Literaturhaus Hamburg

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Das Gebäude des Literaturhauses am Schwanenwik 38 in Hamburg-Uhlenhorst

Der Literaturhaus Hamburg e.V. ist eine kulturelle Institution in Hamburg-Uhlenhorst, die sich der Literaturvermittlung und der Organisation literarischer Veranstaltungen widmet.

Geschichte des Gebäudes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1837 bis 1923[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1837 erwirbt August Abendroth das Gelände, auf dem sich die Villa an der Außenalster befindet, rund um das Gut Uhlenhorst von der Hamburger Kämmerei. Als 1853–58 ein Verbindungsweg zwischen St. Georg und Uhlenhorst entsteht, der so genannte Schwanenwik, teilt Abendroth sein Gut in mehrere Parzellen und bietet sie zum Verkauf. 1864 erwirbt der Tischler Heinrich Friedrich Christian Stuckenberg eine dieser Parzellen, teilt sie in zwei Grundstücke auf und verkauft diese jeweils an den Architekten Jean David Jolasse (Hausnr. 37) und den Maurermeister Johann Georg Friedrich Haller (Hausnr. 38), welche die Grundstücke bebauen und weiterverkaufen. So ersteht der Kaufmann C.N. Fraeb Hallers spätklassizistische Reihenhausvilla, die am neu benannten ,Schwanenwik' (1888; bisher ,An der schönen Aussicht') liegt. Im Jahr 1889 wechselt der Besitz erneut den Eigentümer: Der Bankier Adolph von Pein erwirbt Haus und Grundstück und lässt den Gartensaal von den Architekten Kraus und Minck zum Musizieren und für Feste anbauen.[1] Nach dem Tod von Adolph von Pein (1896) bewohnt dessen Frau Maria Louise Wilhelmine weiterhin den Schwanenwik Nr. 38 bis zum Jahr 1908, bis der Besitz abermals wechselt; diesmal zu Franz Justus Krieg, der neben seinen Wohnräumen hier die „Heilgymnastische Privatanstalt Dr. Krieg“ betreibt und ab 1915 mit dem Hauptausschuss für Körpererziehung e. V. (1915) und dem Radiologen Hermann Holthusen (1923) als Untermieter logiert.[2]

Von 1924 bis 1957[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1924 bis 1938 wird der Gartensaal von der Hamburger Bewegungschöre Labanschule, einer Tanzschule des Ungarn Rudolf von Laban, unter der Leitung von Albrecht Knust, ab 1934 Lola Rogge, genutzt. 1937 erfolgt jedoch eine Anordnung der Nationalsozialisten, die Laban-Schule in Lola-Rogge-Schule umzubenennen. 1938 verkauft Krieg sein Haus an die Stadt Hamburg zur Nutzung als Mädchenheim, sodass die Lola-Rogge-Schule ihre Räumlichkeiten verlassen muss. 1939 wird im Schwanenwik Nr. 38 ein ,Wohnheim für weibliche Lehrlinge, Durchgangsheim für gefährdete weibliche Jugendliche und Schutzhaftstelle für Aufgegriffene' eröffnet. Im Jahr 1941 wird zudem auch das Nebenhaus, Schwanenwik Nr. 37, nach der Enteignung der jüdischen Besitzer als Mädchenheim genutzt, wodurch sich die Kapazität der Einrichtung auf 100 Schlafplätze erweitert. In den späteren Wehen des Zweiten Weltkrieges werden beide Häuser als Notunterkunft für ausgebombte Parteimitglieder verwendet. Im Mai 1945 beschlagnahmen britische Militärbehörden das Heim zunächst, geben es aber bereits im Sommer wieder frei, so dass das Durchgangsheim für Mädchen die Arbeit im Herbst wieder aufnehmen kann.[3]

Von 1958 bis 1985[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1958 geht das Grundstück Nr. 37 wieder in den Besitz der enteigneten Eigentümer aus der UdSSR über. Erst 1985 ist die Zeit des Mädchenheims nach mehr als 45 Jahren zu Ende. Die Einrichtung wird geschlossen und ihre Bewohnerinnen auf die übrigen Hamburger Heime verteilt. Das Haus steht daraufhin zwei Jahre leer und verkommt zusehends.[4]

Neubestimmung des Gebäudes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Logo des Literaturhauses

Allein der Einzug des neu gegründeten Literaturhaus e.V. bewahrt das Gebäude vor weiterem Verfall. Nach Jahren der Abriegelung öffnet sich das Haus nun wieder für die Öffentlichkeit. Gerd Bucerius erwirbt das Gebäude für die ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius und stellt es dem Literaturhaus e.V. mietfrei zur Verfügung. Überdies trägt die Stiftung erhebliche Anteile der Renovierungskosten. 2,7 Millionen DM steuert die Stadt Hamburg bei. Für den laufenden Betrieb spendet ein ungenannt bleibender Mäzen eine weitere Million DM. Im Jahr 1989 findet die feierliche Eröffnung des Literaturhauses Hamburg e.V. statt, der bis heute in diesem Gebäude ansässig ist.[5]

Trägerverein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein Literaturhaus e.V. wurde 1985 gegründet. Die Stiftung des erwähnten Mäzens legte die Grundlage für gesicherte Einnahmen. 1987 erwarb die Zeit-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius das denkmalgeschützte Gebäude und stellte gemeinsam mit der Freien und Hansestadt Hamburg zusätzliche Mittel für die Renovierung zur Verfügung. Ab 1989 konnte der Literaturhaus e.V. das Haus mietfrei nutzen. Inzwischen hat er etwa 750 zahlende Mitglieder.[6] Der Verein ist nach dem Literaturhaus Berlin das zweite Literaturhaus in Deutschland.

In der historischen Stadtvilla haben außer dem Literaturhaus e.V. noch das Literaturzentrum und der Börsenverein des Deutschen Buchhandels (Region Norddeutschland) ihren Sitz, außerdem befindet sich darin das Literaturhauscafé und die Buchhandlung Samtleben.

Literaturprogramm, Preisvergabe und Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Literaturhaus Hamburg e.V. richtet jährlich an die 100 Veranstaltungen internationaler und nationaler Gegenwartsliteratur aus – Lesungen, Podiumsdiskussionen, Gesprächsrunden oder literaturhistorische Abende. Alle zwei Jahre finden die Nordischen Literaturtage statt und einmal jährlich wird der Mara-Cassens-Preis für den besten deutschsprachigen Debütroman vergeben.

Leitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1992 bis 2005 übernahm die Autorin, Dramaturgin und Literaturwissenschaftlerin Ursula Keller die Leitung der Programm- und Veranstaltungsgestaltung des Literaturhauses Hamburg.[7][8] In ihrer Ära wurde das Haus Mitglied im Netzwerk literaturhaus.net[9] und vergibt seit 2002 gemeinsam mit den Partnerhäusern den Preis der Literaturhäuser. 2003 konzipierte, initiierte und veranstaltete Ursula Keller (mit mäzenatischer Unterstützung der Körber-Stiftung) das Literatursymposium »Europa schreibt.« Sie machte sich mit der Aktion »Poesie in die Stadt« und dem auf dem Gänsemarkt stattfindenden »Lyrik-Wettbewerb open air« für die Dichter stark.

Seit 2005 leitet der Germanist, Literaturkritiker und Autor Rainer Moritz das Literaturhaus Hamburg.

Gästeliste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bislang waren unter anderem folgende deutsche oder internationale Dichter und Schriftsteller zu Gast:

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Literaturhaus Hamburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Private Ballsäle waren im ausgehenden 19. Jahrhundert weit verbreitet. In Hamburg sind nur noch zwei von ihnen erhalten: der wiederaufgebaute Spiegelsaal im Museum für Kunst und Gewerbe sowie eben der Saal des Literaturhauses.
  2. Internetauftritt, Geschichte
  3. Internetauftritt, Geschichte
  4. Internetauftritt, Geschichte
  5. Internetauftritt, Geschichte
  6. http://www.literaturhaus-hamburg.de/verein/mitglied-werden
  7. Kurzprofil Ursula Keller bei Körber-Stiftung
  8. Ursula Keller ins Literaturhaus (Memento vom 28. Juli 2014 im Internet Archive), Hamburger Abendblatt, 23. Oktober 1991
  9. Vgl. http://www.literaturhaus.net/

Koordinaten: 53° 34′ 5″ N, 10° 1′ 0″ O