Luzius Keller

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Luzius Georg Keller (* 9. Juni 1938 in Zürich[1]) ist ein Schweizer Romanist, Übersetzer und ein Proust-Spezialist.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Keller wurde 1964 bei Georges Poulet an der Universität Zürich promoviert und 1969 habilitiert. Er war ab 1970 ausserordentlicher, später bis zu seiner Emeritierung 2003 ordentlicher Professor für Französische Literatur von der Renaissance bis zur Gegenwart an der Universität Zürich.[1][2] Er ist bekannt als Proust-Übersetzer. Er hat Eva Rechel-Mertens’ Übertragung von Marcel Prousts Roman Auf der Suche nach der verlorenen Zeit vollständig überarbeitet, teilweise neu übersetzt und mit ausführlichen Anmerkungen versehen.

Proust-Handbuch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2010 kam sein umfangreiches und von den Feuilletons hochgelobtes enzyklopädisches Handbuch zum Werk Marcel Prousts heraus, eine überarbeitete, aktualisierte und stark erweiterte Fassung des von Annick Bouillaget und Brian C. Rogers herausgegebenen Dictionnaire Marcel Proust[3] von 2004.

Der ungleich grössere Umfang des Buchs belegt die rasche Entwicklung der internationalen Proust-Forschung.[4][5] Das Buch gibt umfassend Auskunft über Leben, Werk, Wirkung und Deutung von Marcel Proust. Nachzuschlagen sind in über 800 Einträgen sowohl die Orte, in denen Proust gelebt hat – Paris, Auteuil, Illiers, St. Moritz, Evian, Venedig, Cabourg – als auch diejenigen Orte, die als imaginierte – Combray, Balbec, Doncieres – im Roman von besonderer Bedeutung sind. Es gibt Auskunft über Prousts Bekannten- und Freundeskreis, seine Beziehungen zu Autoren, Künstlern und Komponisten, die er kannte oder auf die er sich in seinem Roman bezieht, sowie über die Proust-Rezeption weltweit.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monographien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Piranèse et les romantiques Français. Corti, Paris 1966 (Dissertation).
  • Palingene, Ronsard, Du Bartas. Trois études sur la poesie cosmologique de la Renaissance. Francke, Bern 1974 (Habilitationsschrift).
  • Proust lesen. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-518-38339-6.
  • Proust im Engadin. Insel, Frankfurt am Main 1998, ISBN 3-458-16900-8.
  • Proust et l’Alphabet. Ed. Zoé, Carouge 2012, ISBN 978-2-88182-866-9.
  • Proust 1913. Momentaufnahmen mit Rückblenden und Vorausblenden. Hoffmann und Campe, Hamburg 2013, ISBN 978-3-455-50216-9.
  • Lire, traduire, éditer Proust. Garnier, Paris 2015 ISBN 978-2-81244937-6

Übersetzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Marcel Proust: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Übers. Eva Rechel-Mertens. Revidiert von Luzius Keller. 7 Bände. Frankfurter Ausgabe. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1994–2001
  • Quarta lingua quadrophon. Vier Miniaturen von Luzius Keller zu vier rätoromanischen Gedichten und deren Übersetzung ins Deutsche, Französische und Italienische. Hrsg. Urs Engeler. Roughbook, Zürich 2011

Als Herausgeber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Übersetzung und Nachahmung im europäischen Petrarkismus. Studien und Texte (= Studien zur Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft, 7) Metzler, Stuttgart 1974, ISBN 3-476-00296-9
  • Marcel Proust Enzyklopädie. Handbuch zu Leben, Werk, Wirkung. Hoffmann & Campe, Hamburg 2009, ISBN 978-3-455-09561-6
  • Modern and Contemporary Swiss Poetry: An Anthology. Ed. and with an introduction by Luzius Keller. Dalkey Archive Press, [Champaign, Ill.] 2012, ISBN 978-1-56478-788-0

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Unübersetzbar #1, in Literarischer Monat. Das Schweizer Literaturmagazin, No. 33, Juli 2018 (Schwerpunkt: Übersetzen): Pierre Chappuis' ‘Taufdecke‘.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Kürschners Deutscher Gelehrten-Kalender. 17. Ausgabe (1996). Bd. 1, S. 684.
  2. Thomas Hunkeler: Drei Romanisten. In: Neue Zürcher Zeitung. 4. Juli 2003, abgerufen am 16. August 2015.
  3. Annick Bouillaget, Brian C. Rogers (Hrsg.): Dictionnaire Marcel Proust. Champion, Paris 2004, ISBN 2-7453-0956-0.
  4. Jürgen Ritte: Wegbegleiter ins Pharaonengrab. In: Neue Zürcher Zeitung. 23. Juni 2010, abgerufen am 15. August 2015.
  5. Rezensionen bei Perlentaucher, abgerufen am 15. August 2015.