Lietuvos bankas

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Litauische Zentralbank
Lietuvos Bankas
Gedimino prospektas 6 in Vilnius.JPG
Hauptsitz Vilnius, Litauen
Gründung 13. März 1990
Präsident Vitas Vasiliauskas
Zentralbank für Litauen
Währung

Litas

ISO 4217 LTL
Website

www.lb.lt

Vorgänger

sowjetische Staatsbank

Liste der Zentralbanken
Litauische Zentralbank in Kaunas

Lietuvos bankas (Litauische Bank) ist die Zentralbank Litauens. Sie geht in ihrer heutigen Form auf die Gründung durch die litauische Regierung im Jahr 1990 zurück (unter Übernahme von Struktur, Liegenschaften und Personal der litauischen Sparte der sowjetischen Staatsbank) und hat ihren Sitz in Vilnius. Zu ihren Aufgaben gehört die Sicherung der litauischen Währung, des Litas. Sie ist Mitglied des Europäischen System der Zentralbanken.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Anfänge des Zentralbankwesens in Litauen gehen auf das Jahr 1768 zurück, als der Seimas die staatliche Emissionsbank Bank Polski I Litewski zu gründen beschloss. Erst 1792 begann man mit der Verwirklichung des Vorhabens. Man plante Bankkontore in Vilnius, Grodno und Minsk einzurichten. Nach dem erfolglosen Aufstand von Tadeusz Kościuszko und nach der 3. Teilung von Polen-Litauen 1795 verlor Litauen seine Eigenstaatlichkeit und damit die praktische Möglichkeit, ein eigenes Währungssystem zu haben.

1918, nach der Erklärung der Unabhängigkeit, hatte Litauen noch einige Jahre keine eigene Emissionsbank. Aufgrund eines völkerrechtlichen Vertrags mit der Darlehenskasse Ost war die Reichsmark als Landeswährung anerkannt. Mitte 1922 begann die Hyperinflation. Litauen verabschiedete Gesetze über die Gründung der Zentralbank Lietuvos bankas und die Einführung der Nationalwährung Litas. Lietuvos bankas wurde als Aktiengesellschaft (Akcinė bendrovė) gegründet. Das Grundkapital betrug 12 Mio. Litas. 80 % der Aktien gehörten dem litauischen Staat.

1922 begann Lietuvos bankas als litauische Zentralbank offiziell ihre Tätigkeit. Vladas Jurgutis wurde vom litauischen Präsidenten zum ersten Geschäftsführer der Bank ernannt.

Im März 1990 erfolgte die Neugründung der Lietuvos bankas, sie setzte dabei die Tradition der in der Vorkriegszeit gegründeten Bank fort. 1990–1992 gehörte Litauen der Zone des russischen Rubel an. 1992 wurde als zeitweilige Währung ein Talon eingeführt (im Volksmund vagnorkos, vagnorėliai genannt, nach Gediminas Vagnorius), zunächst zusätzlich zum Rubel für bestimmte Warengruppen. 1993 wurde der Litas eingeführt. Es gelang die anfänglich über 100 % betragende Inflation einzudämmen und den Kurs der litauischen Währung zu stabilisieren.

Einführung des Euro[Bearbeiten]

Am 27. Juni 2004 traten Litauen, Estland und Slowenien als die ersten drei der zehn neuen EU-Länder dem WKM II bei.

Litauen hat sein erklärtes Ziel, den Euro ab dem 1. Januar 2007 einzuführen, knapp verfehlt (die Inflation lag um lediglich 0,06 Prozent oberhalb des Grenzwerts).

Leitung[Bearbeiten]

Euroeinführung: Streit um Litauen[Bearbeiten]

Ursprünglich wollte auch Litauen den Euro 2007 einführen. Der litauische Finanzminister Zigmantas Balčytis reichte am 16. März 2006 die Unterlagen zur Euro-Einführung trotz Warnung der Europäischen Kommission offiziell ein. Die Kommission empfahl jedoch, die Aufnahme Litauens aufgrund seiner um 0,06 Prozentpunkte zu hohen Inflationsrate zu verschieben.[1]

Beim Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs am 15. und 16. Juni 2006 in Brüssel wurde der Antrag abgelehnt. Auf den Euro-Raum bezogen wäre die Teuerungsrate in Litauen zwar niedrig genug gewesen, um das Aufnahmekriterium zu erfüllen;[2] der Vertrag von Maastricht sieht aber auch die EU-Staaten ohne Euro als Referenz vor. Nach Ansicht mancher europäischer EU-Finanzexperten hätte Litauen trotzdem aufgenommen werden können.[3]

Die EU-Kommission und die EZB akzeptierten diese Position jedoch nicht, um nicht an Glaubwürdigkeit zu verlieren. Litauen könnte somit ein Präzedenzfall für die künftige Euro-Einführung in den mittel- und osteuropäischen Ländern (MOEL) sein. Aufgrund der strikten Regelbindung der Euroeinführung in den MOEL könnte de facto der Verdacht entstehen, dass die alten Mitgliedsstaaten Vorrechte genießen. Am Fall Litauens könnte sich nun ein Streit über die Auslegung der in Artikel 121 EG-Vertrag genannten Konvergenzkriterien entzünden.

Es ist fraglich, ob die baltischen Länder für den Euro-Raum eine Belastung darstellen konnten, wenn sie trotz nicht vollständiger Erfüllung der Kriterien den Euro einführten; das BIP der größten baltischen Republik (Litauen) erreichte 2005 nur 4/5 des kleinsten deutschen Bundeslandes (Bremen). Darüber hinaus haben Litauen und Estland ihre Währungen (Litas und Krone) seit mehreren Jahren mit einem Currency Board fest an den Euro gebunden und die Währungsunion so einseitig vorweggenommen. Die Wechselkursfixierung hielten sie selbst während der Rubelkrise erfolgreich durch.[4]

Inzwischen strebt die litauische Regierung die Euro-Einführung für 2015 an.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die EU und Litauen streiten sich um den Euro. FAZ.NET, 10. März 2006
  2. Litauen darf den Euro 2007 offenbar noch nicht einführen. In: Die Welt, 7. Juni 2006
  3. Claus Hecking, Andrzej Rybak, Wolfgang Proissl, Mark Schrörs: Stimmungswechsel (Zur gescheiterten Euroeinführung Litauens). Stimmungswechsel (Zur gescheiterten Euroeinführung Litauens).Vorlage:Webarchiv/Wartung/Linktext_fehltVorlage:Webarchiv/Wartung/Nummerierte_Parameter In: Financial Times Deutschland, 28. Dezember 2006
  4. Patrick Welter: Der Nutzen der Euro-Regeln. FAZ.NET, 21. März 2006

54.68611111111125.283333333333Koordinaten: 54° 41′ 10″ N, 25° 17′ 0″ O