Luder

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Das Luder bezeichnet in der Jägersprache ein totes Tier, das zum Anlocken von Raubtieren verwendet wird. Das Luder wird an einem Luderplatz ausgelegt. Inzwischen werden solche Luderplätze auch von Naturschützern angelegt, um Vögel, insbesondere Geier und Rotmilane, und Raubtiere zu füttern.[1] Als Schindluder wurde früher totes oder krankes Vieh bezeichnet, das zum Abdecker (Schinder) gebracht wurde. Das Schindluder wurde in früheren Jahrhunderten auf den Schindanger geworfen und den Aasfressern (Geiern, Raben und Krähen usw.) überlassen.

Geschichte des Worts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wort lässt sich im Mittelhochdeutschen und in mitteldeutschen Dialekten als luoder oder lûder nachweisen, wo es – mal im Maskulinum, mal im Neutrum stehend – in der Falknerei eine Lockspeise für Beizvögel bezeichnet:

„ich schrai und lies mein luder laufen umbe […]
dô begund er (der falke) keren,
als er das luder sæhe.“

– Aus: Der Minne-Falkner

Später erweiterte sich die fachsprachliche Bedeutung hin zum Aas oder Kadaver im Bereich der Jägersprache; auf der anderen Seite wird Luder ein Synonym für Lockspeise oder -mittel im allgemeinen Sprachgebrauch, wie der folgende Vers von Fischart aus dem Flöhaz von 1573 zeigt:

„sonder beid mann und weib sich fleiszen,
das sie uns alle schmach beweisen
mit leimruten und gprentenwein,
und was dergleichen luder sein.“

Weitere Wortbedeutungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gegen Ende des 20. Jahrhunderts wurde das Wort „Luder“ durch verschiedene Medien eine populäre Bezeichnung für Frauen, die im Ruf stehen, ihre Reize einzusetzen, um prominente Männer zu verführen und dadurch die eigene Karriere zu beschleunigen. In Komposita wie Boxenluder, Partyluder und Promiluder war es im Sprachgebrauch der Medien verbreitet. Luderliga wurde bei der Wahl für das Wort des Jahres 2001 auf den 7. Platz gewählt. Im Lexikon der bedrohten Wörter (Rowohlt 2005, S. 124) schrieb Bodo Mrozek:

Das Wort Luder kann auf eine erstaunliche Begriffskarriere in den 1990er Jahren zurückblicken, als die Gazetten plötzlich einen neuen Typus Frau entdeckten, der mit Hilfe unkonventioneller Methoden die Aufmerksamkeit prominenter Personen sucht.

Heute wird der Begriff in den Medien weniger verwendet, da das Phänomen der Party- und Boxenluder Vergangenheit zu sein scheint. In der Umgangssprache gehört das Wort Luder aber mittlerweile zum allgemeinen Sprachgebrauch und beinhaltet meist eine sexuelle Konnotation.

Im Deutschen Wörterbuch der Brüder Grimm werden weitere Bedeutungen aufgeführt:

  • ein Wort für unbrauchbare Sachen: „mit diesem Luder von einer Feder kann man nicht schreiben“
  • ein Schimpfwort für „Liederliches Frauenzimmer“. In dieser Nebenbedeutung wird der Ausdruck auch heute wieder, hauptsächlich von Boulevardmedien, benutzt. Vergleiche auch Boxenluder.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Luder – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  • Luder (Deutsches Wörterbuch von Jakob und Wilhelm Grimm)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Adrian Aebischer: Der Rotmilan – ein faszinierender Greifvogel. Haupt Verlag, Bern, 2009; ISBN 978-3-258-07417-7. S. 161–162.