Lothar R. Schmidt

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Lothar Richard Schmidt (* 9. Juni 1936 in Neunkirchen (Saar); † 30. Oktober 2020 in Dillingen) war ein deutscher Psychologe. Er war zuletzt bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2001 Ordinarius für Klinische Psychologie und Gesundheitspsychologie an der Universität Trier und Forscher auf den Gebieten Klinische, Medizinische und Gesundheitspsychologie. Er publizierte vor allem als Lothar R. Schmidt.

Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lothar R. Schmidt studierte von 1959 bis 1963 an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken Psychologie. 1963 erwarb er das Diplom. Im Jahr 1967 promovierte er mit dem Thema Einstellungen gegenüber Autoritätspersonen und selektives Gedächtnis bei Kindern an der gleichen Universität. Seine Habilitation erfolgte im Jahr 1972 am Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg.

Berufliche Tätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Anschluss an sein Diplomstudium arbeitete er als wissenschaftlicher Assistent bzw. Akademischer Rat am Psychologischen Institut der Universität des Saarlandes in Saarbrücken von Juni 1963 bis Dezember 1970.

Von 1970 bis 1971 ging er als Research Assistant Professor an die University of Illinois zu Raymond B. Cattell, einem der führenden Persönlichkeitspsychologen seiner Zeit.

Nach seiner Rückkehr und der Habilitation erhielt er eine Professur für Medizinische Psychologie am Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg, die er von 1972 bis 1980 innehatte. Er war dort Direktor der Fachrichtung Medizinische Psychologie und Klinische Psychologie sowie von 1977 bis 1979 auch Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität des Saarlandes.[1]

1980 ging er zum neu aufzubauenden Fachbereich Psychologie an der Universität Trier und war dort bis zu seiner Emeritierung 2001 Lehrstuhlinhaber für Klinische Psychologie und Gesundheitspsychologie. Er arbeitete dabei besonders eng mit Peter Schwenkmezger und dem gleichfalls aus Saarbrücken stammenden Leo Montada zusammen. Von 1983 bis 1985 war er dort Dekan der Fachbereiches Psychologie, von 1987 bis 1990 Vizepräsident der Universität Trier.

Wissenschaftliche Leistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während des Aufenthaltes bei Cattell und auch danach beschäftigte er sich mit dem Konzept der sogenannten Objektiven Tests[2], was in der Adaptation und Mit-Herausgabe einer Objektiven Testbatterie (OA-TB) nach Cattell und einigen Anwendungsstudien seinen Niederschlag fand.[3]

Vor allem die Gesundheitspsychologie und ihre Verschränkung mit der Klinischen und Medizinischen Psychologie bildeten den wissenschaftlichen und fachpolitischen Schwerpunkt seiner Tätigkeit. Er war Mitautor mehrerer Lehrbücher (u. a. ein in 2 Auflagen erschienenes Lehrbuch der Klinischen Psychologie sowie mit Peter Schwenkmezger ein Lehrbuch der Gesundheitspsychologie) und Mitherausgeber mehrerer Fachzeitschriften, so der Zeitschrift für Gesundheitspsychologie oder einem Themenheft Gesundheitspsychologe der Zeitschrift für Klinische Psychologie.[4]

Im Jahr 1974 war er der erste Schriftleiter der neubegründeten Zeitschrift Medizinische Psychologie.[5] Im Jahre 1979 trug er aktiv zur Gründung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Psychologie bei und war bis 1981 Vorsitzender des Gründungsvorstandes.

In seinem letzten Buch Klinische Psychologie Entwicklungen – Reformen – Perspektiven analysiert er die Situation dieses Gebietes und stellt aufgrund seiner langjährigen Erfahrungen einige Perspektiven vor, welche die Umsetzung bestimmter Reformvorschläge erfordern würden. Ein besonderes Anliegen waren ihm dabei die Gemeindepsychologie und die Sozialpsychiatrie. Der Psychologie empfahl er, sich trotz der Mängel und Begrenzungen dieser Ansätze dem Spannungsfeld der Sozialpolitik und der sozialen Gerechtigkeit zu stellen und dieses mit ihren Methoden zu analysieren. Ein Spannungsfeld sah er auch im Verhältnis von Gemeindepsychologie und Public Health und machte sich insgesamt stark für die Auseinandersetzung mit den der Klinischen Psychologie und Psychiatrie innewohnenden breiten "dialektischen Spannungsfeldern".[6] Er pflegte den anregenden Blick über die fachlichen Gartenzäune.

Persönliches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schmidt war verheiratet mit Hilde Schmidt, einer Psychologin und Erziehungswissenschaftlerin, die als Anne Hildeschmidt publiziert.

Ausgewählte Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geschichte Uniklinikum mit Übersicht aller Dekane
  2. Objektiver Test in DORSCH Lexikon der Psychologie
  3. OA-TB 75 - Objektive Testbatterie (PSYNDEX Tests Review)
  4. Themenheft Gesundheitspsychologie (Zeitschrift für Klinische Psychologie / Forschung und Praxis) von Lothar R Schmidt und Peter Schwenkmezger (Herausgeber) 1992
  5. Chronik der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Psychologie (Memento des Originals vom 26. April 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.dgmp-online.de
  6. Lothar Schmidt: Klinische Psychologie, Entwicklungen - Reformen - Perspektiven. Dgvt-Verlag, Tübingen 2001, S. 297–447.
  7. Lehrbuch der Gesundheitspsychologie Enke, Stuttgart 1984
  8. Psychologische Aspekte medizinischer Maßnahmen Springer Verlag (1992)