Liebfrauenkirche (Püttlingen)

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Die Liebfrauenkirche in Püttlingen
Westfassade
Blick ins Innere der Kirche
Blick in den Altarraum
Querhaus

Die Liebfrauenkirche ist eine katholische Pfarrkirche in der saarländischen Stadt Püttlingen, Regionalverband Saarbrücken, die das Patrozinium Mariä Aufnahme in den Himmel trägt[1][2]. In der Denkmalliste des Saarlandes ist die Kirche als Einzeldenkmal aufgeführt[3].

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bau der Kirche erfolgte in den Jahren 1888 bis 1890 nach Plänen des Architekten Reinhold Wirtz (Trier) im Stil der Neugotik. Für die Ausführung zeichnete Bauunternehmer Johann Weber (Püttlingen) verantwortlich[1]. Es entstand eine dreischiffige Basilika ohne Querhaus mit eintürmiger Westfassade, eingezogenem Chor, Sakristei und Messdienerkammer[4]. An Allerheiligen 1890 fand in der Kirche der erste Gottesdienst statt, die Konsekration erfolgte am 4. Juni 1891[2].

Im Jahr 1928 erfolgte ein erster Umbau nach Plänen der Architekten Ludwig Becker und Anton Falkowski (Mainz). In den Jahren 1931 bis 1938, 1942 und 1948/1949 wurde das Gotteshaus Restaurierungen unterzogen. Bei letzterer hatte Baumeister Braesch (Bauamt der Gemeinde Püttlingen) die Bauleitung[1].

1953/1954 kam es unter der Leitung der Kirchenbaumeister Dominikus und Gottfried Böhm (Köln) zu umfangreichen Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen, die die grundlegende Veränderung des Kirchengebäudes zur Folge hatten. Durch den Abriss des Chores mit seinen Nebenräumen entstand ein Langhausrumpf, an den im rechten Winkel ein von 44 Rundfenstern belichteter Rechteckbau als Querhaus mit anschließender gerader Ostapsis im neugotischen Baustil angefügt wurde. Die Kirche hatte somit nicht mehr den Charakter eines Longitudinalbaus, sondern nahm die Form eines Antoniuskreuz an[4]. Die örtliche Bauleitung übernahmen die Ingenieure und Pfarrmitglieder Ludwig Meyer, Engelbert Bläs, Helmut Heisel und Josef Müller, die alle ehrenamtlich tätig waren[1].

1967/1968 erfolgte eine weitere Erweiterungs- und Umbaumaßnahme, der von 1978 bis 1990 die Restaurierung und Umbau des Altarraumes durch Architekt Gottfried Böhm (Köln) folgte. Die örtliche Bauleitung hatten die Architekten Krüger und Rieger (Saarbrücken), die 1989 von Dipl.-Ing. Franz-Josef Warken (Riegelsberg) abgelöst wurden[1].

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der Ausgestaltung der Kirche war eine Vielzahl von Künstlern beteiligt. So zeichnete der Kunst- und Dekorationsmaler August Adolf Potthast (Wiesbaden) 1897 für die Ausmalung der Kirche in gotischem Stil verantwortlich, der in den Jahren 1931 bis 1938 im Zuge von Restaurierungsarbeiten eine Ausmalung durch den Kirchenmaler Hermann Richard Humpert (Morbach/Hunsrück) folgte[1].

Die Terrakotta-Figuren der alten neugotischen Kirche sind Werke des Bildhauers Alex Schmidt (Terrakottafabrik Merzig von Villeroy & Boch) aus dem Jahr 1894 und bestehen aus einer Madonna im Tympanon des Hauptportals und Kreuzweg-Reliefs in den Seitenschiffen, die sich erst wieder seit den Restaurierungsmaßnahmen der Jahre 1978 bis 1990 wieder an den ursprünglichen Plätzen befinden. Weitere Werke Schmidts sind acht Heiligenfiguren im Mittelschiff des alten Kirchenbaus und auf beiden Seiten der Eingänge des in den 1950er Jahren errichteten Querbaus, die Marien- und Johannesstatuen an der Innenwand des Turmes, sowie zwei Figuren der Kirchenlehrer Ambrosius und Augustinus auf beiden Seiten des Triumphbogens. Die Figuren wurden von 1978 bis 1990 durch den Kunstmaler und Restaurator Nikolaus P. Schmitt (Perl-Besch) einer Restaurierung unterzogen[1].

Goldschmied und Bildhauer Klaus Balke (Köln) schuf von 1983 bis 1987 das Tabernakelretabel im Altarraum, bestehend aus einer stählernen Gefacharchitektur mit 67 Terrakotta-Figuren, den Ambo in Form einer aufgerichteten Korngarbe, Terrakotta-Osterleuchter in Form einer Säule, zwölf Apostelleuchter samt Ummalung, vier bronzene Wandleuchter an den Rundpfeilern des Altarraumes, sowie das Deckengemälde einer kosmischen Christusdarstellung über dem Altar[1].

Das Vortragekreuz stammt aus den Kunstwerkstätten des Klosters Maria Laach. Die Sedilien sind ein Werk des Bildhauer Theo Heiermann (Köln). Von Glasmaler H. Lohbeck stammen die Entwürfe der Fenster des Langhauses und der Turmfenster, die von der Firma Kaschenbach (Trier) ausgeführt wurden. Architekt Dominikus Böhm (Köln) entwarf die 44 Rundfenster des Querhauses und die beiden Fenster der Ostapsis, die von der Firma Göttker (Ensdorf) ausgeführt wurden. Altar und Taufbecken kommen von der Firma Albert Niederer (Völklingen). Die Firma Glaskunst Binsfeld (Trier) fertigte die beiden Seitenfenster des dritten Gewölbefeldes. Klaus Apel von der Werkstatt für Künstlerische Gestaltung (Trier-Kernscheid) schuf den Taufsteindeckel und das große Metallkreuz in der Ostlaibung zum Hauptschiff vor großem Turmfenster. Von der Firma Arnold Mrziglod (Tholey) stammt die Ausmalung der Kirche im Zuge der Umbauarbeiten der Jahre 1967/68. Die Flügelmonstranz von 1955 bis 1960 ist ein Werk aus einer Saarbrücker Goldschmiede[1].

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orgel der Kirche wurde 1954 von der französischen Orgelbaufirma Haerpfer & Erman (Boulay) unter Verwendung einiger Teile der Vorgängerorgel der Firma Klais (Bonn) erbaut. Die Klais-Orgel wurde im Jahr 1902 als Opus 220 erbaut und verfügte über 21 Register, verteilt auf 2 Manuale und Pedal. Im Jahr 1995 führte die Firma Hugo Mayer (Heusweiler) eine Renovierung der Orgel durch und baute einen neuen Spieltisch ein.[5]

Die heutige Haerpfer & Erman-Orgel verfügt über 45 Register, verteilt auf 3 Manuale und Pedal. Das Kegelladen-Instrument ist im Chorraum hinter dem Hochaltar aufgestellt. Die Spiel- und Registertraktur ist elektropneumatisch. Die Disposition lautet wie folgt:[5]

I Hauptwerk C–g3

1. Gedackt 16′
2. Prinzipal 8′
3. Flöte 8′
4. Oktave 4′
5. Rohrflöte 4′
6. Quinte 223
7. Superoktave 2′
8. Mixtur IV–VI
9. Zimbel III
10. Cornett V
11. Trompete 8′
12. Clairon 4′
II Positiv C–g3
13. Koppelflöte 8′
14. Prinzipal 4′
15. Offenflöte 2′
16. Terzian II
17. Zimbel IV
18. Krummhorn 8′
III Schwellwerk C–g3
19. Singenprinzipal 8′
20. Nachthorn 8′
21. Salicional 8′
22. Schwebung 8′
23. Blockflöte 4′
24. Prinzipal 4′
25. Nasat 223
26. Prinzipal 2′
27. Waldflöte 2′
28. Terz 135
29. Oktävlein 1′
30. Mixtur IV–V
31. Scharf IV
32. Fagott 16′
33. Trompete 8′
34. Clarine 4′
Pedal C–f1
35. Prinzipalbass 16′
36. Subbass 16′
37. Quintbass 1023
38. Oktavbass 8′
39. Gedecktbass 8′
40. Choralbass 4′
41. Bassflöte 4′
42. Nachthorn 2′
43. Hintersatz IV
44. Posaune 16′
45. Trompete 8′
  • Koppeln: II/I, III/I, III/II, I/P, II/P, III/P
  • Spielhilfen: Diverse Sub- und Superoktavkoppeln, Setzer

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Marschall, Kristine: Sakralbauwerke des Klassizismus und des Historismus im Saarland. Institut für Landeskunde im Saarland, Saarbrücken 2002, ISBN 978-3-923877-40-9, S. 666.
  • Scherer, Norbert M.: Liebfrauenkirche Püttlingen. Baugeschichte und Architektur. Hrsg.: Pfarrgemeinde anlässlich des 100. Kirchenjubiliäums 1990. Püttlingen 1990.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Liebfrauenkirche (Püttlingen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i Informationen zur Liebfrauenkirche Auf: www.kunstlexikonsaar.de, abgerufen am 19. Oktober 2012
  2. a b Pfarrkirche Liebfrauen Auf: www.pfarreiengemeinschaft-puettlingen.de, aufgerufen am 19. Oktober 2012
  3. Denkmalliste des Saarlandes, Teildenkmalliste Regionalverband Saarbrücken (PDF; 10,2 MB), abgerufen am 19. Oktober 2012
  4. a b Die Liebfrauenkirche Auf: www.puettlingen.de, abgerufen am 19. Oktober 2012
  5. a b Die Orgel der Liebfrauenkirche Püttlingen Auf: www.organindex.de, abgerufen am 26. Mai 2014


Koordinaten: 49° 17′ 12,3″ N, 6° 53′ 20,8″ O