Formular

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Steuererklärungen und -Anträge für deutsche Finanzbehörden

Ein Formular (siehe auch Vordruck) ist ein standardisiertes Mittel zur Erfassung, Ansicht und Aufbereitung von Daten. Formulare sind Vervielfältigungen, die durch Eintragungen zu ergänzen sind und der Bearbeitung häufig auftretender, gleichartiger Geschäftsfälle dienen und können entweder in Papier- oder elektronischer Form (z. B. Webformular) vorliegen. Formulare haben oft arbeitsvorbereitende Funktion.

Funktionen[Bearbeiten]

Wirtschaftliche Funktionen[Bearbeiten]

Ein großer Vorteil des Formulars ist, dass ein erheblicher Teil der Schreibarbeit gespart wird. Es entstehen weniger Fehler und daher sind wiederum weniger Korrekturen notwendig. Letztendlich resultiert auch eine geringere Einarbeitungszeit durch die Wiederholung. Elektronische Formulare bieten gegenüber Papierformularen zudem noch einige andere Vorteile, wie zum Beispiel die Kostenreduktion, da die Produktionskosten für den Druck entfallen, oder eine höhere Verfügbarkeit.[1]

Organisatorische Funktionen[Bearbeiten]

Der Inhalt wird in eine übersichtliche Ordnung gebracht, sodass wichtige Informationen nicht vergessen werden können. Außerdem sind so beschleunigte Arbeitsabläufe gewährleistet. Knappe Fragen bewirken knappe Antworten.

Serviceorientierte Funktionen[Bearbeiten]

Ein weiterer Gewinn besteht darin, den Kontakt zwischen Bürger und Verwaltung auf diese Weise zu vereinfachen.[2]

Erscheinungsformen[Bearbeiten]

In der Regel geben Formulare kurze Textfelder (zum Beispiel „Nachname“, „Vorname“, „Adresse“) und Einfach- (zum Beispiel „verheiratet: ja/nein“) oder Mehrfachauswahlfelder vor.

Formulare vereinfachen die Erhebung von Massendaten, sorgen für Vollständigkeit und schützen vor allfälligen Mehrdeutigkeiten, die bei freier Wortwahl oder z. B. einem formlosen Antrag auftreten können. Deshalb werden Formulare häufig von Behörden verwendet, um den Erfassungsvorgang zu externalisieren und rechtlich präziser zu machen.

Formulare finden sich auch in HTML-, Word- oder PDF-Dateien, in Programmiersprachen, Anwendungsprogrammen.

Aufgrund der kontinuierlichen Etablierung der elektronischen Signatur lösen immer mehr elektronische Formulare ihre gedruckten Versionen ab. Der Vorteil liegt insbesondere darin, dass Prozesse/Verwaltungsgänge komplett webbasiert abgewickelt werden können. Die Bindung an Öffnungszeiten sowie Transportwege entfallen. Ferner können die Daten effizient in Fachverfahren übernommen werden, wodurch sich Kostenreduzierungen und Bearbeitungsbeschleunigungen erzielen lassen. Moderne Formulare verfügen über eine Tag-Struktur, auf die Hilfsmittel für Blinde und Sehbehinderte zugreifen. Mithilfe von Screenreadern und Braillezeilen kann diese Personengruppe selbständig durch die Dokumente navigieren.

Bei Behörden wird zudem der Begriff Formblatt oder Vordruck verwendet.

Geschichte[Bearbeiten]

Ende des 7. Jahrhunderts wurde unter dem Titel Marculfi Formulae das erste Formularbuch veröffentlicht. Die darin enthaltenen forma (lat.) bestanden aus Vorlagen für Urkunden, in die nur noch Namen, Datierung und Ortsangaben eingesetzt werden mussten. Das Formularbuch wurde im fränkischen Reich verwendet und beeinflusste spätere, vergleichbare Sammlungen.

Vorgedruckte juristische Formulare aus dem frühen 19. Jahrhundert wurden von Rechtshistorikern entdeckt, welche stark vereinfachte und vorgefertigte Anklageschriften und viele andere juristische Schriftsätze enthielten. Es wird angenommen, dass sich Charles Babbage, ein Mathematiker und Erfinder, das Formular erdacht hat.[3]

Bei der fortgeschrittenen Technik heutzutage ist es mittlerweile Standard, Formulare auch mobil nutzen zu können. Formulare in elektronischer Form auf einem Smartphone oder Tablet verschaffen schnellen Zugriff und können so den Arbeitsalltag erleichtern.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Rayan Abdullah, Karsten Henze: Formulare - von der Wiege bis zur Bahre. Formulare im Corporate Design. Stiebner, München 2007, ISBN 978-3-8307-1339-5 (Beispielsammlung)
  • A. Erhardt Ewert: Formularservice im kreisangehörigen Raum. (= KWI-Projektberichte; 3). Kommunalwissenschaftliches Institut, Universität Potsdam 2007 (Volltext)
  • Borries Schwesinger: Formulare gestalten. Das Handbuch für alle, die das Leben einfacher machen wollen. Schmidt, Mainz 2007, ISBN 978-3-87439-708-7
  • Benedikt Burkhard: Eine kleine Geschichte des Formulars. In: Das Archiv - Magazin für Kommunikationsgeschichte, Ausgabe 1/2010, S. 6–13

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Formulare – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Formular – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Elektronische Formulare und ihre Vorteile. soft Xpansion, abgerufen am 8. März 2015.
  2. Riedmüller Erwin: Formulare - das wichtigste Kommunikationsmittel zwischen Bürger und Verwaltung, Wien 1993
  3. Charles Babbage: On the Economy of Machinery and Manufactures. S. 114, abgerufen am 8. März 2015.