Marc Morano

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Marc Morano (* 1968 in Washington, D.C.) ist ein US-amerikanischer konservativer Publizist: Er betreibt unter anderem das Blog Climate Depot für das Committee for a Constructive Tomorrow (CFACT), einer Frontgruppe, die zu den wichtigsten Organisationen der organisierten Klimaleugnerbewegung gezählt wird.[1] Morano gilt als aggressivstes Mitglied der amerikanischen Klimaleugnerszene.[2]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Morano wuchs in McLean in Virginia auf und erhielt einen Bachelor of Arts in Political Science an der George Mason University. Von 1992 bis 1996 arbeitete er für Rush Limbaugh und galt als dessen „Mann in Washington“.[3] Er spielte eine Schlüsselrolle in der Kampagne gegen den demokratischen Präsidentschaftskandidaten John Kerry während der US-Präsidentschaftswahl 2004. Anschließend war er für den republikanischen Senator James Inhofe tätig, bevor er schließlich seinen Blog ClimateDepot gründete.[4] Später übernahm er zusätzlich die Leitung der Kommunikationsabteilung von CFACT, einem konservative Think Tank, der unter anderem von der Ölindustrie finanziert wird.[5] Morano besitzt keine wissenschaftliche Ausbildung oder Expertise in Klimafragen,[2] er bezeichnet sich selbst als "Krieger" in den Kriegen ums Klima.[4]

Wirken und Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2000 behauptete er in einer von ihm produzierten TV-Reportage namens Amazon Rainforest: Clear-Cutting the Myths unter Berufung auf den ehemaligen Greenpeaceaktivisten Patrick Moore, der tropische Regenwald im Amazonasbecken sei keineswegs, wie von Umweltschützern behauptet, von Entwaldung bedroht.[6]

Von 2001 bis 2006 war Morano als Reporter für den Cybercast News Service (CNS) des Media Research Center tätig. 2004 brachten CNS und Morano die Kampagne der Swift Boat Veterans For Truth während der Präsidentschaftswahl 2004 gegen John Kerry, den Präsidentschaftskandidaten der Demokraten, an die weitere Öffentlichkeit.[7] Im Januar 2006 kam es zu einer ähnlichen Aktion gegen den Vietnamveteran John Murtha.[8][9]

Von 2006 bis 2009 arbeitete er als PR-Leiter der Republikaner beim Committee on Environment and Public Works für Senator James Inhofe. Im Dezember 2006 begann er auf der Website des Kongressausschusses zu bloggen. Großes Aufsehen erregte ein von ihm mitverfasster Report Over 400 Prominent Scientists Disputed Man-Made Global Warming Claims, der 2007 veröffentlicht wurde und mehr als 400 Wissenschaftler auflistete, die angeblich die anthropogene globale Erwärmung leugneten.[10] Kritiker wiesen darauf hin, dass die Liste 44 Wetteransager und 84 Empfänger von Industriegeldern enthielt und 70 Personen keinerlei Verbindung zur Klimawissenschaft hatten. Mehrere aufgelistete Forscher hatten keineswegs den menschengemachten Klimawandel bestritten.[11]

2009 startete Morano seine eigene Website Climate Depot.[12] Er spielte eine wichtige Rolle bei der Skandalisierung des Hackerzwischenfall am Klimaforschungszentrum der University of East Anglia als sog. "Climategate-Affäre", die er als "größte[n] Skandal der modernen Wissenschaft" bezeichnete. Bei dieser konzertierten Aktion im Vorfeld der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen 2009 wurden Emailaccounts von einer Vielzahl Klimaforscher gehackt und aus dem Kontext gerissene Zitate von Klimaforschern online gestellt, um ihre Autorität zu untergraben.[2] Im Nachhinein ergaben mehrere Untersuchungen, dass die betroffenen Wissenschaftler keinerlei Fehlverhalten begangen hatten.[4][2]

2011 trat er auf einer Pressekonferenz bei der UN-Klimakonferenz in Durban auf.[13] In den Jahren 2011 und 2012 war er häufig zu Gast in der Radiosendung des Verschwörungstheoretikers Alex Jones.[14] 2013 arbeitete er unter anderem für den konservativen Kongressabgeordneten David McKinley eine schriftliche Stellungnahme für ein Hearing im US-Repräsentantenhaus aus.[15]

Von Klimaforschern wird Morano vorgeworfen, hinter E-Mail-Kampagnen zu stehen, in denen Klimaforscher mit Hassmails und persönlichen Attacken angegriffen werden. Morano selbst sagt, er wünsche Klimaforschern zwar kein Leid, allerdings glaube er, "wir sollten sie treten, so lange sie am Boden liegen". Sie verdienten es, "öffentlich ausgepeitscht zu werden".[16] Den Klimaforscher James E. Hansen bezeichnete Morano als "Möchtegern-Unabomber" und legte ihm eine medizinische Behandlung nahe.[17]

2017 trat er als Gastredner bei einer von den beiden Klimaleugnerorganisationen EIKE und CFACT veranstalteten "Klimakonferenz" in Düsseldorf auf.[18]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Riley E. Dunlap, Aaron M. McCright: Organized Climate Change Denial, in: John S. Dryzek, Richard B. Norgaard, David Schlosberg (Hrsg.). The Oxford Handbook of Climate Change and Society. Oxford University Press 2011, S. 144–160, insb. 149.
  2. a b c d Anita Blasberg, Kerstin Kohlenberg: Die Klimakrieger. In: Die Zeit, 22. November 2012. Abgerufen am 13. November 2016.
  3. Freedom Action Conference: Marc Morano (Memento des Originals vom 7. Dezember 2013 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/freedomactionconference.com. 2011
  4. a b c Riley E. Dunlap, Aaron M. McCright: Organized Climate Change Denial, in: John S. Dryzek, Richard B. Norgaard, David Schlosberg (Hrsg.). The Oxford Handbook of Climate Change and Society. Oxford University Press 2011, S. 144–160, 153.
  5. Emily Atkin: Climate Deniers Are the Hysterical Alarmists. In: New Republic, 29. Mai 2019. Abgerufen am 30. Mai 2019.
  6. Marc Morano & Kent Washburn: Shaky science behind save-rainforest effort. In: WorldNetDaily. 26. Juni 2006
  7. Marc Morano: Kerry „Unfit to be Commander-in-Chief“, Say Former Military Colleagues (Memento vom 15. Mai 2008 im Internet Archive). In: Cybercast News Service. 3. Mai 2004
  8. Marc Morano & Randy Hall: Murtha’s War Hero Status Called Into Question (Memento vom 10. Februar 2008 im Internet Archive). In: CNSNews.com. 13. Januar 2006
  9. Randy Hall & Marc Morano: Murtha’s Anti-War Stance Overshadows Abscam Past (Memento vom 26. Juni 2008 im Internet Archive). In: CNSNews.com. 13. Januar 2006
  10. U. S. Senate Committee on Environment & Public Works – Minority Page: U. S. Senate Minority Report: More Than 650 International Scientists Dissent Over Man-Made Global Warming Claims Scientists Continue to Debunk “Consensus” in 2008. 11. Dezember 2008 (PDF; 1,2 MB – aktualisierte Version)
  11. Dan Shapley: Inhofe’s 400 Global Warming Deniers Debunked. In: The Daily Green. 11. Januar 2008
  12. Leslie Kaufman: Dissenter on Warming Expands His Campaign. In: The New York Times. 9. April 2009
  13. Amy Goodman: „His Nickname Is George W. Obama“: Leading Climate Change Denier Embraces U.S. Stance at U.N. Talks. In: Democracy Now. 8. Dezember 2011
  14. Jill Fitzsimmons & Shauna Theel: Climate Change Misinformer Of The Year: Marc Morano. In: Media Matters for America. 27. Dezember 2012
  15. Aussage von Marc Morano zu einem Kongresshearing, ‘The Origins and Response to Climate Change’, schriftlich niedergelegt und beim Climate Change Summit in Fairview, West VA am 30. Mai 2013 durch David McKinley, P.E. (WV-01)
  16. Cyber Bullying Intensifies as Climate Data Questioned. In: Scientific American, 1. März 2010. Abgerufen am 14. November 2016.
  17. Michael E. Mann: The Hockey-stick and the Climate Wars. New York 2012, S. 73.
  18. CFACT co-sponsors climate and energy conference with EIKE. Internetseite von CFACT. Abgerufen am 17. März 2018.