Porzellanmanufaktur Fürstenberg

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Porzellanmanufaktur Fürstenberg GmbH
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Rechtsform GmbH
Gründung 1747
Sitz Fürstenberg, Deutschland
Leitung Stephanie Saalfeld
Mitarbeiter 99 (2015)
Umsatz 5,4 Mio EUR (2015)
Branche Porzellan
Website www.fuerstenberg-porzellan.com

Die Porzellanmanufaktur Fürstenberg ist eine Porzellanmanufaktur in Fürstenberg in Niedersachsen.[1] Sie wurde dort 1747 gegründet und hatte ab etwa 1750 ihren Sitz im Schloss Fürstenberg. 1972 wurde die Produktion in neue Fertigungsgebäude neben dem Schloss verlagert. Das Porzellan wird als das „Weiße Gold der Weser“ vermarktet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fürstenberg ist die zweitälteste bis heute am selben Standort produzierende Porzellanmanufaktur Deutschlands. Die Manufaktur wurde am 11. Januar 1747 vom Hofjägermeister Johann Georg von Langen (1699–1776) im Auftrag von Herzog Karl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel (1713–1780) gegründet.[2] Die Gründung erfolgte im Zuge der kameralistischen Wirtschafts- sowie Bevölkerungspolitik des Herzogs und diente dem Aufbau eines Manufakturwesens im Braunschweigischen Weserdistrikt in der Zeit des aufblühenden Merkantilismus. Bei Fürstenberg boten sich zur wirtschaftlichen Nutzung die reichen Holzvorräte und der regional vorhandene Rohstoff Kaolin an, der bei Neuhaus im Solling abgebaut wurde und in der Glasurmühle im Dorf Fohlenplacken aufbereitet wurde. Zur Produktion von echtem Porzellan für den Markt kam es erst nach mehrjährigen Experimenten.

Betrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Alte Mühle mit erstem Laboratorium und Versuchsbrennöfen in Fürstenberg
Sechs Reihenwohnhäuser für Manufakturbeschäftigte in Fürstenberg

Der Manufakturbetrieb zur Herstellung von Porzellan entstand etwa 500 Meter östlich vom Schloss Fürstenberg. In einem ab 1744 vom Erfinder Johann Bessler als Windmühle unvollendet erbauten Steingebäude mit Fachwerkaufsatz wurde 1747 ein Laboratorium mit Trocken- und Brennöfen eingerichtet. Darin nahm der technische Leiter seine Wohnung; bis in die 1980er Jahre wohnten Werksangehörige der Porzellanmanufaktur in dem Gebäude. In unmittelbarer Nähe der sogenannten Windmühle befindet sich ein großes Steinhaus, das anfangs als Brennhaus genutzt wurde. Bei mehrjährigen Ausgrabungen bis zum Jahr 2012 wurden darin die ersten Brennöfen der Porzellanmanufaktur aus der Zeit um 1748-1750 freigelegt[3], die die ältesten in Europa nachgewiesenen Porzellan-Brennöfen darstellen.[4] Aus den Berichten des Hofjägermeisters Johann Georg von Langen an Herzog Karl I. ist zu entnehmen, dass ab etwa 1750 das Schlossgebäude Fürstenberg in den Manufakturbetrieb einbezogen wurde. Als 1753 noch immer nicht die richtige Porzellanmasse gefunden war, wurde der technische Leiter entlassen. Erst durch einen von der Höchster Porzellanmanufaktur abgeworbenen Mitarbeiter kam das Wissen um die Porzellanherstellung 1753 nach Fürstenberg und die Produktion setzte mit hohen Stückzahlen ein. Im selben Jahr verfügte Herzog Karl I., die Porzellanstücke mit einem blauen „F“ zu versehen. Um namhafte Künstler an die Manufaktur zu binden, entstanden für Dreher, Former und Porzellanmaler 1754 sechs Reihenwohnhäuser. Mit ihren Mansarddächern erwecken sie einen schlossartigen Eindruck und sind ein frühes Beispiel des Werkswohnungsbaus.

Die reguläre Produktion erforderte größere Umbaumaßnahmen im Schloss Fürstenberg, die von 1755 bis 1757 erfolgten. Dazu gehörte der Bau von Brennöfen im Schlossgebäude und im Schlossgraben, die Anlage von Holzlagern sowie die Einrichtung von Arbeitsräumen für Dreher, Maler und Former. In der rund 200-jährigen Produktionszeit verdichtete sich die Bebauung im Schlossbereich immer weiter. 1840 wurde vor die Renaissance-Fassade ein Flachbau für die Dreherei gesetzt. Erst nach einem Brand im Schloss 1974 wurden die nachträglich erbauten Produktionsgebäude zur Wiederherstellung der historischen Schlossanlage abgerissen.

In Braunschweig wurden 1756 eine Hauptniederlassung mit Warenlager und ein Zweigbetrieb für Buntmalerei eröffnet[5], in dem so bekannte Maler wie Pascha Johann Friedrich Weitsch für die Manufaktur tätig waren.

1774 machte die Fürstenberger Manufaktur erstmals Gewinn und durfte neben der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin auch eine Verkaufsniederlassung in Berlin eröffnen. 1859 entschloss sich die Braunschweiger Regierung, das Unternehmen zu verpachten. 1888 erfolgte die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft.

Im 19. Jahrhundert soll die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff die Porzellanmanufaktur in Fürstenberg als das „rauchende Schloss“ bezeichnet haben. [6]

20. und 21. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1906 wurde zusätzlich eine Malerei in Dresden eröffnet. Durch eine Überschwemmung wurden 1923 die Brennöfen zerstört. Im Zuge der Weltwirtschaftskrise in den 1920er Jahren brach auch der Verkauf der Manufaktur ein und sie musste 1926 vorübergehend schließen. Mit Exporten in die USA konnte die Produktion weiter betrieben werden.

1957 formte der Werksmodelleur Walter Nitzsche das Niedersachsenpferd, das bis heute das offizielle Staatsgeschenk des Landes Niedersachsen ist. Auch der Landkreis Holzminden hat für Ehrungen und Auszeichnungen einen Porzellanteller mit dem Merian-Stich vom Kloster Amelungsborn schaffen lassen.

Produktionsgebäude unterhalb von Schloss Fürstenberg
Produktionshallen mit Sheddach, im Hintergrund das Schloss

Die Braunschweigische Staatsbank,[7] ein Vorgängerinstitut der Norddeutschen Landesbank (NORD/LB), übernahm 98 Prozent der Anteile an der Manufaktur und wandelte sie 1966 innerhalb ihrer Tochtergesellschaft Braunschweig GmbH zu einer GmbH um. Mit zwei Prozent ist der Landkreis Holzminden beteiligt. 1972 wurden die neuen Fertigungshallen unterhalb des Schlosses bezogen und die Produktion aus dem historischen Schloss ausgelagert. Insgesamt gab es zu jener Zeit 550 Mitarbeiter. 1993 wurde mit der Reorganisation der Produktion und dem Einbau moderner Brennöfen begonnen. Ein Teil der Gebäude steht auf Erbbaurechtsgrundstücken, die der Braunschweig-Stiftung, einem Teil der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz gehören.[8]

Im Jahr 2004 mussten wegen sinkenden Absatzes rund 40 von 150 Mitarbeitern entlassen werden. Die Jahresumsätze lagen in den Jahren nach der Finanzkrise ab 2007 um 5 Mio. Euro, wobei nach Konsumzurückhaltung Verluste von der Muttergesellschaft aufgrund eines Ergebnisabführungsvertrages übernommen wurden. Entsprechend der branchenspezifischen Marktsituation, die Überkapazität und Preisdruck kennzeichnet, ist das Geschäft mit Standardware defizitär und soll durch Wachstum im Luxussegment verbessert werden.[9] Diese Geschäftsentwicklung entspricht der seit den späten 1970er Jahren anhaltenden Krise in der deutschen Porzellanindustrie, ausgelöst durch gesellschaftliche Veränderungen und Billigimporte aus anderen Ländern, wobei sich in jüngerer Zeit eine Trendwende im gehobenen bis luxuriösen Preissegment abzeichnet.

Ein neues Corporate Design wurde eingeführt und 2011 mehrfach prämiert. Zur Kundschaft der Porzellanmanufaktur gehören auch 5-Sterne-Hotels wie Schloss Fuschl in Hof bei Salzburg oder das Grand Hotel Heiligendamm. Zudem gibt es in Fürstenberg ein Factory Outlet.

Leitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Uhrengehäuse, um 1760

Geschäftsführerin ist seit Mai 2010 Stephanie Saalfeld, die Anfang 2010 bereits Geschäftsführerin für Verwaltung und Produktion war und zuvor seit 1999 kaufmännische Leiterin.

Ehemalige Leiter und Geschäftsführer:

  • 1747–1763 Johann Georg von Langen
  • 1763–1769 Bernhard August Trabert
  • 1769–1790 Johann Ernst Kohl zusammen mit einem gewissen Kaulitz
  • 1790–1796 Carl August Wilhelm Hellwig und Heinrich Ludwig Hampe
  • 1797–1814 Louis Victor Gerverot
  • 1821–1825 Carl Prössel
  • 1821–1825 Georg Leschen
  • 1825–1856 Wilhelm Julius Anton Stünkel
  • 1856–1861 Johann Carl Prössel (Sohn von Wilhelm Heinrich Christian Prössel und ab 1859 als Pächter) zusammen mit dem Kaufmann Georg Friedrich Schmidt
  • 1861–1872 ? Freytag zusammen mit Heinrich Witte.
  • 1872–1876 Heinrich Witte allein
  • 1876–1888/1895 Friedrich Heinrich Hermann (Fritz) Barttlingck, bis 1895 als Direktor tätig, dann als privater Eigentümer
  • 1895–1902 ? Gürtler
  • 1902–1919 Johann Kruse
  • 1919–1934 Arthur Mehner
  • 1934–1945 Fritz Kreikemeier, zuvor Direktor der Arzberg-Porzellan
  • 1945–1946 Otto Wiese und ? Sommer
  • 1946–1949 Otto Wiese allein
  • 1949−1993 u.a. Fritz Kreikemeier
  • 1993–2010 Christian Hirsch

Museum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schloss Fürstenberg beherbergt seit 1957 das Museum Schloss Fürstenberg als Museum der Manufaktur und gibt einen Überblick über deren Produktion von den Anfängen zur Zeit des Rokoko bis zum heutigen Tage. Weitere nennenswerte Fürstenberg-Sammlungen finden sich in den norddeutschen Museen von Braunschweig, Bremen, Schwerin und Wolfenbüttel sowie in Weimar.

Künstler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Porzellanmalerei
Urna med lock - Hallwylska museet - 87142.tif
Urna med lock - Hallwylska museet - 87143.tif


Potpourri mit Landschaftsmotiven von Pascha Johann Friedrich Weitsch, um 1770, Hallwylska-Museum, Stockholm

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Fürstenberg porcelain – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sie ist beim Amtsgericht Hildesheim unter Nr. HRB 110416 im Handelsregister eingetragen.
  2. Erich Achterberg: Braunschweigische Staatsbank. Braunschweig, 1965, S. 45.
  3. 3D-Scan der ältesten Porzellanbrennöfen
  4. Vorgängerbauten der Porzellanmanufaktur in Fürstenberg/Weser in Gefahr! in Weisse Mappe 2014 des Niedersächsischen Heimatbundes, S. 17
  5. Thomas Krueger: Die Braunschweiger Niederlassung und Buntmalerei der Porzellanmanufaktur Fürstenberg als Ausflugsziel im 18. Jahrhundert in: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte, Band 84, 2012, hrsg. von der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen
  6. Weserbergland: unterwegs im Märchenland
  7. Ebenfalls eine Gründung Herzog Karls I.
  8. Website der SBK. Abgerufen am 27. Dezember 2014.
  9. Siehe Jahresabschluss 2015 im Elektronischen Bundesanzeiger.

Koordinaten: 51° 43′ 56,1″ N, 9° 23′ 56,7″ O