Goldschakal

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Goldschakal
Goldschakal (Canis aureus)

Goldschakal (Canis aureus)

Systematik
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Überfamilie: Hundeartige (Canoidea)
Familie: Hunde (Canidae)
Tribus: Echte Hunde (Canini)
Gattung: Wolfs- und Schakalartige (Canis)
Art: Goldschakal
Wissenschaftlicher Name
Canis aureus
Linnaeus, 1758

Der Goldschakal (Canis aureus) ist eine eng mit dem Wolf verwandte Art der Hunde. Er ist der einzige Schakal, der in Europa verbreitet ist.

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Goldschakal ist zwischen 80 und 95 cm lang; seine Schwanzlänge beträgt 20 bis 30 cm und die Schulterhöhe etwa 35 bis 50 cm. Er wiegt ungefähr 8 bis 10 kg. Das Fell ist normalerweise goldgelb gefärbt, doch gibt es hier regionale Unterschiede. In den Bergen lebende Goldschakale haben ein eher graues Fell. In Ostafrika wechseln Goldschakale ihre Fellfarbe mit den Jahreszeiten; zur Regenzeit sind sie gelblichbraun, zur Trockenzeit goldgelb.

Lebensraum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verbreitungsgebiet des Goldschakals in Europa und Asien

Als Habitat bevorzugt der Goldschakal offene Landschaften. Die Tiere bewohnen die Savanne ebenso wie Halbwüsten und felsige Gegenden. Sie fehlen aber in dichten Wäldern. In manchen Gegenden scheuen sie auch die Nähe menschlicher Siedlungen nicht. Besonders verbreitet ist er in seinen Ursprungsregionen im Nahen Osten, in Indien und in weiteren subtropischen und tropischen Regionen Asiens.[1]

Neben dem Wolf ist der Goldschakal der einzige Vertreter der Gattung Canis, der auf dem europäischen Kontinent lebt, lange aber nur auf dem Balkan. Man findet kleine Populationen im Norden Griechenlands, in Albanien, Rumänien, Bulgarien sowie in Serbien, Slowenien, Bosnien und Herzegowina und Kroatien.

Der Schakal breitet sich immer mehr nach Norden und Westen aus: Goldschakale werden immer öfter in Gegenden gesichtet, in denen sie bislang nie zu Hause waren, so im späteren 20. Jahrhundert in der Gegend von Triest in Italien und in Ungarn. Ungarische Wildschützer gehen davon aus, dass mittlerweile einige Hundert Goldschakale in den Wäldern um Budapest leben(Stand Februar 2016).[2] In Österreich[3][4] wurde er 1987 in der Steiermark erstmals gesichtet, der erste Nachwuchs ist im Neusiedler-See-Gebiet 2007 nachgewiesen.[5] Zwischenzeitlich ist der Goldschakal in Oberösterreich und in Nordostitalien (bis in das Val di Non[6] und den Vinschgau[7]) heimisch.

In Deutschland (ab 1998) und in der Schweiz (ab 2011) wurden bisher nur einzelne Tiere gesichtet[8] (Brandenburg, Bayern[9][10][11], Hessen, Schleswig-Holstein[12], Vorpommern[13]; in den Kantonen Bern, Waadt, Freiburg[14], Graubünden, Schwyz[15] und St. Gallen[16]). Sichtungen gab es auch in den Niederlanden.[17] Neben diesem westlichsten Nachweis sind die nördlichsten Vorposten in Estland und Dänemark.[8][18]

Angaben aus dem Gebiet des Neusiedler Sees in Österreich, als „Rohrwolf“ bezeichnet, sind immer wieder als historischer Nachweis einer nördlichen autochthonen Population gewertet worden. Nach neueren Erkenntnissen erscheint ein historisches Vorkommen hier aber unwahrscheinlich, die Angaben beruhen auf Fehlbestimmungen und Verwechslungen.[3]

Lebensweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Goldschakal ist ein typischer Sprinter. Er wiegt nicht viel, hat aber lange, kräftige Beine, die ihm helfen, große Entfernungen mühelos zu überwinden.

Goldschakale leben gesellig, entweder paarweise oder in kleinen Familienrudeln. Sie leben ortsansässig und haben ein festes Revier, das bis zu drei Quadratkilometer groß ist und von allen Gruppenmitgliedern mit Urin markiert wird. Allerdings gibt es kaum Kämpfe zwischen fremden Tieren, da die meisten Auseinandersetzungen durch Drohgebärden erledigt werden.

Schakale verständigen sich untereinander mit einer ganzen Reihe von Winsel-, Heul- und Belllauten.

Die Lebenserwartung beträgt in freier Wildbahn acht Jahre, in Gefangenschaft bis zu 14 Jahre.

Fortpflanzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Goldschakale haben eine Art „feste Ehe“. Die Fortpflanzung findet im Oktober während der Trockenzeit statt. Nach einer 60 Tage langen Trächtigkeitsdauer sucht sich das Weibchen eine geeignete Höhle für ihren Nachwuchs und gebiert einen Wurf mit sechs bis neun Welpen. Diese sind von der Geburt an behaart, allerdings in den ersten drei Tagen völlig blind.

Während der ersten drei Wochen werden sie ausschließlich von Muttermilch ernährt. In der darauffolgenden Regenzeit ist normalerweise genug Nahrung vorhanden, um die Jungen mit fester Nahrung zu versorgen. Die Elterntiere transportieren die Nahrung in ihren eigenen Mägen und würgen diese in der Höhle wieder hervor. Bis die Welpen endgültig von der Muttermilch entwöhnt sind, vergehen meistens noch fünf Wochen. Viele junge Schakale ertrinken infolge von Überschwemmungen der Höhlen während der Regenzeit.

Erst nach fünf bis sechs Monaten sind die Jungtiere nicht mehr auf ihre Eltern angewiesen. Allerdings bleiben manchmal ein oder zwei Junge bei ihren Eltern, um bei der Aufzucht des nächsten Wurfes zu helfen. Diese wechseln sich dann mit den Eltern beim Bewachen der Höhle und Heranschaffen der Nahrung ab. Voll geschlechtsreif werden Schakale erst nach 20 Monaten.

Nahrung und Jagd[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Goldschakal

Goldschakale haben ein typisch geselliges Jagdverhalten. Sie jagen als Paar oder im Trupp, und zwar meistens nachts. Bei Einzelangreifern scheitern 80 Prozent aller Erstangriffe; bei Paaren sinkt diese Quote auf 30 Prozent. Sie fressen kaum Aas, vielmehr erbeuten sie den größten Teil ihrer Nahrung dank ihres guten Gehörs und ihrer Schnelligkeit. Die Art, wie ein Schakal ein Opfer erbeutet, ähnelt der des heimischen Rotfuchses. Wie dieser stellt er seine Ohren auf, macht einen Katzenbuckel, hebt seinen Schwanz, macht einen Satz und landet mit den Vorderpfoten auf der Beute, die er mit einem kräftigen Biss oder durch Schütteln tötet. Große Beutetiere werden bis zur Erschöpfung gehetzt, bis sie niedergerissen werden können. Dazu verbeißt sich der Schakal in den Bauch seines Opfers.

Zur Nahrung des Goldschakals zählen Insekten, Nagetiere, Vögel, Amphibien und junge Gazellen. Wenn er sein Fressen nicht vollständig verzehren kann, schleppt er es unter Büsche oder vergräbt es für schlechtere Zeiten.

Konkurrenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der wichtigste Feind des Goldschakals ist der Wolf. Die Anwesenheit eines Wolfsrudels in einer Gegend führt oft zur Abwanderung oder zum Tod einer Schakalfamilie. Man nimmt an, dass es früher auf europäischem Boden überhaupt keine Schakale gegeben hat. Die Abwesenheit von Wölfen könnte in naher Zukunft die weitere Ausbreitung von Schakalen nach Süd- oder gar Mitteleuropa begünstigen.

Taxonomie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Phylogenetische Systematik der Gattung Canis nach Koepfli et al. 2015[19]
 CanisLycaon und Cuon  


 Lycaon pictus (Afrikanischer Wildhund)


   

 Cuon alpinus (Rothund)


   

 Canis aureus (Goldschakal)


   

 Canis simensis (Äthiopischer Wolf)


   

 Canis anthus (Afrikanischer Goldwolf)


   

 Canis latrans (Kojote)


   

 Canis lupus (Wolf; + Haushund)








   

 Canis mesomelas (Schabrackenschakal)


   

 Canis adustus (Streifenschakal)




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Bis zu zwölf Unterarten des Goldschakals wurden beschrieben, doch bedarf die interne Systematik der Art einer Überarbeitung auf der Grundlage molekulargenetischer Analysen.[20] In einer kürzlich durchgeführten derartigen Studie erwies sich die ägyptische Unterart (Canis aureus lupaster) als genetisch stark von anderen Goldschakalen abweichend. Diese Schakale, deren Ähnlichkeit zu Indischen Wölfen (Canis lupus pallipes) bereits im 19. Jahrhundert verschiedenen Zoologen aufgefallen war, fallen genetisch in die engere Verwandtschaft der Wölfe. Die ägyptischen Tiere sind auch deutlich größer und langbeiniger als typische Goldschakale. Dabei bildet dieser ägyptische Canide offenbar einen basalen Zweig, der dem Indischen Wolf und dem Himalaya-Wolf nahesteht. Neben den ägyptischen Tieren wurden Vertreter dieser Form auch im Hochland von Äthiopien 2500 km südöstlich entdeckt.[21] Das scheint sich nun, nach weiteren genetischen Untersuchungen, für alle afrikanischen Unterarten zu bestätigen. Aufgrund ihrer näheren Verwandtschaft mit dem Wolf wird vorgeschlagen, diese als neue Art mit dem Namen Afrikanischer Goldwolf (Canis anthus) einzustufen.[22][19]

Carl von Linné hielt den Goldschakal für einen Vorläufer des Hundes,[23] was später auch von anderen Quellen (Konrad Lorenz) übernommen wurde, sich im Nachhinein aber als falsch herausstellte.

Schutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland ist der Goldschakal nicht in der Liste der jagdbaren Arten in Bundesjagdgesetz §2 aufgeführt und ist somit kein jagdbares Wild.[24] In Österreich ist der Goldschakal nicht geschützt, er zählt zum jagbaren Raubzeug. In Oberösterreich, seiner bisher weitesten Verbreitung nach Westen, ist aber beispielsweise eine Schonzeit im Sommerhalbjahr verankert.[25]

Auch in der Schweiz ist der Goldschakal, ebenso wie der Wolf, aber im Gegensatz zum Rotfuchs, nicht unter den jagdbaren Arten aufgeführt, siehe Artikel 5 des Jagdgesetzes.[26] Im Januar 2016 hat ein Jäger im Kanton Graubünden versehentlich einen jungen, männlichen Goldschakal erschossen, da er ihn mit dem jagdbaren Rotfuchs verwechselte; der Jäger hat sich daraufhin selbst angezeigt. Es handelt sich bei diesem Schakal um den ersten Schweizer Goldschakal, dessen Körper untersucht werden konnte.[27]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Goldschakal – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Goldschakal. In: KORA. Abgerufen am 23. Februar 2016.
  2. Visszatért Budapest környékére az aranysakál. In: parkerdo.hu. 16. Februar 2016, abgerufen am 17. Juli 2017 (ungarisch).
  3. a b Maria Hoi-Leitner, Erhard Kraus: Der Goldschakal Canis aureus (Linnaeus, 1758) in Österreich. In: (Mammalia austriaca 17). Bonner zoologische Beiträge 40 (3/4), 1989, S. 197–204.
  4. Andreas Zedrosser: Eine neue Tierart für Österreich: Der Goldschakal (Canis aureus). In: Stapfia 37 (zugleich Kataloge des OÖ. Landesmuseums NF. 84), 1995, S. 237–242 (pdf, zobodat.at).
  5. Frank E. Zachos, Franz Suchentrunk: Der Goldschakal – Neubürger mit Migrationshintergrund. In: Naturschutzbunt Heft 2, 2013, S. 12 (pdf, vetmeduni.ac.at).
  6. Fotografato uno sciacallo dorato in Val di Non, in: Novità de la Provincia Autonoma di Trento, 20. Juni 2013.
  7. Tiere am Sonnenberg sind Goldschakale. In: Südtirol Online. 23. Mai 2014, archiviert vom Original am 5. März 2016, abgerufen am 18. Juli 2017.
  8. a b Monitoring Goldschakal. In: KORA. Abgerufen am 23. Februar 2016.
  9. Rätselhafter Wildunfall: Seltener Goldschakal auf der A9 überfahren. In: sueddeutsche.de. 23. Mai 2017, abgerufen am 6. August 2017.
  10. Andreas Nigl: Wo kommt der denn her? Schakal streift durch den Bayerwald. In: Online-Ausgabe des Grafenauer Anzeigers. 6. Juli 2017, abgerufen am 19. Juli 2017.
  11. dpa: Schakal in Bayern entdeckt: badische-zeitung.de, Nachrichten, Panorama, 6. Juli 2012 (14. Juli 2012)
  12. shz.de: Drei Schafe in Dithmarschen gerissen: Erster Goldschakal in Schleswig-Holstein nachgewiesen | shz.de. In: shz. (shz.de [abgerufen am 24. Mai 2017]).
  13. Ostsee-Zeitung: "Wolf entpuppt sich als Goldschakal". Abgerufen am 20. Mai 2016.
  14. SDA: Ein Schakal streift durch die Alpen. In: Tages-Anzeiger. 8. September 2012, abgerufen am 23. Februar 2016.
  15. Amanda Buol: Geschwächter Goldschakal in Schwyz erlegt. In: naturschutz.ch. 24. März 2016, abgerufen am 24. März 2016.
  16. Goldschakal im Linthgebiet beobachtet. Kanton St.Gallen, 18. Juli 2017, abgerufen am 18. Juli 2017.
  17. Nu.nl – Jakhals waargenomen op de Veluwe
  18. European jackal found in Denmark. In: The Post. 10. September 2015, abgerufen am 23. Februar 2016 (englisch).
  19. a b Klaus-Peter Koepfli, John Pollinger, Raquel Godinho, Jacqueline Robinson, Amanda Lea, Sarah Hendricks, Rena M. Schweizer, Olaf Thalmann, Pedro Silva, Zhenxin Fan, Andrey A. Yurchenko, Pavel Dobrynin, Alexey Makunin, James A. Cahill, Beth Shapiro, Francisco Álvares, José C. Brito, Eli Geffen, Jennifer A. Leonard, Kristofer M. Helgen, Warren E. Johnson, Stephen J. O’Brien, Blaire Van Valkenburgh, Robert K. Wayne: Genome-wide Evidence Reveals that African and Eurasian Golden Jackals Are Distinct Species. In: Current Biology. 2015, doi:10.1016/j.cub.2015.06.060.
  20. Sillero-Zubiri, C. (2009). Family Canidae (Dogs). (352-447). In: Wilson, D. E., Mittermeier, R. A., (Hrsg.). Handbook of the Mammals of the World. Volume 1: Carnivores. Lynx Edicions, 2009. ISBN 978-84-96553-49-1
  21. Eli Knispel Rueness, Maria Gulbrandsen Asmyhr, Claudio Sillero-Zubiri, David W. Macdonald, Afework Bekele, Anagaw Atickem, Nils Chr. Stenseth: The Cryptic African Wolf: Canis aureus lupaster Is Not a Golden Jackal and Is Not Endemic to Egypt. PLoS ONE, Volume 6, Issue 1, 2011 (pp. 1–5) online
  22. „Neue“ Wolfs-Art entdeckt! Online-Ausgabe von Bild der Wissenschaft auf www.wissenschaft.de, abgerufen am 31. Juli 2015
  23. http://www.tk-logo.de/cms/beitrag/10000222/204685/
  24. Bundesjagdgesetz (i.d.g.F. online)
  25. Verordnung der Oö. Landesregierung über die Schonzeiten der jagdbaren Tiere (Oö. Schonzeitenverordnung 2007) StF: LGBl.Nr. 72/2007 (i.d.g.F. online, ris.bka).
  26. Bundesgesetz über die Jagd und den Schutz wildlebender Säugetiere und Vögel (Jagdgesetz, JSG). vom 20. Juni 1986 (Stand am 1. Mai 2017). In: admin.ch. Schweizer Bundesrat, abgerufen am 1. August 2017.
  27. 20 Minuten: Jäger erschoss aus Versehen Goldschakal