Leonhard Stöckel

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Leonhard Stöckel (* um 1510 in Bartfeld / Königreich Ungarn, heute: Bardejov / Slowakei; † 7. Juni 1560 in Bardejov) war ein deutscher Dramatiker, Pädagoge und Reformator.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sohn eines Grobschmiedes, besuchte zunächst die Schule seiner Heimatstadt, bevor er sich in Kaschau und Breslau auf ein Studium vorbereitete. Ab dem Wintersemester 1531 besuchte er die Universität Wittenberg, wo er unter anderem Philipp Melanchthon und Martin Luther kennenlernte. Im Anschluss an sein Studium kehrte er in seine Heimatstadt zurück und wurde 1539 Rektor des Gymnasiums seiner Heimatstadt. In dieser Funktion entwickelte sich der ausgezeichnete Pädagoge zu einem fruchtbaren Schriftsteller und einflussreichen Ratgeber bei kirchlichen Versammlungen. Schon im Folgejahr setzte er für die Schule das erste Regelwerk auf: „Die Gesetze der Bardejover Schule“. Das unter dem Titel „Leges scholae Bartfensis“ erschienene Werk ist das älteste seiner Art in der Slowakei. Stöckel wurde als Erneuerer des Schulwesens „Praeceptor Hungariae“ genannt.

Zudem ist er auch als Dramatiker mit der 1553 veröffentlichten Aufführung des Terenzischcn Eunuchus in lateinischer Sprache bekannt geworden. Diesem Werk schlossen sich das deutsche Spiel von Kain und Abel, eine Comedia incontinentis et per legem Mösts damnati filii, außerdem für 1555 und 1558 ein Josephsdrama, 1556 eine germanica comoedia viduc und 1559 eine Susanna in deutscher Sprache unter dem Titel „Historia von Susanna in Tragedien weise gestellet“ (erschienen in Wittenberg 1559) an. Durch ein beigefügtes Epigramm wird Susanna als von Papst und Türken bedrohte Kirche gedeutet. Das Drama erhielt sich in einer Prosaversion, als Volksschauspiel bis ins 19. Jahrhundert.

1546 bekannten sich die oberungarischen königlichen Freistädte Bartfeld (Bardejov), Eperies (Prešov), Kaschau (Košice), Zeben (Sabinov), Leutschau (Levoča) zur von Wittenberg ausgehenden Reformation und bildeten ein eigenes, für die Ordination zuständiges Dekanat.

Im Rahmen dieser Ausformung der evangelischen Kirche in Oberungarn, wurde Stöckel beauftragt, die Confessio Pentapolitana, das ungarische evangelische Glaubensbekenntnis auszuarbeiten, das sich an der Confessio Augustana und an der Apologie der Confessio Augustana anlehnt. Jenes ungarische evangelische Glaubensbekenntnis der Freistädte diente den anderen, mehrheitlich von Deutschen bewohnten oberungarischen Städten als Vorbild.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ignatius Aurelius Fessler: Die Geschichten der Ungern und ihrer Landsassen. 1824 S. 451.
  • Constantin von Wurzbach: Stöckl, Leonhard. In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. 39. Theil. Kaiserlich-königliche Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1879, S. 97 (Digitalisat).
  • Johannes Bolte: Leonhard Stöckel. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 36, Duncker & Humblot, Leipzig 1893, S. 282 f.
  • Andrej Haiduk: Philipp Melanchthon und Leonhard Stöckel. In: Communio Viatorum. 20, 1977, S. 171–180.
  • Karl Schwarz: Leonhard Stöckel und das reformatorische Schulwesen in der Slowakei. in: „Brocken“. Germanistisches Jahrbuch Tschechien-Slowakei NF 3 (1995). S. 279–298.
  • Max Josef Suda: Der Melanchthon-Schüler Leonhard Stockel und die Reformation in der Slowakei. In: Karl Schwarz/ Peter Svorc (Hrsg.): Die Reformation und ihre Wirkungsgeschichte in der Slowakei. In: Kirchen- und konfessionsgeschichtliche Beiträge. Wien 1996. S. 50–66.
  • Ludovit Petrasko: Mit der Weisheit der Minerva ausgerüstet. Leonhard Stöckel – ein Schüler Melanchthons in Bartfeld. In: Germanoslavica – Zeitschrift für slawische Studien. 16. 2005, No. 1 S. 69–80.
  • Karl Schwarz: „Lumen et Reformator Ecclesiarum Superioris Hungariae“. Der Melanchthonschüler Leonhard Stöckel (1510–1560) (PDF; 186 kB) – ein Schul- und Kirchenreformer im Karpatenraum (Vortrag auf der Konferenz „Melanchthon – Praeceptor Europae“, Erlangen 16.-18. April 2010). In: „Bildung evangelisch in Europa“ (beE), Erlangen 2010, S. 52–69.
  • WHO IS WHO der Wittenberger Schlosskirche, (Evangelische Wittenbergstiftung), Wittenberg 2016, ISBN 978-3-00-053952-7 (S. 118–119)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]