Luderplatz

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Ein Luderplatz[1] ist ein Ort mit einer jagdlichen Einrichtung zum Anlocken von fleischfressenden Tieren.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Luder ist ein Begriff aus der Jägersprache. Damit werden tote Tiere bezeichnet, die sich zur Verwendung am Luderplatz eignen.

Jagdliche Durchführung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Anlocken dient der Beobachtung und der Bejagung von Raubwild und Federwild, soweit dieses durch das Jagdrecht zur Bejagung freigegeben ist. Bevorzugt anzulockende Tiere sind der Fuchs, aber auch Marder und Greifvögel (s. u.). Als Lockmittel werden Teile von Tieren (z. B. Innereien, bzw. Aufbruch), auch Fisch, verwendet (Gegensatz: „Kirrung“ = Einsatz von vegetarischen Lockmitteln, auch Eiern und Käse). Auch Haustierfutter (für Hunde und/oder Katzen; Feuchtfutter und Trockenfutter) wird verwendet. In Deutschland ergeben sich aus den Bundes- und Landesjagdgesetzen und den Fleischhygienevorschriften klare Eingrenzungen zur erlaubten Verwendung von Luder und welche sonstigen Vorkehrungen zu treffen sind, um Mensch und Umwelt vor schädigenden Einflüssen zu schützen. So ist es verboten, tote Haus- und Schlachttiere sowie Teile davon auszubringen. Es sind ausschließlich Teile von gesundem Wild zugelassen. Es ist nicht zulässig, Luderplätze in Wasserschutzgebieten und in Bereichen und an Wegen, die regelmäßig von Menschen aufgesucht werden (Wege, Grillplätze, Spielplätze, Sportplätze etc.), anzulegen.

Luder wird meist flach eingegraben oder mit Steinen und auch gerne mit „Mist“ (bevorzugt gebrauchte Einstreu für Pferde) abgedeckt. Die anzulockenden Tiere sollen mit dem Freilegen und Fressen des Luders längere Zeit beschäftigt sein und so Zeit für Beobachtung und Bejagung erlangt werden.

Sogenannte „Luderschächte“ als senkrecht eingegrabene Rohre, die mit Luder gefüllt werden, sind nicht mehr üblich. Das Luder ist für das anzulockende Wild nicht erreichbar und die Geruchsbelästigung erheblich.

Unterstände zur Beobachtung oder Bejagung des Wilds am Luderplatz werden als Luderhütte oder Luderhaus bezeichnet.

Weitere Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Inzwischen werden Luderplätze auch von Naturschützern angelegt, um Vögel, insbesondere Geier und Rotmilane, sowie Raubtiere zu füttern.[2] Dies wirkt allerdings kontraproduktiv zu etwaigen parallel laufenden Vergrämungsmaßnahmen.

Seit Anfang des 21. Jahrhunderts haben EU-Richtlinien zur Hygiene dazu geführt, dass das Ausbringen von toten Tieren und Teilen davon bis auf wenige Ausnahmen (jagdliche Luderplätze) verboten bzw. stark eingeschränkt wurde. Dies führte z. B. zu Rückgängen der Bestände von Geiern in Spanien. Naturschützer legten deshalb z. B. in Spanien, Frankreich und Italien Futterplätze unter veterinärmedizinischer Kontrolle als Ersatz für die früheren Schindanger an.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Haseder, S. 516
  2. Adrian Aebischer: Der Rotmilan - ein faszinierender Greifvogel. Haupt Verlag, Bern, 2009; ISBN 978-3-258-07417-7. S. 161–162