Louis Gerverot

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Louis Victor Gerverot (* 8. Dezember 1747 in Lunéville, Frankreich; † 6. Januar 1829 in Bevern, Landkreis Holzminden) war ein französischer Unternehmer und Porzellanmaler. Von 1797 bis 1814 leitete er die Porzellanmanufaktur Fürstenberg im Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Der Sohn eines Musikers erlernte das Porzellanhandwerk und arbeitete bis 1795 in verschiedenen europäischen Porzellanmanufakturen, unter anderem in den Jahren 1766/67 in Fürstenberg.

Im Jahr 1797 wurde ihm die Leitung der Porzellanmanufaktur Fürstenberg übertragen, die sich zu dieser Zeit in einer wirtschaftlichen Krise befand. Gerverot gelang es, der Manufaktur Anfang des 19. Jahrhunderts zu einem neuen Aufschwung zu verhelfen. Er veranlasste Verbesserungen der betrieblichen Abläufe. Außerdem steigerte er das künstlerische Niveau der Porzellanprodukte und führte den Empirestil in Fürstenberg ein.[1]

Zu den wichtigsten Abnehmern des Fürstenberger Porzellans gehörte der Hof von Jérôme Bonaparte, dem König von Westfalen und Bruder des französischen Kaisers Napoleon Bonaparte.Gerverot gelang es, Jérôme für die Fürstenberger Porzellanerzeugnisse zu interessieren. Fürstenberg wurde in den Rang einer „Manufacture Royale“ erhoben und fertigte für Jérômes Hofstaat aufwendiges Zierporzellan sowie Gebrauchsgegenstände im Empirestil.[2]

Wegen seiner guten Beziehungen zum westfälischen Hof wurde Gerverot 1814 von der Braunschweiger Regierung als Kollaborateur des in der Zwischenzeit gestürzten Jérôme beschuldigt. Die Leitung der Porzellanmanufaktur wurde ihm entzogen. Zwischen 1815 und 1825 war er Direktor der Fayence-Manufaktur Wrisbergholzen. In Anerkennung seiner Verdienste bewilligte ihm die Braunschweiger Regierung im Jahr 1820 eine Pension und ein Wohnrecht im Schloss Bevern. Gerverot starb 1829.[1]

Im Jahr 2008 würdigte eine Ausstellung im Museum Schloss Wilhelmshöhe in Kassel die engen Verbindungen zwischen Gerverot und seiner Fürstenberger Porzellanmanufaktur mit König Jérôme und dem westfälischen Hof. Gerverots Fürstenberger Porzellan wurde "als Teil der Tischkultur und Raumkunst der Zeit" charakterisiert.[3]

Literatur[Bearbeiten]

  • Charlotte Jacob-Hanson: Further Findings on the Life and Career of Louis Victor Gerverot. In: American Ceramic Circle Journal, Volume XIV, 2010
  • Charlotte Jacob-Hanson: Louis Victor Gerverot in a new light: his early years and bird painting, 1766-1773 - Biography. In: Magazine Antiques, Jan. 2004
  • Dieter Lent: Gerverot, Victor Louis. In: Horst-Rüdiger Jarck, Günter Scheel (Hrsg.): Braunschweigisches Biographisches Lexikon: 19. und 20. Jahrhundert. Verlag Hahnsche Buchhandlung, Hannover 1996, ISBN 3-7752-5838-8, S.207

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Vgl. Dieter Lent: Gerverot, Victor Louis. In: Horst-Rüdiger Jarck, Günter Scheel (Hrsg.): Braunschweigisches Biographisches Lexikon: 19. und 20. Jahrhundert. Verlag Hahnsche Buchhandlung, Hannover 1996, S.207
  2. Vgl. Museum Schloss Wilhelmshöhe, Kassel: Weißes Gold für "König Lustik" – Jérôme Bonaparte und die Königliche Porzellanmanufaktur Fürstenberg. Ausstellung 18. April bis 7. September 2008, Programmheft, S. 7 (PDF; 2,7 MB)
  3. Vgl. Museum Schloss Wilhelmshöhe, Kassel: Weißes Gold für "König Lustik" – Jérôme Bonaparte und die Königliche Porzellanmanufaktur Fürstenberg. Ausstellung 18. April bis 7. September 2008