Münzstätte Grünthal

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Die Saigerhütte Grünthal 1832. Bis 1825 befand sich hier die „Pfennigmünze zu Grünthal“

Die Münzstätte Grünthal wurde im „Althammer“ der Saigerhütte Grünthal im Erzgebirge unweit Olbernhau in der Kipper- und Wipperzeit im Jahr 1621 als Filiale der Münzstätte Dresden eingerichtet. Nach dem Ende der Kipperzeit und der Rückkehr zur Reichsmünzordnung ließ Kurfürst Johann Georg I. (1611–1656) die Münze 1623 schließen. Von 1752 bis 1755 wurde die Kapazität des Hammers erneut für die Münzprägung genutzt.[1] In diesem Zeitraum prägte die Münze Kupfermünzen für das Königreich Polen. Von 1804[2] bis zur endgültigen Schließung des Münzbetriebes im Jahr 1825 erfolgte die gesamte Kupferausmünzung für Sachsen in Grünthal.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kipper- und Wipperzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfennig 1621 ohne Mmz., Kippermünze Grünthal

In der Zeit der Geldverfälschung, der Kipper- und Wipperzeit, wurde die Monopolstellung der Dresdner Münze mit der Errichtung von Kippermünzstätten durchbrochen. Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen ließ im Althammer der Saigerhütte Grünthal von 1621 bis 1623 einseitig geprägte Billonpfennige ohne Münzmeisterzeichen herstellen. Die Münzstätte Grünthal war die einzige sächsische Kippermünzstätte, die auf die Prägung von Pfennigen spezialisiert war. Eine weitere Besonderheit war, dass die Münzstätte nicht wie die zahlreichen anderen Land- und Pachtmünzen der Kipperzeit selbständig münzte, sondern dem Dresdner Münzmeister Heinrich von Rehnen unterstand. Die Hütte war seit 1567 im Besitz der Wettiner, wodurch sich die übergeordnete Leitung der Münze durch den „Kurfürstlich-Sächsischen Münzmeister“ erklärt. Die Prägung der Pfennige ließ der Hüttenschreiber und Schichtmeister August Rothe mit den in der Münzstätte Dresden geschnittenen Stempeln ausführen. Mit dem Ende der Kipperzeit im Jahr 1623 wurde im Kurfürstentum Sachsen wieder nach der Reichsmünzordnung geprägt, der Kurfürst August (1553–1586) 1571 beigetreten war. Georg I. ließ die Kippermünzstätte 1623 schließen.

Carl Christoph von Brandenstein war kurfürstlicher Kammerrat und Ratgeber des Kurfürsten. Die Prägung der Kippermünzen lag in Sachsen in seiner Verantwortung. Er suggerierte dem Kurfürsten, das Land könne aus der Dresdner Münze nicht ausreichend mit Geld versorgt werden. Auf seine Anordnung wurden zahlreiche neue Landmünzen angelegt und verpachtet. Über sein Wirken ist wenig bekannt, da wahrscheinlich allzu aufschlussreiche Akten beseitigt wurden.[3]

Siehe auch: Kippertaler

Kupfermünzen für Polen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zusammenhang mit den Bestrebungen, das polnische Münzwesen zu reformieren, wurde die Kapazität des Althammers von 1752 bis 1755 erneut für die Münzprägung genutzt. Für das Königreich Polen prägte die Saigerhütte Grünthal Szelagi (Schillinge)[4] und Groszy[5] (Groschen im Wert von 3 Schillingen) mit dem Brustbild Augusts III. (1733–1763) und dem gekrönten Wappenschild in Kartusche. Die Kupfermünzen tragen kein Münzmeisterzeichen. Da seit 1749 in der Münzstätte Guben (Gubin), in der Nähe der damaligen polnischen Grenze, diese Nominale ebenfalls geschlagen wurden, ist eine sichere Zuordnung der Münzen zu einer dieser beiden Münzstätten nicht möglich. In beiden Münzstätten wurden große Mengen geprägt. Allein im Jahr 1753 waren es rund 25.000.000 Schillinge und 260.000 Groschen. Die Ausprägung der Gold- und Silbermünzen für Polen erfolgte in der dafür spezialisierten Münzstätte Leipzig. Als im Jahr 1756 die preußischen Armeen Friedrichs II. im Siebenjährigen Krieg Sachsen besetzten, wurden die Prägungen eingestellt.

Verlegung der Kupferausmünzung von Dresden nach Grünthal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die kurfürstliche Saigerhütte lieferte bis 1802 die Platten für die Herstellung der Kupfermünzen an die Münzstätte Dresden. Die hohen Transportkosten führten 1803 zum Versuch, direkt am Herstellungsort der Münzrohlinge die Kupfernominale zu prägen. Die in Grünthal geprägten ersten Münzen waren Dreier ohne Münzmeisterzeichen mit der Inschrift III/PFENNIGE/1803 und die kurz darauf geprägten Pfennige. Die Münzen waren qualitativ nicht von denen in Dresden geprägten zu unterscheiden. Daraufhin wurde 1804 die gesamte Kupferausmünzung von Dresden nach Grünthal verlegt. Das waren die genannten Pfennige[6] und Dreier sowie die ab 1805 geprägten Heller und die 4-Pfennig-Stücke[7] ab der Jahreszahl 1808.

Blick auf den „Althammer“, ehemaliger Standort der Münzstätte, im heutigen Museumskomplex Saigerhütte Grünthal
Im „Althammer“

Nach der Einführung der Ringprägung in der Münzstätte Dresden wurde die Münzprägung in der „Pfennigmünze zu Grünthal“ 1825 aus technischen Gründen endgültig eingestellt.

Leiter der Münzstätte Grünthal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leiter von bis Münzmeisterzeichen Bemerkung
August Rothe 1621 1623 Hüttenschreiber und Schichtmeister
Johann Gotthelf am Ende 1752 1755
Johann Ernst Croll 1803 1804 C Samuel Gottlieb Helbig führte 1803/1804 mit Crollschen Stempeln noch als Saigerhüttenfaktor die ersten Prägungen aus.
Samuel Gottlieb Helbig 1804 1813 SGH, H
Johann Gotthelf Studer 1814 1825 S 1825 Einstellung der Münzprägung

Von 1804 bis 1825 wurden die Münzen unter der Aufsicht der Dresdner Münzmeister Croll, Helbig und Studer geprägt.

Münzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Münzen sind Belege für Münzprägungen in der Kipperzeit, der Kupfermünzenproduktion für das Königreich Polen und der späteren Kupferausmünzung für das Königreich Sachsen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lienhard Buck: Die Münzen des Kurfürstentums Sachsen 1763 bis 1806, Berlin 1981
  • Paul Arnold, Harald Küthmann, Dirk Steinhilber: GROSSER DEUTSCHER MÜNZKATALOG VON 1800 BIS HEUTE, Augsburg 1997
  • Walther Haupt: Sächsische Münzkunde, Berlin 1974
  • N. D. Nicol, Marian S. More, Fred J. Borgmann: Standard Catalog of GERMAN COINS 1601 to present
  • Gerhard Schön: Deutscher Münzkatalog 18. Jahrhundert, München: Battenberg, 1984
  • Grünthal, Saigerhütte Grünthal, Hinweis auf polnische Schillinge. In: August Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen. 3. Band. Schumann, Zwickau 1816, S. 615.
  • Rudolf Lorenz: Die Münzen des Königreichs Sachsen 1806–1871 und des Großherzogtums Warschau 1807–1815, Berlin 1968
  • Heinz Fengler, Gerd Gierow, Willy Unger: transpress Lexikon Numismatik, Berlin, 1976
  • Friedrich von Schrötter, N. Bauer, K. Regling, A. Suhle, R. Vasmer, J. Wilcke: Wörterbuch der Münzkunde, Berlin 1970 (Nachdruck der Originalausgabe von 1930)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lienhard Buck: Die Münzen des Kurfürstentums Sachsen 1763 bis 1806, Berlin 1981, S. 58
  2. Paul Arnold, Harald Küthmann, Dirk Steinhilber: GROSSER DEUTSCHER MÜNZKATALOG VON 1800 BIS HEUTE, Augsburg 1997, S. 257
  3. Walther Haupt: Sächsische Münzkunde. Dt. Verl. d. Wiss., Berlin 1974, S. 133
  4. mcsearch.info: Schilling 1751, Guben oder Grünthal
  5. Manfred Olding: Groschen 1754 H, Guben oder Grünthal, H.-Cz. 2885, Kahnt 699.
  6. mcsearch.info: Pfennig 1808 H, geprägt in Grünthal
  7. mcsearch.info: König Friedrich August I., 4 Pfennige 1808 H, Grünthal