Lille Vildmose

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Koordinaten: 56° 50′ 35″ N, 10° 15′ 40″ O

Karte: Dänemark
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Lille Vildmose
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Dänemark

Lille Vildmose (dt. Kleines Wildmoor) ist ein Hochmoor in Himmerland im östlichen Nordjütland. Es liegt etwa 25 km südöstlich von Aalborg nahe der Kattegatküste. Es ist Teil des Natura 2000-Schutzgebiets Nr. 17 („Lille Vildmose, Tofte Skov og Høstemark Skov“), das 2007 eingerichtet wurde und mit 7.800 Hektar Dänemarks größtes FFH-Schutzgebiet bildet.

Große Flächen gehören der gemeinnützigen Umweltstiftung Aage V. Jensen Naturfond.

Flora[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ansicht des Lille Vildmose

Von den ursprünglich 5.000 Hektar befinden sich heute noch ungefähr 2.000 Hektar im Naturzustand. Damit ist das Gebiet das größte intakte Hochmoorareal innerhalb der nordeuropäischen Laubwaldzone. Die Vegetation der Hochmoorfläche wird von verschiedenen Sphagnum-Arten, Wollgras und Zwergsträuchern dominiert. Nur vereinzelt treten niedrige Moorbirken und Bergkiefern auf. Das Zentrum des Moores ist von trockenen Bulten und feuchten Schlenken beherrscht. Am Rande des Moores sind feuchte, nährstoffarme Abschnitte mit saurem Boden anzutreffen, die als Laggzone bezeichnet werden. Hier wachsen neben Pfeifengras auch Birken und Erlen. Diese Zone ist mancherorts gut erhalten, was selbst in naturnahen Hochmooren eher selten der Fall ist.

Insgesamt hat der Torf in dem ungestörten, südlichen Moorabschnitt eine Mächtigkeit von 5 Metern. Im Norden des Gebietes beträgt die Mächtigkeit meistenteils zwischen 1,50 m und 2 m. Östlich von Kongstedlund liegen die Seen Lillesø und Toftesø, in dem Gebiet des heutigen Vildemosegård die nunmehr ausgetrockneten Seen Birkesø und Møllesø. Ursprünglich befanden sich noch weitere Seen im Vildmose, die jedoch alle verlandet sind.

Fauna[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Moorflächen nördlich von Toftesø und Lillesø und die renaturierten Areale nördlich und östlich der Torfabbaugebiete sind Brut- und Rastgebiete zahlreicher Vogelarten, darunter Rohrweihe, Wiesenweihe, Kranich, Fasan und Kormoran. Im Süden des Gebietes, nahe der Küste und nördlich von Øster Hurup direkt an der Sekundärroute 541 befindet sich ein Aussichtsturm zur Vogelbeobachtung.

1998 brüteten erstmals Steinadler im Wald Tofte Skov, ein zweites Paar ließ sich im Høstemark Skov nieder. Da in Dänemark insgesamt nur drei Paare regelmäßig brüten, werden ihre Lebensbedingungen und Aufzuchten wissenschaftlich eingehend begleitet.[1]

Im Lille Vildmose leben Rothirsche. Am 23. Juni 2016 wurden zunächst fünf junge Elche in dem Gebiet ausgewildert; weitere sieben sollen im Herbst folgen. Abgesehen davon, eine Attraktion für Naturfreunde zu bieten, sollen die Elche die Ausbreitung von Gehölzen bremsen. Die Tiere stammen aus Südschweden und kommen genetisch den Elchen sehr nahe, die einst – bis zu ihrer Ausrottung – in Dänemark lebten.[2]

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Moorlandschaft vom Aussichtsturm nördlich von Øster Hurup

Unter den Torflagen des Moores befinden sich Küstenablagerungen des Littorina-Meeres, das vor ca. 7.000 Jahren das Gebiet bedeckte. Vor etwa 2.500 Jahren wurde dieser Teil des Meeres jedoch von Nehrungen und Strandwällen vom Kattegat abgeschnürt und es entstand eine Brackwasser-Lagune.

Im Laufe der anhaltenden Landhebung wurde die Lagune vollständig vom Meer abgeschnitten und entwickelte sich zu einem flachen See mit dichter Schilfvegetation. In höher gelegenem Uferbereich entstand allmählich ein Waldgebiet, in dem die eingewanderten Baumarten Erle, Birke, Eiche und Kiefer vorherrschten. Im Laufe der Zeit veränderte sich der Charakter der Vegetation, da das Klima feuchter wurde. Das Schilfrohr wurde insbesondere von Torfmoos, Moosbeere und Fieberklee abgelöst. Etwas später wanderten unter anderem Besenheide, Glockenheide, Krähenbeere und Moor-Wollgras ein.

Der Beginn der Moorbildung kann auf etwa 500 n. Chr. datiert werden. Bis in das 18. Jahrhundert verlief die Torfbildung weitgehend unbeeinflusst durch menschliche Eingriffe, die seither in Form von Drainage, Torfabbau und Flächengewinnung für die Landwirtschaft fortwährend stattfanden, bis die Reste des Hochmoores gegen Ende des 20. Jahrhunderts unter Schutz gestellt wurden. Gleichwohl wird auch heute noch Torf zur Verwertung als Torfmull abgebaut. Neubildung von Torf findet nur noch im südlichen Abschnitt des Hochmoores statt.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde eine eigene Torfbahn errichtet, mit der das gewonnene Torf über eine bei Gudumholm an die Bahnstrecke Aalborg–Hadsund angeschlossene Stichbahn abtransportiert werden konnte.[3]

Besucherzentrum Lille Vildmose Centret

Besucherzentrum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Betreten des Gebietes auf öffentlichen Wegen ist erlaubt. Das Besucherzentrum Lille Vildmose Centret bietet von März bis November naturkundliche und kulturgeschichtliche Informationen. Außerdem werden von hier aus regelmäßig Naturwanderungen angeboten.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Steen Andersen, Steen Sjørring (Red.): Det nordlige Jylland (Geologisk set, Bd. 3), Geografforlaget, Brenderup 1997.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. The Danish Golden Eagle Project (Memento des Originals vom 20. Dezember 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/macroecology.ku.dk Zentrum für Makroökologie, Evolution und Klima der Universität Kopenhagen, abgerufen am 6. Dezember 2015.
  2. Forstwirte fürs Hochmoor Schleswig-Holsteinische Landeszeitung, 23. November 2015.
  3. Torfbahn nach Lille Vildmose. In: Nordjyllands jernbaner. Abgerufen am 8. Dezember 2014 (dänisch).
  4. Schlechte Babel Fish-Übersetzung