wörterbuch Pschyrembel definiert die Lenden als „Abschnitt der seitlichen Bauchwand“ zwischen den unteren Rippen, dem oberen Beckenrand (Darmbeinkamm) und der Lendenwirbelsäule.[9] Das Anatomie-Lehrbuch Prometheus unterscheidet entsprechend eine rechte und linke Lendenregion am Bauch.[10] Dagegen ist die Lendengegend nach dem Springer Lexikon Medizin die „untere, seitliche Rückenregion“,[2][11] und im Roche Lexikon Medizin ist die Lende der „untere Rückenteil“ zwischen Rippen und Becken.[12] Nur die zuletzt zitierte Definition schließt die Lendenwirbelsäule und die namensgebenden Nieren als Teil der Lendenregion ein.

Auch welche Muskeln der Lendenregion angehören, bleibt unbestimmt. Namentlich zählen dazu Musculus psoas major („großer Lendenmuskel“), Musculus psoas minor („kleiner Lendenmuskel“) und Musculus quadratus lumborum („quadratischer Lendenmuskel“).[4] Diese bauchwärts der Lendenwirbelsäule gelegenen Skelettmuskeln werden durch die Vorderäste der Spinalnerven des Lendenabschnitts des Rückenmarks innerviert, die Haut der Lendenregion von den Hinterästen derselben Nerven. Die Blutversorgung erfolgt durch die Lendenarterien (Arteriae lumbales), die segmental aus der Aorta entspringen. Der Lymphabfluss erfolgt über die Lendenlymphknoten.

Lende als Lebensmittel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Psoasmuskeln von Schwein, Rind und anderen Schlachttieren sind besonders zart und werden als Filet bezeichnet.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Salomon, Geyer, Gille (Hrsg.): Anatomie für die Tiermedizin. 2. Auflage. Verlag Enke, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-8304-1075-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Lende – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Meyers Enzyklopädisches Lexikon. 9. Auflage. Band 14. Bibliographisches Institut, Mannheim, Wien, Zürich 1975, S. 807.
  2. a b Peter Reuter (Hrsg.): Springer Lexikon Medizin. 1. Auflage. Springer, 2004, ISBN 978-3-540-20412-1, S. 1231.
  3. Johann Heinrich Campe: Wörterbuch der deutschen Sprache. 1809.
  4. a b Pierers Universal-Conversations-Lexikon. 6. Auflage. Band 12. Oberhausen und Leipzig 1877, S. 169.
  5. Daniel Sanders: Wörterbuch der deutschen Sprache. 1876.
  6. Wörterbuchnetz - Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm. Abgerufen am 26. November 2017.
  7. Brockhaus Enzyklopädie. 21. Auflage. Band 16. F. A. Brockhaus, Leipzig, Mannheim 2006, ISBN 3-7653-4143-6, S. 594.
  8. Duden | Lende | Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Herkunft. Abgerufen am 26. November 2017.
  9. Pschyrembel (Hrsg.): Klinisches Wörterbuch. 266. Auflage. 2014.
  10. Michael Schünke, Erik Schulte, Udo Schumacher: Prometheus. Allgemeine Anatomie und Bewegungssystem. 4. Auflage. Band 1. Thieme, 2014, ISBN 978-3-13-139524-5.
  11. Christoff Zalpour (Hrsg.): Lexikon Physiotherapie. 2. Auflage. Springer, 2014, ISBN 978-3-642-38913-9.
  12. Dagmar Reiche (Hrsg.): Roche Lexikon Medizin. 5. Auflage. Urban & Fischer, 2003, ISBN 978-3-437-15180-4, S. 1133.