Müllersches Volksbad

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Müller'sches Volksbad
Außenansicht

Außenansicht

Daten
Ort München
Baumeister Carl Hocheder
Baujahr 1901
Koordinaten 48° 7′ 55,5″ N, 11° 35′ 18″ OKoordinaten: 48° 7′ 55,5″ N, 11° 35′ 18″ O
Besonderheiten
Jugendstil-Bad
Eingang zum Müllerschen Volksbad
Die große Badehalle im Volksbad
Uhrenturm des Volksbades

Das Müllersche Volksbad (eigentlich: Müller'sches Volksbad) ist ein Hallenbad mit einer Sauna in München, welches von den Stadtwerken München (SWM) betrieben wird. Der neubarocke Jugendstilbau war bei seiner Fertigstellung 1901 das größte und teuerste Schwimmbad der Welt und das erste öffentliche Hallenbad der Stadt. Der Bau geht auf eine Spende des Münchner Ingenieurs Karl Müller an die Stadt München zurück, verbunden mit der Auflage, ein Bad für das "unbemittelte Volk" zu errichten.[1] Der Bau entstand nach einem Entwurf von Carl Hocheder. Das Bad zählt mit seiner Architektur und Innenausstattung zu den schönsten Badehäuser Europas.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Volksbad liegt am Anfang der Rosenheimer Straße in der Au zwischen Isar und Auer Mühlbach in unmittelbarer Nähe des Deutschen Museums und der Ludwigsbrücke. Das Gebäude steht unmittelbar an der Isar und hat einen Uhrenturm, in dem sich Reservewasser befindet, das den Wasserdruck konstant hält. Das Bad verfügt über zwei Schwimmbecken.

Das größere Becken (31 × 12 m) war ursprünglich das „Herrenbecken“. Das kleinere Becken (18 × 11 m) diente bis 1989 ausschließlich als "Damenbecken". Es wird noch heute etwas temperiert und einen schönen Massagewasserzulauf. Traditionell gibt es noch heute einen Frauenbadetag (dienstags von 15 bis 20 Uhr) in der Damenhalle.[1] Beide Becken sind entlang einer Achse getrennt, die eine gedankliche Fortsetzung des Wegs zum Schwimmbad ist. Das große Becken wird von einem eindrucksvollen Tonnengewölbe gekrönt. Im "Damenbad" befinden sich Holzkabinen rund um die Becken in Etagen mit Galerien angeordnet. Sie gewähren direkten Zutritt zum Badebereich.

Seit seinem Bau enthält das Bad ein römisch-irisches Dampfbad mit Freilufthof.[1] Das römisch-irische Schwitzbad (ca. 45° C) ist mit verschieden temperierten Warm- und Heißlufträumen (ca. 40 °C, ca. 60 °C und ca. 80 °C) ausgestattet.[1] Es wird ergänzt um ein Dampfbad (ca. 45° C), Finnische Sauna (ca. 90° C) mit Farblichtern, Kaltbecken, Warmbecken (ca. 34° C) und Ruhezonen.[1] Zur Entspannung zwischen den Saunagängen steht im Obergeschoss ein Raum mit Liegen zur Verfügung. Es werden Massagen angeboten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Architekt Carl Hocheder hatte zuvor in München das Brausebad in Haidhausen errichtet. Er ließ sich nun bei der Gestaltung von vielfältigen Vorbildern inspirieren: römische Thermenanlagen wie barocke Sakralbauten, Hammams und Moscheen, all das zusammengehalten von zeitgenössischen Jugendstilelementen. Die Fassade wird durch Fensterleibungen und Gesimse auf Pollinger Kalktuff gegliedert. Zu den reichhaltigen barockisierenden Schmuckelementen im Innern gehören breite Treppen, die in die Becken hinab führen, Wandmalereien mit marinen Motiven, Stuck, eine Bronzestatue im Hauptbecken, verzierte Eisengitter und Holzbrüstungen ebenso wie aufwändig gestaltete Uhren. Die Gestaltung der Schmuckelemente erfolgte durch Ernst Pfeifer, Hermann Hahn, Josef Flossmann, Ernst Andreas Rauch und andere. In der Decke sind drei Abluftöffnungen, über die zur Gründungszeit bei heißem Wetter kaltes Wasser im Bad zerstäubt wurde, was nach den Worten Hoheneders auch für eine „anmutige Verschönerung durch Bildung von Regenbogenfarben“[2] sorgte. Nach einer Bauzeit von vier Jahren fand die offizielle Eröffnung am 1. Mai 1901 statt. Der vom Prinzregenten inzwischen in den Adelsstand erhobene Ingenieur Karl von Müller war dabei anwesend.[3]

Bis 1978 befand sich im Untergeschoss ein Hundebad, ebenso wie anfangs 86 Wannenbäder und 22 Brausebäder zur Verfügung standen. Nachdem sich Badewannen und Duschen im 20. Jahrhundert fast flächendeckend in Privathaushalten verbreiteten, legte das Bad diese Anlagen schließlich still, behielt ein ursprüngliches Wannenbad zu Demonstrationszwecken und richtete im Untergeschoss in weit bescheidenerem Umfang ein neues Wannen- und Brausebad ein.

Die umfangreichsten Sanierungen fanden zwischen 1972 und 1999 statt und betrafen alle Teile des Bads. Die Stadtwerke München merken dazu an: "In liebevoller und aufwändiger Kleinarbeit wird es bis heute in nahezu allen Details originalgetreu erhalten."[1]

Filmkulisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wesentliche Sequenzen des Spielfilmes Deep End (1971) und des Filmes Suspiria (1977) wurden im Müllerschen Volksbad gedreht.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Günter Standl, Rupert Bachmann: Müller'sches Volksbad. Rosenheimer Verlagshaus, 2001, ISBN 3-475-53164-X.
  • Barbara Hartmann: Das Müller'sche Volksbad in München. tuduv-Verlagsgesellschaft, 1987, ISBN 3-88073-235-3.
  • Peter Klimesch: Isarlust. Entdeckungen in München. MünchenVerlag, München 2011, ISBN 978-3-937090-47-4.
  • Karl Hocheder: Das Müller’sche Volksbad in München. In: Deutsche Bauzeitung. XXXVI. Jahrgang, Nr. 70, 30. August 1902, S. 445–447. (Digitalisat); Nr. 71, 3. September 1902, S. 453; Nr. 72, 6. September 1902, S. 458. (Digitalisat) jeweils auf opus4.kobv.de
  • B. Kurtz: Müller'sches Volksbad im Spiegel des Jahrhunderts. Dersch Druck, 2001.
  • R. Schachner, G. Wimmer: Münchens Öffentliche Bade-Anstalten. Pareus, München 1908.
  • (Anonym): Münchener städtische Baukunst aus den letzten Jahrzehnten - II. Oeffentliche Gesundheitsbauten - Das Karl Müller'sche Volksbad. Callway, München 1912.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Müllersches Volksbad – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f SWM: Müllersches Volksbad | Hallenbad | Haidhausen, München. Stadtwerke München, 2020, abgerufen am 19. Februar 2020.
  2. Günter Standl, Rupert Bachmann: Müller'sches Volksbad. 2001, S. 25.
  3. Stadtarchiv München: Münchner Stadtchronik 1901, abgefragt am 8. Mai 2010.