Marconi-Klasse

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Marconi-Klasse
Schiffsdaten
Land ItalienItalien (Seekriegsflagge) Italien
Schiffsart U-Boot
Reederei Regia Marina
Bauwerft OTO (Muggiano, La Spezia), CRDA (Monfalcone)
Gebaute Einheiten 6
Dienstzeit Seit 8. Februar 1940
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
70,04 m (Lüa)
Breite 6,82 m
Tiefgang max. 4,72 m
Verdrängung über Wasser: 1.191 ts
unter Wasser: 1.489 ts
 
Besatzung 7 + 50 Mann
Maschine
Maschine 2 Dieselmotoren, 3.600 PS
2 Elektromotoren, 1.500 PS
Höchst-
geschwindigkeit
18 kn (33 km/h)
Einsatzdaten U-Boot
Aktionsradius bei 8 kn 10.550 sm
Tauchtiefe, max. 100 m
Höchst-
geschwindigkeit
getaucht
8 kn (15 km/h)
Bewaffnung

Die Unterseeboote der Marconi-Klasse wurden kurz vor dem Zweiten Weltkrieg von der italienischen Marine bestellt und vorwiegend im Atlantik eingesetzt.

Baugeschichte[Bearbeiten]

Vier der sechs Boote der Klasse wurden zwischen 1938 und 1940 von der OTO-Werft in Muggiano bei La Spezia gebaut, die übrigen zwei von der CRDA-Werft in Monfalcone. Die Klasse war nach dem italienischen Wissenschaftler Guglielmo Marconi benannt.

Die Marconi-Klasse bildete den Abschluss einer Entwicklung, die 1925 mit der Fieramosca-Klasse (Einhüllen-Typ) begonnen hatte und dann in den 1930er Jahren mit dem Bau von acht weiteren U-Boot-Klassen fortgeführt wurde. Die Marconi-Klasse war eine Weiterentwicklung der Marcello-Klasse und der vorherigen Glauco-Klasse. Im Vergleich zu den Vorgängerklassen hatten die Marconi-Boote eine größere Verdrängung und einen größeren Fahrbereich, was jedoch zu einer schlechteren Manövrierbarkeit führte. Eine nachteilige Rolle spielte in diesem Zusammenhang der zunächst zu hohe Turm, der jedoch im Verlauf des Krieges umgebaut wurde. Weitere technische und logistische Schwierigkeiten entstanden dadurch, dass die Regia Marina zu viele Klassen mit jeweils zu wenigen Booten bauen ließ.

Einsatzgeschichte[Bearbeiten]

Obwohl nur eines der sechs Boote den Krieg vorübergehend überlebte, gehörten sie mit zu den erfolgreichsten Booten überhaupt, auch angesichts der Tatsache, dass sie nur wenige Monate zum Einsatz kamen. Vom italienischen Stützpunkt in Bordeaux (Betasom) aus operierend, versenkten sie im Atlantik und im Indischen Ozean 38 Schiffe (216.227 BRT) und beschädigten 17 weitere (116.686 BRT). Dabei war das R.Smg.[1] Leonardo da Vinci das erfolgreichste italienische U-Boot des Zweiten Weltkriegs.

Da sich die schwerfälligen italienischen Langstreckenboote immer weniger für offensive Operationen eigneten und der deutschen Kriegsmarine ausgebildete Besatzungen für ihre sehr guten Boote vom Typ VIIC fehlten, einigte man sich 1942 darauf, sieben deutsche Boote mit italienischer Besatzung einzusetzen und ebenso viele italienische Boote für Transportaufgaben, insbesondere für Fahrten nach Japan umzubauen. Von der Marconi-Klasse wurde das Boot Torelli für diesen Zweck umgebaut. Als der von Italien mit den Alliierten geschlossene Waffenstillstand am 8. September 1943 in Kraft trat, wurde Torelli im Hafen von Singapur von den Japanern eingezogen und dann den Deutschen übergeben, die es als UIT-25 mit einer gemischten deutsch-italienischen Besatzung einsetzten. Nach der Kapitulation Deutschlands im Mai 1945 übernahm es die Kaiserlich Japanische Marine als I-504 mit einer Crew aus drei Nationen. Nach der japanischen Kapitulation ging das Boot zunächst an die United States Navy, die es wenige Monate später vor Kōbe im Pazifik versenkte.

Boote der Klasse[Bearbeiten]

  Boot   Namensgeber Bauwerft Kiellegung Stapellauf Indienststellung Bemerkung
Alessandro Malaspina Alessandro Malaspina OTO Muggiano (SP) 1. März 1939 18. Februar 1940 20. Juni 1940 16.383 BRT versenkt, Totalverlust (24. September 1941), KKpt. Giuliano Prini
Guglielmo Marconi Guglielmo Marconi CRDA Monfalcone 19. September 1938 30. Juli 1939 8. Februar 1940 HMS Escort (H66) versenkt, 17.673 BRT versenkt, Totalverlust (28. Oktober 1941), KKpt. Livio Piomarta
Leonardo da Vinci Leonardo da Vinci CRDA Monfalcone 19. September 1938 16. September 1939 8. März 1940 17 Schiffe mit 120.243 BRT versenkt[2] , Totalverlust (23. Mai 1943), KKpt. Gianfranco Gazzana Priaroggia
Luigi Torelli Luigi Torelli OTO Muggiano 15. Februar 1939 6. Januar 1940 15. Mai 1940 42.871 BRT versenkt, ab 8. September 1943 UIT-25, dann japanisches I-504; 1946 von USN vor Kobe versenkt
Luigi Torelli Francesco Baracca OTO Muggiano 1. März 1939 21. April 1940 10. Juli 1940 8.553 BRT versenkt, Totalverlust (8. September 1941)
Luigi Torelli Michele Bianchi OTO Muggiano 15. Februar 1939 3. Dezember 1939 15. April 1940 27.626 BRT versenkt, Totalverlust (5. Juli 1941), KKpt Franco Tosoni Pittoni

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Robert Jackson: Unterseeboote. Gondromverlag, Bindlach, 2001, ISBN 3-8112-1874-3.
  • Erminio Bagnasco: Uboote im 2. Weltkrieg. Motorbuchverlag, Stuttgart, 5. Auflage 1996, ISBN 3-613-01252-9.

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. R.Smg. ist die Abkürzung für Regio Sommergibile und wurde als Namenspräfix italienischer U-Boote bis 1946 genutzt. R.Smg. bedeutet Königliches Tauchboot.
  2. Clay Blair: Der U-Boot-Krieg, Die Jäger 1939–1942, Wilhelm Heyne Verlag, München 1998, ISBN 3-453-12345-X, S. 849