Lutz Klinkhammer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Lutz Klinkhammer (* 13. November 1960 in Trier) ist ein deutscher Neuzeithistoriker. Als Referent für die Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts am Deutschen Historischen Institut in Rom tritt er vor allem durch Arbeiten zur italienischen Zeitgeschichte in Erscheinung.

Wissenschaftliche Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klinkhammer hat Geschichte, Kunstgeschichte und Politikwissenschaft an der Universität Trier studiert, und dort 1985 den Magister Artium erlangt[1]. Anschließend war er als Stipendiat des Deutschen Historischen Instituts in Rom 1986/1987 für die Erstellung der Ausstellung zur Institutsgeschichte anlässlich der Hundertjahrfeier 1988 verantwortlich. Infolge seiner Rückkehr nach Trier war er dort von 1988 bis 1991 in einem von Wolfgang Schieder geleiteten Forschungsprojekt als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig („Zur Geschichte von Säkularisation und Mediatisierung in den linksrheinischen Gebieten unter französischer Herrschaft 1798-1814“). Im Jahr 1991 wurde er in Trier promoviert. Von 1992 bis 1999 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität zu Köln.
Seit 1999 ist er in der Nachfolge Jens Petersens Referent für den Forschungsbereich des 19. und 20. Jahrhunderts am Deutschen Historischen Institut in Rom.
Im Kollegjahr 1997/1998 war Klinkhammer Förderstipendiat am Historischen Kolleg in München. Als Feodor-Lynen-Stipendiat der Alexander von Humboldt-Stiftung hielt er sich 1998–1999 zu Forschungszwecken an der Universität Paris IV (Sorbonne) auf. Von 2001 bis 2002 vertrat er eine Professur im Bereich Neueste Geschichte an der Universität Pavia. Außerdem lehrte er an der Universität Tuscia in Viterbo (2002–2004), sowie am Dipartimento Politica, Istituzioni, Storia der Universität Bologna (2006). 2009–2012 war Klinkhammer Mitglied der Deutsch-italienischen Historikerkommission. Ab 2010 folgten mehrere Lehraufträge an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. 2016 wurde Klinkhammer habilitiert und lehrt seitdem als Privatdozent.[2] 2018 wurde er mit dem Fiuggi Storia Europa ausgezeichnet.[3]

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lutz Klinkhammers 1993 erstmals veröffentlichte Dissertationsschrift Zwischen Bündnis und Besatzung. Deutschland und die Republik von Salò 1943–1945 nannte Wolfgang Schieder „eine differenzierte Analyse der deutschen Besatzungsstruktur in Italien von 1943–45“. Klinkhammer arbeitete unter anderem die polykratische Struktur der nationalsozialistischen Besatzungsherrschaft heraus und verwendete dabei laut Schieder mehr Quellen als der italienische Historiker Enzo Colllotti in seiner 1963 erschienenen Pionierstudie.[4]

Klinkhammers 1992 veröffentlichter langer Aufsatz über den Kunstschutz der deutschen Militärverwaltung in Italien 1943–45 gilt als „immer noch grundlegend“.[5]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1994: Premio Acqui Storia für das Buch L'occupazione tedesca in Italia 1943-1945
  • 2018: Fiuggi Storia Europa

Mitgliedschaften und weitere Funktionen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mitglied des Editorial Board der Zeitschrift Journal of Modern Italian Studies
  • 2000–2006: Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Istituto nazionale per la storia del movimento di Liberazione in Italia
  • 2009–2012: Mitglied der von den Außenministern der Italienischen Republik und der Bundesrepublik Deutschland eingesetzten Deutsch-Italienischen Historikerkommission

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein vollständiges Schriftenverzeichnis findet sich auf der Homepage des Deutschen Historischen Instituts in Rom.[6]

  • als Herausgeber mit Christoph Cornelißen und Wolfgang Schwentker: Erinnerungskulturen. Deutschland, Italien und Japan seit 1945 (= Fischer. 15219, Die Zeit des Nationalsozialismus.). Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-596-15219-4 (2. Auflage. ebenda 2004, ISBN 3-596-15219-4).
  • Zwischen Bündnis und Besatzung. Das nationalsozialistische Deutschland und die Republik von Salò 1943–1945 (= Bibliothek des Deutschen Historischen Instituts in Rom. Bd. 75). Niemeyer, Tübingen 1993, ISBN 3-484-82075-6 (Zugleich: Trier, Universität, Dissertation, 1991; in italienischer Sprache: L' occupazione tedesca in Italia. 1943–1945. Bollati Boringhieri, Turin 1996, ISBN 88-339-1000-8).
  • Die Abteilung „Kunstschutz“ der deutschen Militärverwaltung in Italien 1943–1945. In: Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken. Bd. 72, 1992, S. 83–549 (Digitalisat).
  • als Herausgeber mit Christof Dipper und Alexander Nützenadel: Europäische Sozialgeschichte. Festschrift für Wolfgang Schieder (= Historische Forschungen. Bd. 68). Duncker & Humblot, Berlin 2000, ISBN 3-428-09843-9.
  • als Herausgeber mit Amedeo Osti Guerazzi und Thomas Schlemmer: Die „Achse“ im Krieg. Politik, Ideologie und Kriegführung. 1939–1945 (= Krieg in der Geschichte. 64). Ferdinand Schöningh, Paderborn u. a. 2010, ISBN 978-3-506-76547-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. http://dhi-roma.it/klinkhammer.html?&L=3D11 zu den Informationen in diesem Abschnitt.
  2. https://neueregeschichte.uni-mainz.de/lehrbeauftragte-und-privatdozenten/pd-dr-lutz-klinkhammer/ (abgerufen am 3. Mai 2019).
  3. https://www.agenziacomunica.net/2018/12/03/il-fiuggistoria-2018-i-vincitori/ (abgerufen am 10. Mai 2019).
  4. Wolfgang Schieder: Italien in der zeitgeschichtlichen Forschung Deutschlands. In: Neue Politische Literatur 38 (1993), S. 373–391, hier S. 379; Enzo Collotti: L' amministrazione tedesca dell'Italia occupata 1943 - 1945: studi e documenti. Lerici, Mailand 1963.
  5. Lutz Klinkhammer: Die Abteilung „Kunstschutz“ der deutschen Militärverwaltung in Italien 1943–1945. In: Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken. Bd. 72, 1992, S. 83–549, (Digitalisat). Zitat aus Kerstin von Lingen: [Rezension zu Christian Fuhrmeister, Johannes Griebel, Stephan Klingen u.a. (Hrsg.): Kunsthistoriker im Krieg]. In: Sehepunkte 12 (2012), http://www.sehepunkte.de/2012/11/21349.html, abgerufen am 4. Mai 2019.
  6. Schriftenverzeichnis PD Dr. Lutz Klinkhammer. Deutsches Historisches Institut in Rom, abgerufen am 20. Juli 2019.