Longines

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Compagnie des Montres Longines, Francillon S.A.

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Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1832
Sitz Saint-Imier BE SchweizSchweiz Schweiz
Branche Uhrenhersteller
Website www.longines.ch

Die Compagnie des Montres Longines, Francillon S.A. ist ein traditioneller Schweizer Uhrenhersteller mit der ältesten eingetragenen Uhrenmarke der Welt. Das Unternehmen geht zurück auf eine Produktionsstätte, die 1832 im schweizerischen Saint-Imier errichtet wurde, wo sich noch heute der Firmensitz befindet. Im firmeneigenen Museum kann dort die Unternehmensgeschichte anhand von Taschen- und Armbanduhren, Chronographen, Zeitmessgeräten und Navigationsinstrumenten nachvollzogen werden. Das Logo stellt eine geflügelte Sanduhr dar.

Longines produziert hochwertige Uhren der höheren Preisklasse. Bis 1986 baute Longines auch eigene Kaliber.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ernest Francillon (1834–1900)

1832 eröffnete Auguste Agassiz zusammen mit den Uhrenhändlern Henri Raiguel und Florian Morel in Saint-Imier einen Uhrenhandel mit Fabrikation. Agassiz stellte die bald als besonders haltbar bekannten Uhren «im Stil von Saint-Imier» auf Messen in ganz Europa vor und erwarb sich schnell einen guten Ruf und hohen Bekanntheitsgrad. 1854 übernahm sein Neffe Ernest Francillon die Unternehmensleitung. Er kaufte 1866 ausserhalb von Saint-Imier ein Grundstück, das les Longines («die länglichen Wiesen») genannt wurde, und liess dort eine Fabrik errichten, in der ab 1867 Taschenuhren mit der Zeichnung «E. Francillon, Longines, Suisse» hergestellt wurden. Zum Schutz gegen Fälschungen wurde der Name «Longines» am 27. Mai 1889 beim Eidgenössischen Amt für Geistiges Eigentum registriert. Mit der Registrierung beim Internationalen Amt für Geistiges Eigentum im März 1893 wurde Longines zur ältesten eingetragenen Uhrenmarke der Welt.

Sprungdeckel-Taschenuhr, Longines (1909)
Sprungdeckel-Innenseite: Deutscher Goldstempel (Krone), Name mit damaligem Logo, Schweizer Goldstempel (Eichhörnchen) und Seriennummer (aus 1943)
Montres Longines, Luftbild von Walter Mittelholzer (1925)
Longines – Industriegebäude

Drei Jahre nach Francillons Tod entstanden 1903 die ersten mechanischen Damen-Anhängeuhren. Zwei Jahre später produzierte Longines die erste mechanisch hergestellte Herren-Armbanduhr, die nach und nach die Taschenuhr verdrängte. In den folgenden Jahren widmete sich das Unternehmen schwerpunktmässig der Zeitmessung im Sport und unterstützte wissenschaftliche Expeditionen. So war Longines z. B. für die Zeitmessung der historischen Atlantik-Überquerung durch den amerikanischen Flugpionier Charles Lindbergh im Jahr 1927 zuständig. Anschliessend beriet Lindbergh den Uhrenhersteller aufgrund seiner Erfahrung mit dem Problem der schnellen Positionsbestimmung bei der Entwicklung einer speziellen Armbanduhr, die die Längengradbestimmung während eines Fluges einfach und schnell ermöglichen sollte. Diese Uhr wird auch als Stundenwinkeluhr[2] bezeichnet, weil der wichtigste Teil bei der Längengradbestimmung, der Stundenwinkel von Greenwich, direkt von der Uhr ablesbar ist. Sie war ab 1932 unter dem Namen «Lindbergh» erhältlich.

1945 kam die erste Longines-Armbanduhr mit automatischem Aufzug auf den Markt, 1952 war das Unternehmen offizieller Zeitnehmer der Olympischen Winterspiele von Oslo. 1960 wurde ein besonders flaches elektromagnetisches Werk entwickelt, 1967 mit dem Modell «Ultra-Chron» eine sehr präzise automatische Armbanduhr mit 36'000 Halbschwingungen pro Stunde herausgebracht und 1969 eine besonders genau gehende Quarzuhr mit dem Namen «Ultra-Quartz» präsentiert.
Das Herstellungsjahr von Longines-Uhren aus dem Zeitraum von 1870 bis 1969 kann bis auf etwa ein Jahr genau durch die Produktionsseriennummer festgestellt werden, die sich auf der Rückseite oder im Deckel von Sprungdeckeluhren eingraviert befindet.[3]

Mit dem Aufkommen von Quarzuhren als Massenware geriet das Unternehmen Anfang der 1980er Jahre wie viele Uhrenhersteller in wirtschaftliche Schwierigkeiten und wurde in die SMH-Gruppe integriert, die heute als Swatch Group mit zahlreichen Marken wie Swatch, Breguet, Omega, Blancpain und Longines einer der grossen Schweizer Uhrenhersteller ist. Dadurch lassen sich gruppeninterne Synergien nutzen, wie etwa die Zulieferung hochwertiger Gehäuseteile durch die Schwestergesellschaft Georges Ruedin SA in Bassecourt.

Berühmte Besitzer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Albert Einstein besaß eine Armband- und eine Taschenuhr von Longines.[4] Die Armbanduhr wurde 2008 für 596.000 US-Dollar versteigert, die Taschenuhr gehört zur Sammlung des Historischen Museums in Bern.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Festschrift 1889–1989. Longines, St. Imier 1989.
  • Daria Marozzi, G. Toselli: Longines. Bologna 1990.
  • John Goldberger: Longines Watches. Ebner 2006, ISBN 3-87188-073-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Longines – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Helmut Kahlert, Richard Mühe, Gisbert L. Brunner: Armbanduhren: 100 Jahre Entwicklungsgeschichte. Callwey, München 1983; 5. Auflage ebenda 1996, ISBN 3-7667-1241-1, S. 7.
  2. Gisbert L. Brunner: Die Stundenwinkel-Armbanduhr Typ »Lindbergh« von Longines. In: Alte Uhren. Heft 2, 1983, S. 128–131.
  3. Seriennummern von Longines-Uhren aus dem Zeitraum von 1870 bis 1969.
  4. Versteigerung Armbanduhr Albert Einstein. In: Watchtime.net. 20. November 2008, abgerufen am 14. September 2020.