Schweinefleisch

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Rohes Nackenstück mit Knochen vom Schwein
Verkauf von Schweinefleisch in Hongkong

Schweinefleisch ist ein Sammelbegriff für die zum Verzehr geeigneten Teile des Hausschweins. In Europa und Ostasien ist Schweinefleisch die am häufigsten gegessene Fleischart.

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Hausschwein ist eines der am längsten domestizierten Haustiere in der menschlichen Zivilisationsgeschichte und wird nahezu ausschließlich zur Fleischerzeugung gehalten. Als Allesfresser diente es früher auch zur Verwertung von Küchenabfällen, dies ist heute in vielen Ländern aus Gründen der Hygiene untersagt. In ländlichen Gegenden werden teilweise noch heute Schweine außerhalb von Bauernhöfen gehalten, durch Restriktionen bei der Hausschlachtung sind dies aber Ausnahmen. Heutzutage stammt etwa die Hälfte des weltweit produzierten Schweinefleischs aus intensiver Tierhaltung.

Wirtschaftliche Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die größten Produzenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2017 wurden laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO weltweit etwa 120 Mio. t Schweinefleisch produziert.

Folgende Tabelle gibt eine Übersicht über die zwanzig größten Produzenten von Schweinefleisch weltweit, die insgesamt 88,9 % der Menge produzierten.

Größte Schweinefleischproduzenten (2017)[1]
Rang Land Menge
(in t)
  Rang Land Menge
(in t)
1 China VolksrepublikVolksrepublik China Volksrepublik China 54.518.000 11 PhilippinenPhilippinen Philippinen 1.837.273
2 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 11.611.177 12 DanemarkDänemark Dänemark 1.532.387
3 DeutschlandDeutschland Deutschland 5.505.572 13 ItalienItalien Italien 1.466.949
4 SpanienSpanien Spanien 4.298.893 14 NiederlandeNiederlande Niederlande 1.455.677
5 BrasilienBrasilien Brasilien 3.824.682 15 MexikoMexiko Mexiko 1.441.851
6 VietnamVietnam Vietnam 3.733.349 16 Korea SudSüdkorea Südkorea 1.280.000
7 RusslandRussland Russland 3.529.610 17 JapanJapan Japan 1.272.257
8 KanadaKanada Kanada 2.141.807 18 BelgienBelgien Belgien 1.044.561
9 FrankreichFrankreich Frankreich 2.136.276 19 MyanmarMyanmar Myanmar 960.555
10 PolenPolen Polen 2.047.800 20 ThailandThailand Thailand 902.330
Welt 119.886.755

Handel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschland hatte im Jahr 2016 einen Exportüberschuss von 229.364 Tonnen Schweinefleisch. (Die Einfuhr von Schweinefleisch lag bei 808.295 Tonnen, die Ausfuhr lag bei 1.037.659 Tonnen Fleisch.)[2] Es wurden 15.542.605 lebende Schweine zur Mast nach Deutschland importiert und 2.464.606 Tiere exportiert.[3]

Während die Deutschen 2015 knapp fünf Prozent weniger in EU-Länder exportierten, wuchs der Export nach China im Vergleich zum Vorjahr um 17 Prozent auf 379.000 Tonnen. Mit 13,3 Prozent des deutschen Schweinefleisch-Exports und rund 386.000 Tonnen war Italien 2015 der Hauptabnehmer.[4]

Die EU-Exporte beliefen sich in den ersten acht Monaten 2018 auf rund 2,4 Millionen Tonnen. Die Exporte nach China und Südkorea nehmen laufend zu. China ist der wichtigste Abnehmer der EU.[5] 2017 exportierte die die Schweiz 2.228 Tonnen Schweinefleisch, 18.902 Tonnen Schlachtnebenprodukte und 44 Tonnen Fleischzubereitungen.[6] Auch die Schweiz will künftig Schweinefüße, -ohren, schwänze und -schnauzen nach China liefern. Als Grundlage dient das Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und China.[7] Swiss Nutrivalor, eine Tochterfirma von Centravo, hat 2019 die Bewilligung für den Export von Produkten aus Schweinefleisch nach China erhalten.[8]

Verzehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Folgende Tabelle gibt eine Übersicht über die zehn größten Konsumenten von Schweinefleisch weltweit (in kg/Kopf/Jahr).

Größte Schweinefleischkonsumenten (2013)[9]
Rang Land kg/Kopf/Jahr
1 MacauMacau Macau 71,48
2 HongkongHongkong Hongkong 67,11
3 MontenegroMontenegro Montenegro 53,04
4 OsterreichÖsterreich Österreich 52,56
5 DeutschlandDeutschland Deutschland 51,81
6 SpanienSpanien Spanien 48,92
7 PolenPolen Polen 46,19
8 LitauenLitauen Litauen 45,67
9 LuxemburgLuxemburg Luxemburg 43,58
10 KroatienKroatien Kroatien 42,79
Durchschnitt Welt 15,20

In den Jahren 1998 bis 2013 bewegte sich der weltweite Schweinefleischverzehr auf einem relativ konstanten Niveau von 15 Kilogramm pro Kopf und Jahr. 1961 lag er noch bei 8 kg. Den höchsten Schweinefleischverzehr pro Kopf der EU-Länder 2013 hatte Österreich mit 52,56 Kilogramm pro Kopf.[9]

Beim weltweiten Verzehr 2013 führte mit Abstand China (Durchschnitt von Macau, Hongkong, Taiwan und Festland), gefolgt von Europa und Nordamerika.[9]

2018 lag der Konsum von Schweinefleisch in der Schweiz bei 21,6 Kilogramm pro Kopf.[10]

Inhaltsstoffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Risiko[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verzehr von nicht oder unvollständig gegartem Schweinefleisch birgt das Risiko einer Infektion mit dem Hepatitis-E-Virus. Die Erkrankung an Hepatitis E verläuft in Europa gewöhnlich symptomlos, kann jedoch auch ernste Symptome zeigen. Mit dem dort verbreiteten Genotyp 3 ist etwa jeder sechste Europäer bereits infiziert worden. Immungeschwächten Menschen rät das Robert Koch Institut vom Verzehr roher, kurzgereifter und luftgetrockneter Haus- und Wildschweinerzeugnisse wie Mett und kurzgereifter Rohwürste (z. B. frische Mettwurst) sowie nicht mindestens auf 70 °C erhitzten Haus- und Wildschweinfleisches ab.[11][12] Die in südlichen Ländern verbreiteten Genotypen 1 und 2 werden überwiegend mittels fäkaler Verunreinigungen beim Essen und Trinken aufgenommen.[12]

Religiöse Schweinefleischverbote[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sowohl im jüdischen als auch im islamischen Speisegesetz ist der Verzehr von Schweinefleisch verboten. Außerdem wird Schweinefleisch von den Sieben-Tags-Adventisten, Rastafaris und Mitgliedern der Äthiopisch-Orthodoxen Tewahedo-Kirche gemieden.

Gesellschaftliche Debatte um das Angebot von Ersatzgerichten in öffentlichen Kantinen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dänemark: Im Januar 2016 entfachte der Stadtrat der dänischen Stadt Randers einen „Frikadellen-Krieg“. Es wurde beschlossen, dass in den öffentlichen Kantinen auch Schweinefleisch angeboten werden muss.
  • Deutschland: Der CDU-Fraktionschef in Schleswig-Holstein, Daniel Günther, stellte einen Antrag gegen ein Schweinefleischverbot, da immer mehr Kantinen, Kitas und Schulen Schweinefleisch aus ihrem Angebot nehmen würden, um auf muslimische Gebräuche Rücksicht zu nehmen. Integration funktioniere nicht, wenn sich die Mehrheit im vorauseilendem Gehorsam einer Minderheit anpasse. Eine „Schweinefleischpflicht“ plane die CDU nicht. Seitens der Betreiber werden vor allem praktische Argumente angeführt: Nur für einen Teil der Kinder schweinefleischfrei zu kochen, sei zu kompliziert.
  • Frankreich: In den Schulmensen in Frankreich gibt es seit über 30 Jahren sogenannte Ersatzgerichte, wenn Schweinefleisch im Tagesgericht enthalten ist. 2016 bemühten sich einige Bürgermeister darum, diese Ersatzgerichte für Muslime und Juden zu verbannen, insofern dies nicht religionsneutral sei. Ex-Präsident Nicolas Sarkozy unterstützt dies: Das verfassungsrechtlich verankerte „Prinzip der Laizität“ verbiete eine Aufteilung der Schulmenüs nach Religion.[13]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schweinefleisch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
WiktionaryWiktionary: Schweinefleisch – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Livestock primary > Meat, pig. In: Offizielle Produktionsstatistik der FAO für 2017. fao.org, abgerufen am 15. April 2019 (englisch).
  2. Trade > Crops and livestock products > Meat, pig. In: Offizielle Handelsstatistik der FAO für 2016. fao.org, abgerufen am 15. April 2019 (englisch).
  3. Trade > Live animals > Pigs. In: Offizielle Handelsstatistik der FAO für 2016. fao.org, abgerufen am 15. April 2019 (englisch).
  4. Die Top 8 Export-Länder für deutsches Schweinefleisch. Artikel vom 5. April 2016 im Portal agrarheute, abgerufen am 11. Februar 2017
  5. Christian Brüggemann: Deutschland bleibt EU-weit der größte Schweinefleischexporteur. In: topagrar.com. 7. November 2018, abgerufen am 7. November 2018.
  6. Agrarbericht 2018 - Fleisch und Eier. In: agrarbericht.ch. Abgerufen am 24. Juni 2019.
  7. Philipp Felber-Eisele: Schweineohren und -füsse für Chinesen. In: tagesanzeiger.ch. 14. Juni 2019, abgerufen am 24. Juni 2019.
  8. Grünes Licht für Export - Schweizer Schweinefüsse für China. In: srf.ch. 14. Juni 2019, abgerufen am 24. Juni 2019.
  9. a b c Food Supply – Livestock and Fish Primary Equivalent > Crops and livestock products > Pigmeat. In: Offizielle Verzehrsstatistik der FAO für 2013. fao.org, abgerufen am 15. April 2019 (englisch).
  10. Der Schweizer Schweinemarkt 2018. (PDF; 16.4 MB) In: blw.admin.ch. 24. Juni 2019, abgerufen am 20. Oktober 2019.
  11. Fragen und Antworten zur Übertragung des Hepatitis E- Virus durch Wild- und Hausschweine und daraus gewonnene Lebensmittel - BfR. Abgerufen am 24. Oktober 2018.
  12. a b RKI - RKI-Ratgeber - Hepatitis E. Abgerufen am 24. Oktober 2018.
  13. Aus Rücksicht auf Muslime verzichten immer mehr Schulen und Kitas auf Schweinefleisch – das sorgt jetzt für Streit