MVG-Baureihe C

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U-Bahn München
Baureihe C
Munich subway C-Zug.jpg
Anzahl: C1: 18 Triebzüge
(108 Einzelwagen)
C2: 21 Triebzüge
(126 Einzelwagen)
Hersteller: Adtranz, Siemens
Baujahr(e): ab 2000
Achsformel: Bo'Bo'+Bo'Bo'+Bo'Bo'+
Bo'Bo'+Bo'Bo'+Bo'Bo'
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Länge über Kupplung: 113.980 mm
Höhe: 3.550 mm
Breite: 2.900 mm
Drehzapfenabstand: 12.000 mm
Leermasse: 160,0 t
Höchstgeschwindigkeit: C1: 80 km/h
C2: 90 km/h
Stundenleistung: 24×100 kW = 2400 kW
Stromsystem: 750 V Gleichstrom
Stromübertragung: seitliche, von unten bestrichene Stromschiene
Kupplungstyp: Scharfenbergkupplung
Sitzplätze: 252
Stehplätze: 666

Die Baureihe C ist momentan die jüngste eingesetzte Fahrzeuggeneration bei der Münchner U-Bahn. Die ab dem Jahr 2000 gebauten Fahrzeuge weichen von dem bisherigen Prinzip des Doppeltriebwagens ab und bilden erstmals eine durchgehende Einheit. Dadurch ist der Zug durchgängig einsehbar, was neben dem erhöhten Platzangebot auch ein Gefühl der subjektiven Sicherheit geben soll. Ab dem Jahr 2013 sollten weitere Fahrzeuge unter der Bezeichnung C2 geliefert werden, die vom Grundkonzept den C1-Serien entsprechen.[1] Die erste Lieferung erfolgte im Februar 2014.[2]

Entwicklung und Beschaffung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Typ Nummern Baujahre
C1.9 601-610 2000–2001
C1.10 611-618 2005
C2.11 701-721 2013–2015

C1[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ähnlich wie in Berlin kam in München 1997 zunächst die Frage auf, ob ein drei- oder ein sechsteiliger Zug die nächste Generation an Fahrzeugen stellen sollte. Schließlich fiel die Entscheidung für einen durchgehenden Langzug. Als Hersteller wurden Adtranz für den wagenbaulichen, sowie Siemens für den elektrischen Teil bestimmt.

Die neuen Wagen unterscheiden sich grundlegend von ihren Vorgängern, nicht nur optisch, sondern auch durch die durchgehende Begehbarkeit der Fahrzeuge. Die Kapazität wird durch die fehlenden mittleren Führerstände höher und die Züge werden im Preis günstiger. Allerdings können die Fahrzeuge in ihrer Länge nicht mehr den jeweiligen Verkehrsaufkommen angepasst werden, ein Verkürzen/Verlängern ist nur in der Werkstatt möglich. Daher werden sie fast ausnahmslos auf Linien eingesetzt, auf denen Langzüge verkehren.

Die Übergangsmöglichkeit bietet Fahrgästen die Möglichkeit, sich innerhalb des gesamten Zuges zu verteilen. Weiterhin erhöht die Übergangsmöglichkeit die Sicherheit der Fahrgäste, da man im Notfall durch den ganzen Zug bis zum Führerstand gehen kann. Bei schwacher Besetzung kann der Fahrer nicht nur per Video, sondern auch direkt durch den ganzen Zug schauen.

C-Wagen 601 kurz vor dem Bahnhof Garching-Hochbrück. Das Ziel des Zugs ist Garching-Forschungszentrum

Der Wagen 610 trägt das Garchinger Stadtwappen, da er von der Stadt Garching für die Verlängerung der U6 zum Forschungszentrum finanziert wurde.

C2[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

C2-Zug auf der InnoTrans 2014 in Berlin

Am 12. November 2010 gab die MVG die Bestellung von 21 neuen Fahrzeugen bei Siemens bekannt.[1] Das Investitionsvolumen liegt bei ca. 185 Millionen Euro. Für weitere 46 Fahrzeuge bestehen zwei Optionen zu je 23 Fahrzeugen, die bis 2016 bzw. 2020 in Festbestellungen umgewandelt werden können. Die 21 fest bestellten Züge wurden zwischen 2013 und 2015 ausgeliefert, konnten jedoch bis Mitte Juni 2016 nicht eingesetzt werden, weil die nötige Betriebszulassung von der Regierung von Oberbayern noch nicht erteilt wurde[3]. 14 Züge ersetzen ältere, auszumusternde Altfahrzeuge, die seit über 40 Jahren im Dienst sind. 7 Züge werden für den ersten Teil der MVG-Angebotsoffensive 2010–2020 benötigt. Die Fahrzeuge aus den Optionen könnten bei entsprechender Bestellung ab 2017/2018 ausgeliefert werden.

Der neue Zug (MVG-Typenbezeichnung C2.11) wird äußerlich weitestgehend dem 2002 erstmals eingesetzten Typ C (Serien C1.9 und C1.10, insgesamt 18 Züge = 108 Wagen) entsprechen. Folgende Veränderungen sind für den neuen C2.11 vorgesehen:

  • Vergrößerte Stehplatzbereiche in den Übergangsbereichen zwischen den Wagen, dadurch wird besserer Fahrgastfluss und höhere Kapazität erhofft
  • Farbige LED-Leuchtbänder in den Türkanten (zur besseren Erkennbarkeit des Öffnungs- und Schließvorgangs)
  • Veränderte Kopfform
  • Höhere Bauart-Geschwindigkeit 90 km/h anstatt bisher 80 km/h
  • Geringere Instandhaltungskosten und verbesserte Diagnosemöglichkeiten für raschere Störungsbehebung
  • Ausstattung mit Videoüberwachung, Fahrgastfernsehen und Brandschutzeinrichtungen bereits ab Werk
  • Vorrüstung für fahrerlosen Betrieb (Fahrerstand könnte entfallen bzw. reduziert werden; dadurch dann höhere Kapazität)

Der C2.11 bietet insgesamt 940 Fahrgästen Platz – statt bisher 912 beim C1. Das entspricht drei Prozent mehr Kapazität, und im Vergleich zum A- und B-Wagen kann der neue C-Zug acht Prozent mehr Fahrgäste aufnehmen. Dies basiert allerdings auf der Reduzierung der Anzahl der Sitzplätze und einer entsprechenden Erhöhung der Anzahl der Stehplätze.

Im Gegensatz zu dem C1 wird beim C2 auch der mechanische Teil von der Firma Siemens in München-Allach sowie in Wien gebaut werden. Dabei basiert das Fahrzeug technisch auf der neuen Inspiro-Fahrzeugplattform.[4]

C2-Zug 702 erreicht während des vorläufigen Betriebs auf der nördlichen U6 zwischen Garching und Münchner Freiheit den U-Bahnhof Studentenstadt

Das von Alexander Neumeister mitentwickelte Design der neuen Züge wurde im Februar 2013 mit dem Universal Design Award und im Juli 2013 mit dem Red dot design award ausgezeichnet.[5] Am 17. Juni 2016 erhielt der Zug 702 eine Zulassung durch die TAB für einen vorläufigen Einsatz zwischen Garching und Fröttmaning, die im Laufe des Tages zum Kieferngarten ausgedehnt wurde. Die Genehmigung für zwei weitere Wagen wird erwartet, der Einsatz auf weiteren Streckenabschnitten und für die übrigen Züge soll sukzessive erfolgen.[6] Mittlerweile verkehren mehrere Testzüge bis einschließlich Münchner Freiheit und seit 4. November 2016 fünf Züge auf der gesamten Linie U6 zum Klinikum Großhadern.[7] Seit dem 14. Juni 2018 fährt sie auch auf der gesamten Strecke der Linie U3.[8]

Aufbau und Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innenansicht

Der Aufbau der C-Wagen erinnert stark an die H-Wagen der Berliner U-Bahn. Ebenfalls wie diese ist das Fahrzeug allachsangetrieben und in je sechs Wagen, zwei Kopf- und vier Mittelwagen unterteilt. Der Wagenkasten der Fahrzeuge wurde in Aluminium-Integral- als auch Differentialbauweise erstellt und ist, wie bei den beiden Vorgängertypen A und B, 2,90 m breit. Der gesamte Zug hat eine Länge von ca. 114 m, davon sind die Kopfwagen 19,78 m und die Mittelwagen 18,82 m lang.

Wegen Problemen mit den Achsen mussten die 10 Wagen vom Typ C1.9 zwischen Dezember 2006 und April 2007 vorübergehend stillgelegt werden. Nach eingehenden Untersuchungen konnten die Züge jedoch wieder in Betrieb genommen werden.

Design[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Fahrzeugdesign wurde von Alexander Neumeister entworfen. Neben den großzügig verglasten Führerstandscheiben sieht das umgesetzte Modell auch großzügige Durchgänge zwischen den Wagen und besondere Abstellplätze für Kinderwagen, Rollstuhlfahrer und Fahrräder vor. Auffallend sind die tief nach unten gezogenen Seitenfenster und die geschwungenen Haltestangen im Inneren des Wagens.

Sitzplatzangebot[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hölzerne Längssitze

In den Mittelwagen sind abwechselnd Vis-à-vis-Plätze mit blauen Stoffpolstern sowie hölzerne Längssitze angebracht. Die Endwagen sind zum Zwecke eines größeren Platzangebots ausschließlich mit Längssitzen ausgestattet. Die Eingangsbereiche verfügen über gepolsterte Stehhilfen und neue, zusätzliche Haltemöglichkeiten. Der C1-Zug bietet im Vergleich zu einem Langzug der Typen A und B ca. 5 % mehr Fahrgästen Platz.

Im C2-Zug gibt es keine Holzbänke mehr, sondern nur noch gepolsterte Sitze. (Quelle: Faltblatt der MVG Münchner Verkehrsgesellschaft, August 2015, Artikel-Nr. 114149)

Türen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Fahrgastwechsel geht dank breiterer Türen schneller als bei den Vorgängern vonstatten. Außerdem können alle Türen vom Fahrerstand aus geöffnet werden. Wenn Gegenstände oder Personen eingeklemmt werden, wird die Tür nicht geschlossen. Allerdings kann die Tür bei mutwilliger Blockade auch sofort geschlossen werden. Das Schließen der Türen wird durch optische und akustische Signale angekündigt.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für ihr Design wurde die C2-Baureihe mit dem Universal Design Consumer Favorite 2013 (von den Verbrauchern vergeben) und dem Universal Design Award 2013 (vergeben von Fachleuten) ausgezeichnet [9]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • U-Bahn München#Fahrzeuge − Übersicht über die Fahrzeuge der U-Bahn München
  • BVG-Baureihe H − Vergleichbares, ebenfalls auf kompletter Länge durchgängiges Fahrzeug der U-Bahn Berlin
  • U-Bahn Wien Typ V − Vergleichbares, ebenfalls auf kompletter Länge durchgängiges Fahrzeug der U-Bahn Wien

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Martin Pabst: U- und S-Bahn-Fahrzeuge in Deutschland. 1. Auflage, GeraMond Verlag, München 2000, ISBN 3-932785-18-5
  • Wolfgang Pischek, Holger Junghardt: Die Münchner U-Bahn – unterirdisch durch die bayerische Landeshauptstadt. München 2002 (2. Aufl.), ISBN 3-7654-7194-1

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b MVG-Pressemitteilung: Modernisierungsschub für die Münchner U-Bahn (PDF-Datei; 131 kB)
  2. Medienservice von Siemens Rail Systems: Erster Münchner U-Bahn-Zug C2 vorgestellt. 21. Februar 2014, abgerufen am 15. Juni 2017 (HTML).
  3. Marco Völklein: MVG: Die einen warten, die anderen starten. In: sueddeutsche.de. ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 4. Mai 2016]).
  4. http://www.siemens.com/press/pool/de/pressemitteilungen/2010/mobility/IMO201011007d.pdf
  5. Siemens AG (Hrsg.): Ausgezeichnete U-Bahn von Siemens: Münchner C2-Zug erhält Design-Preis. Presseinformation vom 2. Juli 2013 (ähnliche Version als PDF-Datei online; PDF; 181 kB).
  6. C2 zwischen Garching und Fröttmaning im Einsatz In: Tramreport, 17. Juni 2016, abgerufen am 19. Juni 2016.
  7. Frederik Buchleitner: U-Bahn: C2-Fahrgasteinsatz bis Großhadern. Tramreport, 4. November 2016, abgerufen am 6. November 2016.
  8. Facebookseite der MVG. Abgerufen am 26. Juni 2018.
  9. https://www.swe.siemens.com/france/web/fr/sts/actualite/press/releases/Pages/metro_munich_design.aspx (frz.) abgerufen am 27. Oktober 2013

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: MVG-Baureihe C – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien