Josef Albers

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Josef Albers vor seinem Bild "Franciscan" (1948), New York 1950, Foto: Hannes Beckmann

Josef Albers (* 19. März 1888 in Bottrop; † 25. März 1976 in New Haven, Connecticut) war ein deutscher Maler, Kunsttheoretiker und -pädagoge.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausbildung und Lehrjahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Albers erhielt von 1905 bis 1908 seine Ausbildung am Lehrerseminar in Büren und unterrichtete anschließend als Volksschullehrer, u. a. in Langenhorst[1] und Stadtlohn.[2] 1908 sah er zum ersten Mal Werke von Paul Cézanne und Henri Matisse im Museum Folkwang in Hagen. Durch Piet Mondrian inspiriert, malte er 1913 sein erstes abstraktes Bild. Nach dem Studium an der Königlichen Kunstschule in Berlin von 1913 bis 1915 sowie der Kunstgewerbeschule in Essen von 1916 bis 1919 studierte er an der Akademie der Bildenden Künste in Berlin und 1919–1920 bei Franz von Stuck an der Kunstakademie in München.

Wirken am Bauhaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1920 ging Albers - zunächst als Student - an das Bauhaus Weimar. Dort nahm er am so genannten Vorkurs von Johannes Itten teil, einer Klasse zur Vermittlung gestalterischer Grundlagen, in der die kontrastierenden Effekte von Formen und Farben im Zentrum des Studiums standen und die die Studierenden auf das weitere Studium in den verschiedenen Werkstätten des Bauhauses vorbereiten sollte.[3]

1923 erhielt Albers selbst einen Lehrauftrag zur Durchführung des Vorkurses, nachdem Johannes Itten das Bauhaus verlassen hatte. In dieser Zeit lag ein Schwerpunkt seiner Arbeiten in der Glasmalerei und der Gestaltung von Glasfenstern. Diese Arbeiten bildeten den Hintergrund für seine Bestellung zum Werkmeister in der Glasmalereiwerkstatt. Eines seiner Hauptwerke bildete das Ensemble von 18 Glasfenstern im Leipziger Grassi Museum, 1927 gefertigt und eingebaut, 1943 zerstört und 2011 rekonstruiert. 1925 wurde Albers von Walter Gropius als Jungmeister an das Bauhaus und zog mit dem Bauhaus nach Dessau. Dort wurde er von Gropius zum Bauhausmeister ernannt, leitete bis 1928 zusammen mit László Moholy-Nagy den Vorkurs, unter Leitung von Hannes Meyer alleine und nach dem Weggang von Marcel Breuer zusätzlich die Tischlerei. Albers vermittelte den Studierenden die Materialeigenschaften von Papier u. a. Stoffen wie die Wechselwirkungen von Material, Form und Funktion mit räumlichen Strukturen von Ressourcen-effizienten Konstruktionsprozessen.

Als 1930 Ludwig Mies van der Rohe die Leitung des Bauhauses Dessau übernahm, wurde Albers dessen Stellvertreter und zeigte 1932 in seiner ersten umfassenden Einzelausstellung seine Glasarbeiten von 1926 bis 1932 im Bauhaus Dessau. Er lehrte neben dem Vorkurs vor allem Glastechnik wie Holzverarbeitung und nach dem Umzug des Lehrbetriebs in Berlin von Oktober 1932 bis zur Schliessung des Bauhauses durch die Nationalsozialisten im April 1933 zusätzlich Zeichnen und Schrift.[4] Albers und seine Frau Anni Albers flohen mit Unterstützung von Philip Johnson 1933 in die USA.

Studium und Lehre am Black Mountain Colllege: Richard Buckminster Fuller (Mitte) und Josef Albers (links), 1948

Erfolge in den USA[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dessen Empfehlung gingen sie an die 1933 von dem Altphilologen John Andrew Rice gegründete Kunsthochschule Black Mountain College[5] in North Carolina, wo Albers ab dem 28. November 1933 bis 1949 auch in Projektstudien zusammen mit dem ehemaligen Assistenten von Oskar Schlemmer, Alexander Schawinsky, Richard Buckminster Fuller, John Cage, Merce Cunningham wie vielen anderen Künstlern lehrte und 1948/49 Rektor war.[6] Seine Schüler waren dort: Robert Rauschenberg, Donald Judd und Kenneth Noland. Von 1934 bis 1936 gehörte er der Pariser Künstlergruppe Abstraction-Création an. 1935 unternahmen Josef und Anni Albers ihre erste Studienreise nach Kuba und Mexiko, durch deren indigene Bau- und Webkunst sie beeindruckt und ihr späteres Schaffen beeinflusst wurden.1939 nahmen sie die amerikanische Staatsbürger an.

1950 wechselte Albers an die Yale-Universität, wo er von 1950 bis 1959 das Art Department leitete, u. a. Eva Hesse, Richard Serra, Richard Anuszkiewicz und Julian Stanczak seine Schüler waren.[7] Daneben hatte er zahlreiche Gastdozenturen (so in Harvard, Hartford, Havanna und Santiago de Chile). In den Jahren 1954 und 1955 lehrte er als Gastprofessor an der neu gegründeten Hochschule für Gestaltung in Ulm, die an die Lehrmethoden des Bauhauses Dessau anknüpfte und von Max Bill geleitet wurde.

Werk und Würdigung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hommage to the Square aus dem Josef-Albers-Museum auf einer Briefmarke der Bundespost, 1993

Albers experimentierte mit Farben, Formen, Linien, Flächen und ihren Wechselwirkungen auf die kognitive wie subjektive, optischen Wahrnehmung: „Nur der Schein trügt nicht“ Sein Werk zählt zur konkreten Kunst, mit seiner geometerisch-optischen Täuschungen neben dem von Victor Vasarely zu den Wegbereitern der Op-Art und mit seiner berühmten Hommage to the Square[8] zum Hard Edge. Mit dieser Serie dokumentiert er seine Untersuchungen über das Zusammenwirken (interaction of color, 1971)[9] von drei bis vier ineinandergefügten, ungemischt auf den Bildträger gespachtelten, quadratischen Farbflächen, deren Artikel-Nummern er auf der Rückseite der Bilder vermerkte, um zu verdeutlichen, dass ein Betrachter Farben für sich und miteinander je nach Umgebung völlig unterschiedlich wahrnimmt.

Josef Albers war Teilnehmer der documenta 1 im Jahr 1955 und der 4. documenta 1968 in Kassel. 1958 zeichnete ihn der Bundespräsident mit dem Verdienstkreuz Erster Klasse der Bundesrepublik Deutschland aus. Albers wurde 1968 in die American Academy of Arts and Letters und 1973 in die American Academy of Arts and Sciences gewählt, und wurde 1970 Ehrenbürger seiner Heimatstadt Bottrop, die später einen großen Teil seines Nachlasses als Schenkung von seiner Frau Anni Albers erhielt. Seit 1983 gibt es in Bottrop das didaktisch gestaltete Josef-Albers-Museum im Quadrat Bottrop.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seine bekanntesten Werke sind:

Josef Albers, Zwei Supraporten (1972) am alten Standort über dem Haupteingang des Erweiterungsbaus des Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte (1974 - 2009), Münster (Foto 2006)
  • 1920/21: Buntglasfenster für das Haus Sommerfeld
  • 1924: Park, Tate Gallery, London
  • 1926: 18 Fenster im Haupttreppenhaus des Leipziger Grassimuseum. Nach Kriegszerstörungen 2011 wiederhergestellt.
  • 1942: Folge Grafische Tektonik, Josef-Albers-Museum Quadrat, Bottrop
  • 1948: Variante: Braun, Ocker, Gelb, Öl auf Hartfaser, 45,7 × 64,7 cm
  • 1948–1953: Variante: Drinnen und Draußen, Öl auf Sperrholz, 44,8 × 67,4 cm, Wadsworth Atheneum, Hartford, Connecticut, USA
  • ab 1950: Serie Homage to the Square (Huldigung an das Quadrat), Josef-Albers-Museum Quadrat, Bottrop
  • 1962: Spring in, Auktion Dorotheum, Wien, Mai 2013
  • Josef Albers, Zwei Supraporten (1972), LWL Museum für Kunst und Kultur (2014) am neuer Standort "Pferdegasse" (Foto: 2015)
    1950/56: Study for Homage to the Square, Öl auf Masonit, 29.6 × 29,6 cm, Grisebach, Berlin, Mai 2014.

Sonderausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1968: Josef Albers zu seinem 80. Geburtstag. Lithografien - Serigrafien. Kestner-Gesellschaft, Hannover.
  • 1988: Josef Albers. Eine Retrospektive. Staatliche Kunsthalle Baden-Baden, Bauhaus-Archiv Berlin, Solomon R. Guggenheim Museum, New York City. Katalog.
  • 1998: Papierarbeiten von Josef Albers. Kunstmuseum Bonn. Katalog. Danach in Schwerin, Dessau, Ulm.
  • 1998: Anni und Josef Albers. Kunstmuseum Bern. Katalog DuMont.
  • 2011 wurde im Josef-Albers-Museum die Ausstellung Malerei auf Papier. Josef Albers in Amerika gezeigt, die vorher in München in der Pinakothek der Moderne vorgestellt worden war.
  • 2013/14 dokumentiert das Josef-Albers-Museum im Quadrat Bottrop in der Sonderausstellung Kunst als Erfahrung. Josef Albers als Lehrer Josef Albers als beliebten Pädagogen am Bauhaus, am amerikanischen Black Mountain College und an der Yale University. Dabei steht das entwickelte Sehen im Fokus, das nach Albers der Beginn einer künstlerischen Tätigkeit sein kann. So wird die innere Verbindung von Lehre und seiner eigenen künstlerischen Tätigkeit nachvollziehbar. Ausgestellte Unterrichtsbeispiele und Arbeiten seiner Studenten waren bislang kaum öffentlich gezeigt worden.[10]
  • 2017/18: Josef Albers in Mexico, Solomon R. Guggenheim Museum, New York[11][12]
  • 2018 in der Villa Hügel (Essen): interaction. josef albers[13]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Josef Albers: Interaction of Color – Grundlegung einer Didaktik des Sehens. Übersetzung aus dem Amerikanischen von Gui Bonsiepe. Nachdruck: DuMont, Köln 1997. Originalausgabe Yale U.P., New Haven 1963, erste deutsche Textausgabe DuMont, Köln 1970.
  • Josef Albers: Learning to see. Josef Albers as a Teacher, from Bauhaus to Yale; Katalog zur Ausstellung Kunst als Erfahrung. Josef Albers als Lehrer – der Maler und seine Schüler vom 15. Dezember 2013 bis 30. März 2014 im Quadrat Bottrop, mit Texten von Giovanni Iovane, Elisa Nocentini, Gregorio Battistoni, Brenda Danilowitz, Samuele Boncompagni, Roberta Panichi, Michael Beggs und einem Vorwort von Nicholas Fox Weber, Bivange 2013 (in englischer und italienischer Sprache).
  • Silke von Berswordt-Wallrabe (Hrsg.): Nur der Schein trügt nicht. Das Sehen als interaktiver Prozess. Kerber, Bielefeld 2008.
  • Brenda Danilowitz, Heinz Liesbrock (Hrsg.): Anni und Josef Albers. Begegnung mit Lateinamerika. Cantz, Ostfildern 2007, ISBN 978-3-7757-1988-9.
  • Nicholas Fox Weber: The Bauhaus Group: Six Masters of Modernism. Knopf, New York 2009, ISBN 978-0-307-26836-5.
  • Eckhart Gillen (Hrsg.): Deutschlandbilder. Kunst aus einem geteilten Land. Katalog zur Ausstellung der 47. Berliner Festwochen im Martin-Gropius-Bau, 7. September 1997 bis 11. Januar 1998, DuMont, Köln 1997, ISBN 3-7701-4173-3. (Katalogausgabe)
  • Kunsthaus Hamburg: josef albers • max hermann mahlmanngudrun piperhildegard strombergerwerner michaelis, 23. august bis 2. september 1963. o. O. u. D. [Hamburg 1963].
  • Hans Liesbrock (Hrsg.): Malerei auf Papier. Josef Albers in Amerika. Hatje Cantz, Ostfildern 2010, deutschsprachige Ausgabe: ISBN 978-3-7757-2586-6, englischsprachige Ausgabe: ISBN 978-3-7757-2587-3.
  • Wieland Schmied: Josef Albers. Zu seinem 80. Geburtstag. Lithografien - Serigrafien. Kestner-Gesellschaft, Hannover 1968.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Josef Albers – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Westfäische Nachrichten: Josef Albers im Heinrich-Neuy-Bauhausmuseum. Jetzt kommt ein wahrer Meister. WN, 8. Oktober 2014, abgerufen im 12. Mai 2018.
  2. MünsterlandZeitung.de: Kunstwerk des Monats Wie Josef Albers Stadtlohn sah. MünsterlandZeitung.de, 17. März 2011, abgerufen im 12. Mai 2018.
  3. Josef & Anni Albers Foundation, abgerufen am 15. März 2016.
  4. Bauhaus Online, abgerufen am 15. März 2016.
  5. Maria Becker: Wo soll Kunst entstehen, wenn nicht in der Natur? Das Black Mountain College war eine der folgenreichsten Schulen für die Kunst des 20. Jahrhunderts. Die Studierenden sollten mehr lernen als nur Kunst. NZZ, 9. Mai 2018, abgerufen im 12. Mai 2018.
  6. Josef Albers: Photographien 1928 - 1955. Hrsg.: Marianne Stockebrand. Schirmer/Mosel, München 1992, ISBN 3-88814-470-1, S. 127.
  7. art et culture: Josef Albers 1888-1976 teaching at Yale,1955. youtube, 15. Dezember 2017, abgerufen im 12. Mai 2018 (englisch).
  8. The Josef & Anni Albers Foundation: hommage to the square. Abgerufen im 12. Mai 2018 (englisch).
  9. The Josef & Anni Albers Foundation: interaction of color. Abgerufen im 12. Mai 2018 (englisch).
  10. Josef Albers Museum Quadrat Bottrop Aktuell: Kunst als Erfahrung. Josef Albers als Lehrer - der Maler und seine Schüler 15. Dezember bis 30. März 2014, abgerufen am 15. März 2016
  11. Solomon R. Guggenheim New York: Josef Albers in Mexico, abgerufen am 3. November 2017
  12. FAZ Frankfurter Allgemeine vom 1. Januar 2018: Josef Albers im Guggenheim. Gelobtes Land der Abstraktion, von Michael Watzka, abgerufen am 2. Januar 2018
  13. Villa Hügel Essen Homepage, abgerufen am 15. März 2018