Gefach

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Gefach mit Astgeflecht und Natursteinfüllung; der aufgetragene Verputz ist nur noch in Teilen erhalten.

Ein Gefach ist Teil einer Wand eines Fachwerkhauses und bezeichnet den Raum zwischen den Holzbalken. Im ausgefüllten Zustand wird das Gefach, beziehungsweise sein Inhalt, auch als Ausfachung bezeichnet.

Baumaterialien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Übliche Baumaterialien für die Ausfachung von Fachwerk sind Backsteine, Lehmsteine oder mit Lehm verstrichenes Astgeflecht bzw. Staken, die sogenannten ‚Lehmstaken‘; seltener kommen Bruchsteine zum Einsatz. Man nennt das Ausfüllen der Gefache auch Klaiben. Regional begrenzt wurden in der Bönninghardt am Niederrhein aus Armut Grassoden dafür verwendet.

Der technische Vorteil des Lehm-Holz-Verbundes – und in geringerem Maße auch der (ungebrannten) Lehmziegel – ist, dass sie sich den Verformungen der Holzkonstruktion, dem ‚Arbeiten‘, viel besser anpassen. Aus diesem Grund ist diese Methode, obwohl Lehm schon im Mittelalter den Ruf eines ärmlichen Baumaterials hatte, bis in das letzte Jahrhundert üblich gewesen, und wird auch bei modernen Renovierungen wieder angewandt. Hierbei kommen hochwertige Thermolehme zum Einsatz.

Backsteine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ziegelausfachung links: alt, rechts: erneuert

Backsteinausfachungen werden in der Regel als Sichtmauerwerk ausgeführt. In einigen Regionen wird die Ausfachung zusätzlich noch mit einem Kalkputz versehen.

Die Backsteine werden mit Lehm- oder Kalkmörtel vermauert und mit Kalkmörtel verfugt. Lehm hat durch die feuchtigkeitsregulierende Wirkung hierbei einen konservierenden Einfluss auf das Holz des Fachwerks. Die Endfeuchtigkeit von Lehm ist geringer als die von Holz, somit sorgt der Lehm dafür, dass das Holz trocken bleibt und nicht faulen kann. Zudem lassen sich bei Renovierungsarbeiten die Steine sehr einfach von Mörtelresten reinigen und wiederverwenden.

Zur Stabilisierung werden Kerben in die Ständer der Fachwerkwand geschlagen, damit es zwischen Mörtel und Holz zu einer formschlüssigen Verbindung kommt. Alternativ werden bei Renovierung alter Fachwerkgebäude auch Dreiecksleisten an die Ständer aufgenagelt oder in Fugenhöhe verzinkte Nägel in die Ständer geschlagen.

Lehmsteine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausfachungen mit Lehmsteinen findet man am häufigsten bei Innenwänden und Wirtschafts- oder Gesindegebäuden. Darüber kommt ein Lehm- oder Kalkputz. Wie bei der Backsteinausfachung werden die Holzständer eingekerbt.

Lehmstaken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lehmausfachung oben mit Lehmsteinen und unten mit Staken

Die Lehmstake ist ein längliches Stück gespaltenes Holz von unterschiedlichem Querschnitt. Es wird senkrecht zwischen die horizontalen Fachwerkbalken geklemmt. Diese werden daher als Fachholz bezeichnet.

Um die Lehmstaken zu verankern, werden kleine Löcher in die Unterseite des oberen Balkens, des Riegels, und eine Nut in die Oberseite des unteren Balkens, z.B. einer Schwelle, geschlagen – oder auch eine Nut auf Ober- und Unterseite der Balken angebracht. Das dazu verwendete Werkzeug ist die Dexel.

Die Staken werden dann mit Strohlehm mehrschichtig beworfen (Lehmbewurf) und anschließend verputzt. In einigen Regionen werden die Staken vor dem Bewurf noch mit einem Flechtwerk aus Weiden- oder Haselzweigen umschlungen, Fachgerten genannt.

Putz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lehmputz mit Kalkanstrich

Um im Außenbereich Schäden am Fachwerk zu vermeiden, ist beim Verputzen zu beachten, dass der Putz bündig mit dem Holz abschließt oder geringfügig zurückspringt. Als Putz sollten nur diffusionsoffene Materialien verarbeitet werden. Putze aus hochhydraulischem Kalk oder sogar Zement können das Fachwerk schädigen.

Bei der Verwendung von Lehm als Außenputz muss dieser zusätzlich gegen Verwitterung geschützt werden. Hierzu eignet sich ein Anstrich aus 1 Teil Sumpfkalk, 1/4 Speisequark und 1/8 Leinöl. Dieser Anstrich wird nach dem Trocknen reinweiß und schützt den Lehm viele Jahre.

Bei der Sanierung alter Fachwerkbauten wird von einigen Handwerkern die äußerste Putzschicht der Gefache mit Spezialputzen versehen. Diese enthalten neben Kalksteinmehl noch Zuschläge von gemahlenen Ziegeln, Sand und wenig Zement. Das Gemisch ist ein weicher Putz, der sich bei Temperaturschwankungen wie der darunter befindliche Lehm verhalten soll.

Historische Putze und Farben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwar befasste sich bereits Jakob Ignaz Hittorff zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit der Vielfarbigkeit historischer Gebäude, doch wird sie in der Denkmalpflege erst in jüngerer Zeit systematisch untersucht. Zu den Farben des Gefachs zählen zum Beispiel Rot und grau-grüner Ocker. Die Balken wurden unter anderem rot, gelb, grau oder schwarz gefasst. Oftmals liegen verschiedene Farbschichten übereinander.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Josef Maier: Vorgegebenes Rissesystem? Baupraktische Beispiele: Farbe und Fachwerk. In: Der Maler und Lackierermeister. Nr. 3, 2001 (online)
  • Johannes Cramer: Zur Untersuchung und Restaurierung farbig gefaßter Landsitze des 16. und 17. Jahrhunderts in Südwestdeutschland. In: Burgen und Schlösser, Nr. 2, 1988 (online); dort auch weitere Texte über diese Zeit und Region
  • Johannes Cramer: Farbe als architektonisches Gliederungselement südwestdeutscher Landsitze des 16. und 17. Jahrhunderts. In: Burgen und Schlösser, Nr. ?, 1988 (online)
  • Johannes Cramer: Farbig gefaßte Landsitze des 16. und 17. Jahrhunderts in Südwestdeutschland. In: Burgen und Schlösser, Nr. ?, 1988 (online)
  • Johannes Cramer: Farbigkeit im Fachwerkbau - Befunde aus dem süddeutschen Raum. Deutscher Kunstverlag, München, 1990, ISBN 978-3422060562
  • Wolfgang Lenze: Fachwerkhäuser, restaurieren – sanieren - modernisieren, Fraunhofer IRB Verlag, 3. Aufl. 2004, ISBN 3-8167-6431-2

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]