Ludwig (Württemberg)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Herzog Ludwig

Ludwig, auch Ludwig der Fromme, (* 1. Januar 1554 in Stuttgart; † 28. August 1593 ebenda) war von 1568 bis 1593 der fünfte regierende Herzog von Württemberg.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ludwig "der Fromme" von Württemberg

Ludwig war der einzige überlebende Sohn des Herzogs Christoph (1515–1568) und stand nach dessen Tod zunächst unter Vormundschaft seiner Mutter Anna Maria von Brandenburg-Ansbach, des Herzogs Wolfgang von Zweibrücken und der Markgrafen Georg Friedrich von Brandenburg-Ansbach und Karl von Baden, in deren Namen Graf Heinrich von Castell die Verwaltung des Landes führte. Allmählich wurde der Thronfolger in die Regierungsgeschäfte eingeführt und übernahm zunehmend politische Aufgaben. Im Jahr 1577 nahm Herzog Ludwig die Einladung des Kurfürsten Friedrich von der Pfalz zu Verhandlungen über ein Bündnis der protestantischen Fürsten an. Obwohl die englische Königin Elisabeth I. dieses Vorhaben unterstützte, kam das Bündnis nicht zustande. Herzog Ludwig unterzeichnete jedoch die Konkordienformel von 1577 und das Konkordienbuch von 1580 in eigenem Namen und als Mitvormund für die Markgrafen Ernst Friedrich (1560–1604) und Jakob III. (1562–1590) von Baden[1]. Formell übernahm er einer Bestimmung seines Vaters gemäß die Regierung erst in seinem 24. Lebensjahr (1578), nachdem er schon mehrere Jahre hindurch im Wesentlichen selbständig regiert hatte.

Ahnentafel von Herzog Ludwig

Später stand Herzog Ludwig bei erneuten Verhandlungen im Jahr 1585 einem allgemeinen protestantischen Bündnis kritisch gegenüber. Er befürchtete, durch ein solches Bündnis mittelbar die Calvinisten zu unterstützen. Aber er wollte auch das Verhältnis zum Kaiser und zu den Reichsfürsten nicht belasten. In seiner Regierungszeit beteiligte er sich an keinem Krieg. Er unternahm jedoch zwei kleinere Feldzüge. Als Graf Ludwig von Löwenstein 1579 die Oberlehnsherrlichkeit des Herzogs nicht anerkennen wollte, zwang ihn Herzog Ludwig dazu mit militärischem Druck. Aufgrund eines kaiserlichen Befehls zog er 1591 gegen den Obristen Konrad von Pappenheim Conrad von Pappenheim, der widerrechtlich Besitzungen am Bodensee besetzt hatte. Was die Regierungstätigkeit anbelangt, so wurde Herzog Ludwig lange Zeit unterschätzt. Der Tübinger Historiker Volker Press urteilte: „Man kann die Zeit Herzog Ludwigs geradezu ein silbernes christophorisches Zeitalter nennen“.[2] Zweifelsohne sprach der Herzog dem Alkohol in einem Maß zu, das selbst für die damalige Zeit ungewöhnlich war. Warnungen wegen dieses riskanten Lebenswandels ignorierte er. Aber er erledigte gewissenhaft seine Regierungsgeschäfte und setzte politisch eigene Akzente. Dabei belastete ihn die Tatsache, dass seine Ehen kinderlos blieben und er damit keinen thronfolgeberechtigten Sohn hatte. Als überzeugter Protestant förderte der Herzog die württembergische Landeskirche und trieb deren strukturellen Aufbau, den sein Großvater Herzog Ulrich und sein Vater Herzog Christoph begonnen hatte, voran. In seiner Regierungszeit wurden in vielen größeren Dörfern deutsche Schulen eingerichtet. Aber Herzog Ludwig interessierte sich auch für theologische Fragen, über die er mit den Theologen diskutierte. Als Landesherr eines der bedeutenden protestantischen Territorien im Reich schickte er Gesandtschaften zu verschiedenen Religionsgesprächen. Am Stuttgarter Hof wurde eine standesgenmäße Repräsentation gepflegt. Herzog Ludwig ließ Ritterspiele und aufwändige Jagden veranstalten, aber es fanden auch Trinkgelage statt. Daneben betrieb er wie kein anderer württembergischer Landesherr vor und nach ihm eine dynastische Propaganda. Er ließ herrschaftliche Gebäude und Kirchen mit Stammbäumen und Wappentafeln ausstatten. In Stuttgart wurde auf sein Geheiß nahe dem Schloss das Neue Lusthaus erbaut, in dem die Büsten seiner Ahnen aufgestellt wurden.[3]

Grabmal des Ludwig von Württemberg in der Stiftskirche Tübingen

Am 28. August 1593 verstarb Herzog Ludwig im Alter von 39 Jahren ohne Nachkommen. Er wurde im Chor der Tübinger Stiftskirche beigesetzt. Das prunkvolle Grabmal in der Grablege der württembergischen Herzöge wurde von Christoph Jelin geschaffen. In erster Ehe heiratete der Herzog 1575 Dorothea Ursula von Baden-Durlach (1559–1583), Tochter von Markgraf Karl II. von Baden-Durlach (1529–1577). Nachdem seine Frau verstarb, schloss er 1585 mit Ursula von Pfalz-Veldenz († 1635), Tochter des Pfalzgrafen Georg Johann von Lützelstein (1543–1592), eine zweite Ehe.

Münzwesen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ein sehr rarer Güldensthaler Herzogs Ludwig zu Würtemberg und Teck, von A. 1574.[4][5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Otto von Alberti: Ludwig, Herzog von Württemberg. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 19, Duncker & Humblot, Leipzig 1884, S. 597 f.
  • Gerhard Raff: Hie gut Wirtemberg allewege. Band 1: Das Haus Württemberg von Graf Ulrich dem Stifter bis Herzog Ludwig. 6. Auflage. Landhege, Schwaigern 2014, ISBN 978-3-943066-34-0, S. 574–588.
  • Manfred Rudersdorf: Ludwig. In: Sönke Lorenz, Dieter Mertens, Volker Press (Hrsg.): Das Haus Württemberg. Ein biographisches Lexikon. Kohlhammer, Stuttgart 1997, ISBN 3-17-013605-4, S. 114–116.
  • Eberhard Fritz: Monument der Herrschaftssicherung: Dynastische Propaganda im Stuttgarter Lusthaus. In: Nikolai Ziegler (Bearb.): „Eine der edelsten Schöpfungen deutscher Renaissance“. Das Neue Lusthaus zu Stuttgart. Begleitbuch zur Ausstellung im Hauptstaatsarchiv Stuttgart. Stuttgart 2016, S. 22–32. (betrifft Herzog Ludwig)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Ludwig von Württemberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. BSLK, S. 16 und S. 763f.
  2. Volker Press: Herzog Christoph von Württemberg (1550–1568) als Reichsfürst. In: Wolfgang Schmierer/Günter Cordes/Rudolf Kiess/Gerhard Taddey (Hrsg.): Aus südwestdeutscher Geschichte. Festschrift für Hans-Martin Maurer. Stuttgart 1994. S. 382.
  3. Eberhard Fritz: „...solche Freundtschafft wider ernewert und gemehret worden“. Württembergische Stammtafeln als konstitutive Medien im Konflikt zwischen Württemberg und Habsburg. In: Mareike Menne/Michael Ströhmer (Hrsg.): Total Regional. Forschungen zur frühneu-zeitlichen Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Festschrift für Frank Göttmann zum 65. Geburtstag. Regensburg 2011, S. 115–128.
  4. Detailangabe zum Bild
  5. Matthäus Heinrich Herold: Dem Münzvergnügen gewidmete Nebenstunden, oder Beschreibung von hundert Stück merkwürdiger und seltener Gold- und Silber-Münzen. Abbildungen und biografische Angaben auf S. 325 bis 328
VorgängerAmtNachfolger
ChristophHerzog von Württemberg
1568–1593
Friedrich I.