Majuskelschrift

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Inschrift der Trajanssäule (Capitalis monumentalis)
Vergleich
Textbeispiel Majuskelschreibung.png
Versalschrift
Textbeispiel Grossschreibung.png
Großschreibung


Majuskelschrift, Versalschrift oder Kapitalschrift[1][2] bezeichnet eine Schriftart[3] sowie auch eine Schriftauszeichnungsart, die ausschließlich Majuskeln (Großbuchstaben, in der Druckersprache auch Versalien genannt) verwendet und keine Minuskeln (Kleinbuchstaben). Beispiel: VERSALSCHRIFT.

Ein Beispiel für Majuskelschrift ist die Capitalis monumentalis, die sich in Rom bis etwa 100 v. Chr. ausbildete. Sie diente als Grundlage für die Entwicklung der heutigen Großbuchstaben.

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Den Begriff der Majuskelschrift gibt es nur in Schriften, die einen Unterschied zwischen Majuskeln und Minuskeln kennen, also beispielsweise das lateinische, kyrillische, griechische und armenische Alphabet, nicht dagegen etwa bei der chinesischen Schrift. Majuskel- oder Versalschrift ist nicht mit dem Begriff Großschreibung zu verwechseln, welcher die Verwendung von Groß- und Kleinbuchstaben bezeichnet.

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Versalschrift kann verwendet werden, um ein gleichförmiges Schriftbild zu erreichen, etwa in Überschriften, in Firmennamen, auf Plakaten, Schildern und Inschriften. Auch in längeren juristisch wichtigen Texten wie etwa Allgemeinen Geschäftsbedingungen („Kleingedrucktem“) wird häufig Versalschrift verwendet.

Auf Ausweisen wie etwa Personalausweisen sind die Angaben üblicherweise in Versalschrift.

Einzelne in Versalien geschriebene Wörter oder Phrasen in einem ansonsten normal gesetzten Text sollen diese betonen. Jedoch gilt die Verwendung von Versalschrift in bestimmten Medien wie Chats und Internetforen allgemein als An- oder Herumschreien, wenn es zuvor nicht anderweitig gekennzeichnet wurde, und widerspricht demzufolge den Regeln eines gepflegten Umgangstons.

In der handgeschriebenen Schrift wird die Majuskelschrift auch Blockschrift genannt. Sie ist eine Sonderform der Druckschrift, die nur Großbuchstaben verwendet. Blockschrift ist wegen ihrer besseren Lesbarkeit im Vergleich zur Schreibschrift oft beim Ausfüllen von Formularen vorgeschrieben. Sie findet auch in den handgeschriebenen Sprechblasen von Comics Anwendung, insbesondere in englischsprachigen Comics.

Für die bequemere Eingabe von Text in Versalschrift gibt es auf Schreibmaschinen- und Computertastaturen die Umschaltsperre.

Besonderheiten im Deutschen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Früher übliche Schreibweise von ß in Majuskelschrift als ‚SZ‘ auf einer Munitionskiste der Bundeswehr
Schriftzug „DIENST-GEBÆUDE“

Für das Deutsche ist zu beachten, dass es in Versalschrift erst seit dem 21. Juni 2017 das ‚ẞ‘ – das große ß oder „große scharfe S“ – gibt. Bis dahin musste jedes ‚ß‘ durch ‚SS‘ (früher auch ‚SZ‘ üblich) ersetzt werden (beispielsweise wurde „Weiß“ zu „WEISS“). Abweichend davon konnte, um Verwechslungen zu vermeiden, in Dokumenten (etwa in Deutschland in Personaldokumenten und der Einkommensteuererklärung) auch bei Großbuchstaben das kleine ‚ß‘ verwendet werden (Heinz Große → HEINZ GROßE).

Teilweise wird in Versalschrift, etwa bei Inschriften, auch auf die deutschen Umlaute verzichtet, die im originalen lateinischen Alphabet nicht vorkommen, und anstatt Ä, Ö, Ü wird AE, OE, UE geschrieben, oder eine Ligatur wie Æ.

Historische Majuskeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historische Majuskelschriften werden in vier Zeitepochen eingeteilt:

Griechische Majuskel (9. bis 3. Jh. v. Chr.)
im Unterschied zur griechischen Unziale (3. Jh. v. Chr. bis 12. Jh. n. Chr.) und der späteren griechischen Minuskel
Römische Majuskel (Capitalis) (7. Jh. v. Chr. bis 5. Jh. n. Chr.)
und
Unziale (4. bis 8. Jh. n. Chr.)
die ebenfalls eine Majuskelschrift ist, Halbunziale als Übergangsform und Minuskel
Gotische Majuskel (13. und 14. Jh.)
eine rein epigraphische Schrift, der auf Inschriften frühgotische (Ende des 11. bis 13. Jh.), gotische (14. Jh.) und spätgotische (16. Jh.) Minuskeln gegenüberstehen.

Typografisches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unterlängen beim J Q, und Ç in der Schriftart Trajan

Die Buchstaben haben bei Majuskelschrift – im Gegensatz zu Kapitälchen – grundsätzlich alle gleiche Höhen, gelegentlich können manche Buchstaben aber auch Unterlängen besitzen (insbesondere bei der Unziale, aber auch sonst etwa als Unterlänge beim J oder Q) oder die Oberlänge überragen (vgl. Liniensystem in der Typografie). Damit sich Majuskelschrift als Auszeichnungsart harmonisch in einen Fließtext einfügt, sollte sie um etwa zehn Prozent kleiner und leicht gesperrt gesetzt sein; dadurch wird ein gleichmäßiger Grauwert des Textes erreicht bzw. die aufeinanderfolgenden Majuskeln wirken optisch nicht größer als bei den übrigen normal gesetzten Wörtern. Selbiges kann auf Abkürzungen in Versalien angewendet werden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Brigitte Labs-Ehlert: Versalschreibung in althochdeutschen Sprachdenkmälern. Ein Beitrag über die Anfänge der Grossschreibung im Deutschen unter Berücksichtigung der Schriftgeschichte. Kümmerle, Göppingen 1993, ISBN 3-87452-794-8.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lexikon, Kapitalschrift
  2. Lexikon 2, Kapitalschrift
  3. Duden: Versalschrift

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]