Dieter Mertens (Historiker)

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Dieter Mertens (* 9. Januar 1940 in Hildesheim; † 4. Oktober 2014 in Freiburg im Breisgau) war ein deutscher Historiker. Er war zuletzt emeritierter Professor an der Universität Freiburg.

Leben[Bearbeiten]

Dieter Mertens studierte Geschichte und Latein an den Universitäten Freiburg und Münster. Nach dem Staatsexamen 1967 in Geschichte und Latein in Freiburg folgte dort auch seine Promotion 1971 Otto Herding. Die 1976 erschienene Dissertation befasste sich mit der Rezeption der Werke des Kartäusers Jakob von Paradies. Seine Habilitation erfolgte 1977 in Freiburg. Die Habilitationsschrift Reich und Elsass zur Zeit Maximiliajns I. Untersuchungen zur Ideen und Landesgeschichte im Südwesten des Reiches am Ausgang des Mittelalters blieb ungedruckt. Mertens war von 1966 bis 1968 wissenschaftlicher Mitarbeiter der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Von 1973 bis 1979 war er Assistent am Institut für geschichtliche Landeskunde der Universität Freiburg.

Im Jahr 1979 erhielt Mertens das Heisenbergstipendium, 1980/81 eine Lehrstuhlvertretung an der Universität Augsburg (Mittelalterliche Geschichte). Von 1984 bis 1991 hatte er den Lehrstuhl für mittlere und neuere Geschichte mit Schwerpunkt Landesgeschichte und Historische Hilfswissenschaften an der Universität Tübingen inne. Zugleich war er Direktor des Instituts für Geschichtliche Landeskunde und Historische Hilfswissenschaften in Tübingen (als Nachfolger von Hansmartin Decker-Hauff). 1991 wurde er als Nachfolger von Karl Schmid (Mediävist) auf den Lehrstuhl für mittelalterliche Geschichte in Freiburg berufen und blieb dort bis zu seiner Emeritierung 2005.

Mertens war seit 1985 Mitglied in der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg und dort zwischen 1995 und 2005 stellvertretender Vorsitzender. Außerdem war er seit 1999 ordentliches Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften und seit 2001 Mitglied im Wolfenbütteler Arbeitskreis für Renaissanceforschung.

Forschung[Bearbeiten]

Mertens hat sich – wie sein Lehrer Herding – vor allem auf dem Feld der Humanismus-Forschung einen Namen gemacht. Sein wichtigster Beitrag war die Mitherausgeberschaft an der monumentalen Ausgabe des Briefwechsels von Jakob Wimpfeling.

Mertens hat eine Fülle von Beiträgen zu Personen des elsässischen und schwäbischen Humanismus und zur Universitätsgeschichte von Tübingen und Freiburg vorgelegt, aber auch wichtige Studien und Überblicksdarstellungen zur württembergischen Landesgeschichte.[1] Mertens hat sich mit der frühen Geschichte der Herren von Württemberg befasst. Bei der Rekonstruktion der Herkunft meinte Mertens, dass es sich um Verwandte der Salier handeln könnte.[2]

Einem größeren Publikum wurde Mertens Anfang November 2006 bekannt, als es ihm gelang, im Badischen Handschriften- und Kulturgüterstreit (2006–2009) zwischen dem Land Baden-Württemberg und des Hauses Baden den Beweis zu führen, dass – entgegen der Ansicht der Landesregierung von Baden-Württemberg unter Ministerpräsident Günther Oettinger – die Markgrafentafel von Hans Baldung Grien nicht dem Haus Baden gehört, sondern bereits seit 1930 dem Land.[3]

Für diesen Nachweis, besonders jedoch für sein Lebenswerk, wurde Mertens 2007 mit dem Schillerpreis der Stadt Marbach am Neckar ausgezeichnet.

Schriften[Bearbeiten]

  • Ein vollständiges Schriftenverzeichnis erschien in: Sabine Holtz, Albert Schirrmeister, Stefan Schlelein (Hrsg.): Humanisten edieren. Gelehrte Praxis im Südwesten in Renaissance und Gegenwart (= Veröffentlichungen der Kommission für Geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg. Bd. 196) Kohlhammer, Stuttgart 2014, ISBN 3-17-023380-7, S. 245–265.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Birgit Studt: Arbeit am Humanismus. Zum Tod des Freiburger Historikers Dieter Mertens. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 9. Oktober 2014, Nr. 234, S. 12.
  2. Dieter Mertens: Zur frühen Geschichte der Herren von Württemberg. Traditionsbildung - Forschungsgeschichte - neue Ansätze. In: Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte Bd. 49 (1990) S. 11–95.
  3. Dieter Mertens: Der Baldung-Grien-Code. Wer will denn ein Bild kaufen, das ihm schon gehört? Günther Oettinger haut acht Millionen auf den Kopf. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2. November 2006, Nr. 255, S. 39. Vgl. dazu auch den Weblog Archivalia